Schwimmbad im Keller der Sargfabrik Wien

Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft

Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft
03.06.2017 – 10.09.2017
Vitra Design Museum

Wohnraum ist knapp – das ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden. Die Immobilienpreise in den Metropolen steigen und klassische Konzepte des Wohnungsbaus werden dem Bedarf nicht mehr gerecht. Diese Herausforderungen haben eine Revolution in der Architektur ausgelöst: das Bauen und Wohnen im Kollektiv. Together! ist die erste Ausstellung, die dieses Thema umfassend beleuchtet und räumlich erfahrbar macht. Anhand von Modellen, Filmen und Wohnungen im Massstab 1:1 präsentiert sie zahlreiche Beispiele aus Europa, Asien und den USA. Historische Vorläufer veranschaulichen zugleich die Geschichte der gemeinschaftlichen Architektur – von den Reformideen des 19. Jahrhunderts bis hin zur Hippie- und Hausbesetzerszene, die mit dem Slogan «Make love, not lofts» antrat.

Together! Die Neue Architektur derGemeinschaft, © Vitra Design Museum, 2017
Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft, © Vitra Design Museum, 2017

Die Ausstellung beginnt mit einem Blick auf die Geschichte sozialer Wohnideale, die aus Protest gegen die bestehenden Verhältnisse entstanden sind. Darunter sind die Phalanstères von Charles Fourier und die Wohngenossenschaften der 1920er-Jahre. Der gesellschaftspolitische Kontext dieser Projekte verdeutlicht deren Aktualität: Auch heute befindet sich die Gesellschaft im Umbruch, weil immer mehr Menschen nicht in klassischen Familienstrukturen leben. Für viele ist das Leben in Gemeinschaft eine vielversprechende Alternative, die Kontakte fördert und Kosten senkt.

21 grossformatige Modelle werden als imaginäre Stadt aus realen Wohnbauprojekten präsentiert. Sie stammen unter anderem aus Berlin, Zürich, Los Angeles, Tokio und Wien; unter den Architekten sind einszueins architektur, Michael Maltzan Architecture und Ryue Nishizawa. Dabei zeigt sich, dass gemeinschaftliche Wohnbauten auch eine neue Herangehensweise an Volumen, Fassaden und Materialien mit sich bringen. In der urbanistischen Perspektive sind Stadt und Wohnraum zudem nicht mehr klar getrennt, sondern miteinander verwoben.

Was das konkret bedeutet, erfahren die Besucher, wenn sie das 1:1-Modell einer Clusterwohnung betreten. Ergänzt wird es durch Fotografien von Daniel Burchard, der acht Projekte in mehreren Ländern dokumentiert hat. Viele der neuen Wohnkollektive sind ein Labor gesellschaftlicher Entwicklungen, weil sie Verbindungen von Wohnen und Arbeiten erproben, die erst mit der Digitalisierung möglich geworden sind.
Gemeinschaftliche Wohnmodelle behaupten sich heute nicht nur im kommerziellen Wohnungsmarkt, sondern können ihn auch positiv verändern. Sie sind Teil der sogenannten Sharing Economy, die die Rolle des Eigentums grundlegend neu definiert, während soziale Bottom-up-Bewegungen wie Occupy solche Ideale in der politischen Landschaft verankern. Die Ausstellung zeigt, wie die Bewohner und Architekten gemeinsam neue Formen des Zusammenlebens entwickeln – nicht als Produkt individueller Bedürfnisse, sondern als Antwort auf eine zentrale Frage unserer Zeit: Wie wollen wir in Zukunft miteinander wohnen?

Diesen Beitrag teilen:

Schreibe einen Kommentar