Andrzej Sapija, «Gdzie sa niegdysiejesze sniegi» (Where are Last Year’s Snows), Filmstill, 1984

Tadeusz Kantor: Où sont les neiges d’antan


Museum Tinguely
09.10.2019 – 05.01.2020

Das Museum Tinguely präsentiert – in Kooperation mit Culturescapes – einen der wichtigsten Theaterschaffenden und bildenden Künstler Polens des 20. Jahrhunderts mit einem seiner grossen Bühnenwerke. Mit kritischem Blick auf die verdrängte Geschichte Polens widmet sich Tadeusz Kantors unabhängiges Untergrundtheater der Alltagsrealität. 

Die Ausstellung Tadeusz Kantor: Où sont les neiges d’antan im Museum Tinguely präsentiert einen der wichtigsten Theaterschaffenden und bildenden Künstler Polens des 20. Jahrhunderts mit einem seiner grossen Bühnenwerke. Mit kritischem Blick auf die verdrängte Geschichte Polens widmet sich Tadeusz Kantors (1915–1990) unabhängiges Untergrundtheater der Alltagsrealität und prägt bis heute eine junge Generation in der Welt des Theaters. Sein Werk gilt als Modell für radikale, disziplinübergreifende Theaterexperimente und für die Aufhebung der Differenz zwischen Bühnen- und Zuschauerraum. Als Regisseur, der sich auf der Bühne unter seine Schauspieler*innen mischte, Anweisungen gab, eingriff und so zum Fremdkörper im Ensemble wurde, durchbrach Kantor vor allem mit seiner eigenen Anwesenheit die Grenzen des klassischen Theaters. Zu seiner künstlerischen Praxis gehörte die Wiederverwendung von Objekten. Alte und beschädigte Dinge waren sein «natürliches» Medium und das Motiv des Todes ist ein zentrales Thema in seinem Werk. 

Im Museum Tinguely werden Objekte und Kostüme aus Où sont les neiges d’antan gezeigt. Begleitet werden sie von der Filmvorführung einer Probe, die 1984 am Vorabend der polnischen Premiere im Studentenclub Stodoła in Warschau von Andrzej Sapija aufgenommen wurde. Zeichnungen und Skizzen von Tadeusz Kantor werden der fotografischen Dokumentation gegenübergestellt.

Im Museum Tinguely wird die Schau durch eine Virtual Reality-Animation begleitet, der Cricoterie (2019) von Auriea Harvey & Michaël Samyn. Die Besucher*innen sind vom 9. bis 20. Oktober eingeladen, eine virtuelle Bühne zu bespielen, die inspiriert von Kantors Werk mit ungewöhnlichen Charakteren und Requisiten ausgestattet ist, während das Publikum zusehen kann, wie die Dinge ausser Kontrolle geraten.

Jean Tinguely und Tadeusz Kantor lernten sich um 1960 durch den schwedischen Sammler Theodor Ahrenberg kennen, der sich in Chexbres in der Schweiz niedergelassen hatte. Beide Künstler vermischen in ihren Werken ihre persönlichen Erfahrungen mit der gesellschaftlichen Erinnerungskultur. Ihr gemeinsames Interesse an prozessualer Kunst und hybriden Medien animierte sie dazu, die Grenzen zwischen Kunst und Realität aufzubrechen. 

Die von der Cricoteka in Krakau gastkuratierte Schau läuft bis zum 5. Januar 2020 und ist Kantors erste Einzelausstellung in der Schweiz seit über zehn Jahren. Das Projekt entstand in Kooperation mit Culturescapes Polen in Basel, ein Kulturfestival, in dem die Kulturlandschaft eines anderen Landes oder einer Region vorgestellt wird.

Gastkurator*innen: Małgorzata Paluch-Cybulska, Bogdan, Renczyński, Natalia Zarzecka / Das Zentrum zur Dokumentation der Kunst von Tadeusz Kantor Cricoteka in Krakau

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