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Georg Baselitz in der Fondation Beyeler

Fondation Beyeler

Georg Baselitz

21.01.2018 – 29.04.2018

Der deutsche Maler, Grafiker und Bildhauer Georg Baselitz zeigt in der Fondation Beyeler anlässlich seines 80. Geburtstag bedeutende Werke aus allen Schaffensphasen sowie selten gesehene und noch nie gezeigte, neue Gemälde.

Nadine Koller ist kuratorische Assistentin der Fondation Beyeler. Sie hat die von Martin Schwander kuratierte Baselitz- Ausstellung mitbetreut und arbeitet mit Michiko Kono an einem Public Art Projekt mit Ernesto Neto.
Nadine Koller ist kuratorische Assistentin der Fondation Beyeler. Sie hat die von Martin Schwander kuratierte Baselitz- Ausstellung mitbetreut und arbeitet mit Michiko Kono an einem Public Art Projekt mit Ernesto Neto.

Von Nadine Koller

Georg Baselitz (geb. 1938 als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz, Sachsen) ist einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit. Zu Beginn des neuen Jahres widmet die Fondation Beyeler dem deutschen Maler, Grafiker und Bildhauer, der am
23. Januar seinen 80. Geburtstag feiert, eine umfangreiche Retrospektive, die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden ist. In der Auswahl von rund 90 Gemälden und 12 Skulpturen sind Werke aus allen wichtigen Schaffensphasen vertreten. Sie stehen jeweils für sich, formieren sich zum Teil aber zugleich zu umfangreichen Serien, die bestimmte Phasen und Wendepunkte im Leben und Arbeiten Baselitz’ markieren. Schon die Museumsgründer, Ernst und Hildy Beyeler, hatten dem Künstler im Rahmen ihrer Galerietätigkeit in den Jahren 1986 und 1992 zwei Einzelausstellungen eingerichtet. Für ihre eigene Sammlung haben sie zwei seiner Hauptwerke, das Bild Verschiedene Zeichen aus der Helden-Serie, 1965, und das expressive Gemälde Weg vom Fenster, 1982, erworben.

Georg Baselitz, Orangenesser (IX), 198, Skarstedt, New York, © Georg Baselitz, 2018; Foto: Friedrich Rosenstiel, Köln
Georg Baselitz, Orangenesser (IX), 198, Skarstedt, New York, © Georg Baselitz, 2018; Foto: Friedrich Rosenstiel, Köln

Seit gut sechs Jahrzehnten erschafft Georg Baselitz einzigartige Werke, die weltweit Bekanntheit erlangt haben. Es ist insbesondere die Beschäftigung mit der eigenen Biografie ebenso wie mit der deutschen Geschichte, die sich in Baselitz’ Werk auf vielgestaltige Art wiederfindet. Bilder der Kriegs- und Nachkriegszeit, aber auch die Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Vorbildern, mit Fotografien und Vorlagen aus Büchern und Zeitschriften münden stets in neue Inhalte und Kompositionen. Anders als viele seiner Zeitgenossen hat die um 1960 diagnostizierte «Krise der Malerei» – mit dem amerikanischen Abstrakten Expressionismus galt das Ende der modernen Malerei erreicht – Georg Baselitz nicht zur Abkehr von der Gegenständlichkeit veranlasst. Er entschied sich ganz bewusst für die figurative Malerei, obschon diese in jener Zeit durch fotografische Verfahren, Video, Performances oder Installationen zurückgedrängt wurde. Baselitz selbst gestaltet seit dem Ende der 1970er-Jahre neben Gemälden und Arbeiten auf Papier auch Holzskulpturen.

Georg Baselitz, Meine neue Mütze, 2003, Pinault Collection © Georg Baselitz, 2018, Foto: Jochen Littkemann, Berlin
Georg Baselitz, Meine neue Mütze, 2003, Pinault Collection © Georg Baselitz, 2018, Foto: Jochen Littkemann, Berlin

In der Fondation Beyeler stehen sich Gemälde und Skulpturen in einzelnen Räumen gegenüber, sodass sich spannungsvolle Bezüge zwischen diesen beiden unterschiedlichen Medien entfalten. Die gezeigten Arbeiten umfassen den Zeitraum von 1959 bis heute, wobei die neuesten Bilder noch nie öffentlich zu sehen waren. Exemplarische Gemälde aus den zentralen Werkgruppen der Helden– und Fraktur-Bilder sind ebenso vertreten wie solche der berühmten Orangenesser-, Trinker– oder Remix-Serien. Unter den gezeigten plastischen Werken findet sich auch Baselitz’ erste Holzskulptur, das Modell für eine Skulptur, 1979/80, die er 1980 auf der Biennale von Venedig präsentierte.

Durch den chronologischen Aufbau der Ausstellung eröffnen sich Einblicke in die Werkgeschichte; Stilentwicklungen und neue Methoden werden fassbar. Die Veränderungen in der Farbigkeit, im Bildaufbau, in der Motivwahl und der Malweise, aber auch Rückgriffe und Wiederaufnahmen werden anschaulich – Neuerungen, die in der 1969 erstmals umgesetzten Idee, die Bildmotive auf dem Kopf darzustellen, kulminierten. Die Motive selbst schöpfte Baselitz nun nicht mehr aus inneren Bildern, sondern aus zum Teil selbst aufgenommenen Fotografien. Vielfach handelt es sich um alltägliche Szenen, Porträts von Personen aus seinem Umkreis oder Landschaftsansichten.

Georg Baselitz, Adler, 1972, Fingermalerei (Detail), Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Pinakothekt der Moderne, Wittelsbacher Ausgleichsfonds, München © Georg Baselitz, 2018, Foto: © Bayer&Mitko - ARTOTHEK
Georg Baselitz, Adler, 1972, Fingermalerei (Detail), Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Pinakothekt der Moderne, Wittelsbacher Ausgleichsfonds, München © Georg Baselitz, 2018

Während der Realitätsbezug dadurch verstärkt und die Wiedererkennbarkeit des Dargestellten gefördert werden, bewirkt die Motivumkehrung eine Verfremdung und Irritation, wodurch sich beim Betrachter eine Distanzierung vom Gegenstand einstellt.In Anbetracht dieser Methode wird deutlich, dass es Baselitz nun nicht mehr vorrangig um den Gegenstand als  solchen, sondern um den Akt der Malerei selbst ging. Erst die Umkehrung des Motivs gab ihm die Freiheit, sich von diesem zu lösen und sich vorrangig mit dem Malprozess auseinanderzusetzen. Mit den Fingermalereien sucht Baselitz seit Beginn der 1970er-Jahre auch den direkten Kontakt zur Leinwand und zu den Farben. Er verzichtet auf den Pinsel und malt unmittelbar mit Fingern und Handballen.

Georg Baselitz, Oberon (1. Orthodoxer Salon 64 – E. Neijsvestnij), 1964, Städel Museum, Frankfurt am Main © Georg Baselitz, 2018, Foto: © Städel Museum – ARTHOTHEK
Georg Baselitz, Oberon (1. Orthodoxer Salon 64 – E. Neijsvestnij), 1964

Die Loslösung von der gewohnten Orientierung des Bildes an einem Oben und einem Unten hat Baselitz noch weitergetrieben, als er in den frühen 1990er-Jahren die Leinwand auf den Boden legte und sie in dieser Position bemalte. Bei diesem Verfahren relativieren sich die Richtungen des Bildes – zumindest während des Entstehungsprozesses –, weil der Künstler um das Werk herumgehen und es von allen Seiten aus gestalten kann. Zuweilen steht er sogar auf dem Gemälde selbst und blickt aus der Vogelperspektive darauf.

Charakteristisch für Baselitz’ Schaffen ist auch das Prinzip der Wiederholung. Dies manifestiert sich beispielsweise im Wiederaufnehmen, Umgestalten und Variieren von Motiven und Kompositionen innerhalb einzelner Werkgruppen wie etwa den Orangenessern oder Trinkern. Hier verliert das Einzelbild zugunsten der Serie  an Bedeutung. Zum anderen begegnen sich in den seit 2005 entstandenen Remix-Arbeiten Wiederaufnahmen und Weiterentwicklungen von früheren Bildern. Der Künstler orientiert sich dabei am Remix-Verfahren in der Musik, das die Neuauflage eines alten Musikstücks bezeichnet, bei der zum Beispiel einer unveränderten Grundmelodie ein anderer Rhythmus oder ein neues Arrangement unterlegt wird. Entsprechend gestaltet Baselitz auf der Grundlage früherer Arbeiten Bilder von ganz anderer Anmutung. Im Gegensatz zu den älteren Werken ist deren Farbauftrag leicht, flüssig, fast transparent und die Malweise schnell und flüchtig.

Seit Baselitz’ Anfängen als Künstler widerspiegelt sich die Beschäftigung mit der eigenen Person und dem eigenen Körper in zahlreichen mehr oder weniger offensichtlichen Selbstbildnissen. Es geht dabei vielfach um die Positionierung als Künstler und Erfinder eigener malerischer Verfahren und Techniken, aber auch um Aspekte von Körperlichkeit und Vergänglichkeit. So stösst der Betrachter in manchen der Helden-Bilder auf Malerutensilien wie Palette oder Pinsel, und in Baselitz’ Aktdarstellungen von sich und seiner Frau Elke wird man mit dem Vergehen der Zeit konfrontiert. Eine interessante Auseinandersetzung des Künstlers mit sich selbst und seiner Frau Elke findet sich auch im überlebensgrossen Skulpturenpaar Meine neue Mütze, 2003, und Frau Ultramarin, 2004. Wie die meisten seiner monumentalen Holzskulpturen sind auch diese beiden Figuren mit der Kettensäge, der Axt und anderen Werkzeugen aus Baumstämmen herausgearbeitet worden. Ihre Monumentalität versetzt uns in eine ungewöhnliche Beziehung zu ihnen und zu unserem eigenen Körper. Wir fühlen uns selbst betrachtet, zugleich fällt es uns schwer, mit den Figuren in Dialog zu treten. Zudem künden sie von der körperlichen Kraft, die der Künstler aufbringen musste, und von den Werkzeugen, die dabei verwendet wurden. Mit Gemälden aus unterschiedlichen Schaffensphasen und deren Gegenüberstellung mit Skulpturen gewährt die Ausstellung einen umfassenden Einblick in das Werk des Künstlers und eröffnet zugleich neue Perspektiven.

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Das fotografische Abenteuer Adolphe Braun

Musée Unterlinden
17.02.2018 – 14.05.2018

Das Musée Unterlinden in Colmar widmet dem Elsässer Adolphe Braun (1812–1877) die erste Retrospektive in Frankreich. Braun gehörte zu den einflussreichsten französischen Fotografen des 19. Jahrhunderts und prägte den Wandel der Fotografie von den Unikaten hin zu einer industriellen Produktionsweise.

Ursprünglich war Adolphe Braun Gestalter von Stoffmustern und leitet in Paris ein Designatelier. 1843 kehrt er ins Elsass zurück, um als Textilgestalter für das Unternehmen Dollfuss-Ausset zu arbeiten. Ab 1851 widmet er sich mit Leidenschaft dem neuen Medium Fotografie und feiert im Jahr 1855 mit seiner ersten Fotoserie, Fotografierte Blumen (1851–1854) an der Weltausstellung in Paris einen derart grossen Erfolg, dass er seinen angestammten Beruf aufgibt und sich fortan nur noch der Fotografie widmet.

Adolphe Braun erfasst mit seiner Kamera zuerst topografische Ansichten – Bilder des heimischen Elsass oder der Schweizer Alpen. 1869 wird er zur Eröffnung des Suez-Kanals eingeladen und dokumentiert ägyptische Landschaften, Pyramiden oder die Sphinx von Gizeh. Zurück in Europa, schafft er eindrucksvolle Bilder der Zerstörung nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Ein weiteres Spezialgebiet von Braun ist die Reproduktion von Kunstwerken aus öffentlichen und privaten Sammlungen. Die exzellenten Kenntnisse der neuartigen Verfahren – speziell beschichtete Glasnegative, Abzüge auf Salz- oder Albuminpapier und vor allem die Kohleabzüge – machen Adolphe Braun zum grössten Anbieter Europas. Weil die neuen Verfahren hohe Auflagen und damit günstigere Preise ermöglichen, kann sich plötzlich ein breites Publikum an berühmten Kunstwerken erfreuen.

Das Musée Unterlinden zeigt mehr als 200 Originalaufnahmen Adophe Brauns und etwa zwanzig Gemälde renommierter Künstler wie Monet, Courbet, Fromentin oder Henner, welche den wechselseitigen Einfluss zwischen Malerei und Fotografie dokumentieren. Dank den Leihgaben aus dem Conservatoire national des Arts et Métiers, dem Musée français de la photographie und dem Musée Niépce kann das von Braun verwendete fotografische Material den einmaligen Glasnegativen aus den Sammlungen des Musée Unterlinden gegenübergestellt werden.

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Here’s the Answer, What’s the Question?

Sofia Hultén im Museum Tinguely
24.01.2018 – 01.05.2018

Lisa Anette Ahlers ist wissenschaftliche Mitarbeiterin/Kuratorin am Museum Tinguely. Sie hat Sofia Hulténs Ausstellung gemeinsam mit der Künstlerin kuratiert.
Lisa Anette Ahlers ist wissenschaftliche Mitarbeiterin/Kuratorin am Museum Tinguely. Sie hat Sofia Hulténs Ausstellung gemeinsam mit der Künstlerin kuratiert.

Von Lisa Anette Ahlers

Die Installationen und Videos von Sofia Hultén nehmen ihren Anfang bei gefundenen Objekten – unscheinbaren Gebrauchsgegenständen oder Material aus der Welt der Baumärkte und Werkstätten. In präzisen, manchmal das Absurde streifenden Manipulationen studiert sie die von einem Vorleben gezeichneten Dinge, greift in deren Zerfallsprozesse ein oder überarbeitet sie zu neuen Arrangements. Die markanten Titel ihrer Arbeiten spielen auf Konzepte aus Philosophie und Quantenphysik sowie auf Motive aus Science-Fiction und Popkultur an. Dadurch stehen sie in einem überraschenden, oft humorvollen Kontrast zur Nüchternheit des von ihr verwendeten Materials und der von ihr gefilmten Situationen. Das Museum Tinguely widmet der in Berlin lebenden Künstlerin (*1972 in Stockholm) in Kooperation mit der Ikon Gallery in Birmingham im Januar die bisher grösste Einzelausstellung.

Poesie und Rätselhaftigkeit des Fundobjekts Here’s the Answer, What’s the Question? weiterlesen

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Glaubenswelten des Mittelalters

Historisches Museum Basel

Glaubenswelten des Mittelalters

ab 23.03.2018

Früher in das 14. Jahrhundert datiert, heute in das 12. Jahrhundert: Segnender Christus aus dem Beinhaus in Steinen.
Früher in das 14. Jahrhundert datiert, heute in das 12. Jahrhundert:
Segnender Christus aus dem Beinhaus in Steinen.

Sensationelles Forschungsergebnis beim Historischen Museum Basel: Im Zuge der Neueinrichtung des Chors in der Barfüsserkirche werden diverse Sammlungsobjekte restauriert und konserviert. Das Historische Museum Basel bestätigt die
eigene Vermutung mittels C14-Test an der ETH Zürich: Der Segnende Christus ist älter als bisher angenommen, was zu einer ganz neuen Bewertung und erheblichen Aufwertung der grossformatigen Christusfigur führt.

Das Historische Museum Basel richtet im Chor der Barfüsserkirche eine neue Galerie zu Glaubenswelten des Mittelalters ein. Die Ausstellung erschliesst die bedeutende Sammlung sakraler Bildwerke des Mittelalters. Im Chor der ehemaligen Klosterkirche des Glaubenswelten des Mittelalters weiterlesen

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Kunst. Geld. Museum. Fünfzig Jahre Picasso-Story

Fünfzig Jahre Picasso-Story

10.03.2018  – 12.08.2018

2018 jährt sich die erstmalige gemeinsame Präsentation
aller 1967 erworbenen Picassos im Kunstmuseum Basel
zum 50. Mal. Das Jubiläum bildet den Anlass für eine
erweiterte Sammlungspräsentation.

Eva Reifert ist Kuratorin 19. Jahrhundert und Klassische Moderne am Kunstmuseum Basel und kuratiert die Ausstellung Kunst. Geld. Museum. 50 Jahre Picasso-Story.
Eva Reifert ist Kuratorin 19. Jahrhundert und Klassische Moderne am Kunstmuseum Basel und kuratiert die Ausstellung Kunst. Geld. Museum. 50 Jahre Picasso-Story.

Von Eva Reifert

Diese Geschichte kennen in Basel fast alle: 1967 sollten zwei hochbedeutende Picasso-Gemälde, die bis dahin als Leihgaben im Kunstmuseum hingen, auf dem internationalen Markt verkauft werden. Die Bevölkerung aber bewilligte per Referendum die stolze Summe von sechs Millionen Franken aus Steuergeldern und trieb mit einem «Bettlerfest» den noch fehlenden Restbetrag auf, sodass man das Angebot eines Vorkaufsrechts annehmen und Picassos Les deux frères (1906) und Arlequin assis (1923) für die Öffentliche Kunstsammlung Basel erwerben konnte. Der Künstler, der die Ereignisse aus dem französischen Mougins verfolgt hatte, lud den Direktor des Kunstmuseums, Franz Meyer, zu sich ein und schenkte Basel bei dieser Gelegenheit vier weitere seiner Werke. Als siebter Picasso des Jahres 1967 gelangte das kubistische Gemälde Le poète (1912) als eine durch das Engagement der Bevölkerung inspirierte Schenkung der Mäzenin Maja Sacher in die Sammlung.

Pablo Picasso, Les deux frères, 1906 (Gósol), Kunstmuseum Basel- Depositum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel- 1967
Pablo Picasso, Les deux frères, 1906 (Gósol), Kunstmuseum Basel- Depositum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel- 1967

50 Jahre nach diesen Ereignissen zeigt sich, dass die Akteure rund um die Sammlung des Kunstmuseums noch dieselben sind – Bevölkerung, Künstler, der Direktor, die Kunstkommission und Mäzene. Auch die Auseinandersetzung mit der Frage «Welche Kunst kommt ins Kunstmuseum?», die die Diskussionen im Zuge der Picasso-Ankäufe bestimmte, führen wir heute noch im selben Spannungsfeld von künstlerischen Kriterien, finanziellen Mitteln und Belangen des Museums. Was den für ein Museum zentralen Vorgang der «Verinstitutionalisierung» von Kunst angeht, richtet die Ausstellung

Kunst. Geld. Museum. 50 Jahre Picasso-Story in den Erdgeschossräumen des Kunstmuseums Basel den Blick auch auf die Rolle des Direktors, der Kunstkommission und der Mäzene. Wie aktuell die Fragestellungen von 1967/68 sind, sieht man daran, dass sich viele der damaligen Statements, die in der Ausstellung durch Zeitungsausschnitte und anderes Archivmaterial zugänglich sind, wie Debattenbeiträge aus unseren Tagen lesen. Die Ausstellung nimmt die Diskussion im Gespräch mit den Besuchern und Künstlern der Stadt wieder auf und geht den Implikationen in Bezug auf Identifikation und Zusammengehörigkeit, Kunst und Kommerz nach.

Einerseits können so die Ereignisse von vor 50 Jahren mit all ihrem legendären Potenzial vergegenwärtigt werden, etwa auch durch grossformatige Fotografien von Kurt Wyss, andererseits bildet die «Picasso-Story» mit Programmpunkten wie Tischgesprächen den Ausgangspunkt für heutige Fragestellungen rund um Kunst, Geld und Museum. Somit stehen die sieben Werke Picassos, die 1968 erstmals gemeinsam präsentiert wurden, im Kontext von Meinungsstreit und museumspolitischen Entscheiden, zeigen sich aber gerade darin in ihrer zeitlosen Präsenz.

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