Boris Magrini, Kurator am HeK, erläutert das Werk The Weather Followers, 2017 von Fragmentin

Schweizer Medienkunst im HeK

Die Pax Art Awards Preisträger_innen 2018 zeigen ihre Medienkunst

HeK, Haus der elektronischen Künste
21.02.2019 – 21.04.2019

Von Sibylle Meier

Im Juni 2018 wurden erstmals die neu ins Leben gerufenen Pax Art Awards für junge digitale Kunst verliehen. Die drei Preisträger_Innen werden nun bis am 21.02.2019 im Haus der elektronischen Künste – HeK in drei Einzelausstellungen präsentiert. Gezeigt werden Arbeiten der aus Zürich und Berlin agierenden !Mediengruppe Bitnik, der Künstlergruppe Fragmentinaus Lausanne und der Genfer Künstlerin Lauren Huret. Hauskurator des Hek, Boris Magrini, hat sich bewusst für das Konzept von drei unabhängigen Soloshows in einer entschieden. Allen drei Künstler_innen ist jedoch ihre kritische Auseinandersetzung mit den Themen Digitalisierung und Automatisierung und ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft gemein. 

Domagoj Smoljo erläutert die Arbeit Postal Machine Decision, 2018
Domagoj Smoljo erläutert die Arbeit Postal Machine Decision, 2018

Die !Mediengruppe Bitnik etwa setzt sich im Werk OSTL HINE ECSION (Postal Machine Decision Part 1, Werkleitz Halle) 2018, PA MAC DI (Postal Machine Decision Part 2, Super Dakota Brussels), 2018 mit den Folgen der Automatisierung von Logistikunternehmen auseinander. Die fehlenden Buchstaben im Titel des Werks, weisen auf die Lücken im Automatisierungsbetrieb hin. Sie verschickte 21 Pakete mit zwei unterschiedlichen Zustelladressen auf jeder Seite des Pakets. Durch den nicht ganz reibungsfreien Automatisierungsprozess landeten die Pakete in den Sortiermaschinen mal auf der einen, mal auf der anderen Seite und wurden deshalb von den automatisierten Poststellen ‚hilflos’ hin- und hergeschickt. Die Künstlergruppe verfolgte die Wege der Pakete mit einem Post-Tracking-System, welche auf einen Bildschirm im Ausstellungsraum übertragen wurden. Anstatt durch Automatisierung die Kontrolle über Prozesse zu gewinnen, kann sie uns auch entgleiten. Auf solche blinde Flecken weist die Künstlergruppe uns hin: „Information fliesst“ so sagt es Domagoj Smoljo, der bei der Pressekonferenz anwesend war „man muss einfach schauen, in welche Richtung fliesst sie und wie fliesst sie“.

Die Arbeit ist nebenbei eine Anspielung auf Ben Vautier. Für sein Werk „The postmans choice“ von 1965  verschickte Flux-Postkarten:  Ansichtskarten mit lediglich zwei Adressen auf jeder Seite. Er überliess es dem Postboten einen der Adressaten auszuwählen.

Fragmentin, Your Phone Needs to Cool Down, 2019
Fragmentin, Your Phone Needs to Cool Down, 2019

Mit einer ähnlichen Thematik beschäftigt sich auch die Künstlergruppe Fragmentin. Sie fragt nach den Auswirkungen von Technologie auf unseren Alltag und untersucht die Interaktionen zwischen Digitalisierung und Ökosystemen. Ihre eigens für die Ausstellung im HeK entworfene Arbeit Displuvium(2019) untersucht die Folgen des sogenannten Cloudseeding, dem Einfluss auf die Wetterentwicklung. Dabei geht es um unseren Wunsch, die vollständige Kontrolle über unsere Umwelt zu erlangen. Auf der im Ausstellungsraum installierten Wasseroberfläche, erscheinen Wassertropfen als ob es regnete. Die digital animierten Tropfen erscheinen mal chaotisch natürlich geformt, aber auch streng geometrisch und weisen so auf ihre Gemachtheit hin. Die Arbeit wird von zwei Bildschirmen begleitet, welche ungewöhnliche historische Regenformationen darstellt, die einerseits durch natürliche Vorkommnisse, andererseits aber auch durch die Beeinflussung von Menschen verursacht worden sind.

Lauren Hurets, Deep Blue Dream IV, 2016
Lauren Hurets, Deep Blue Dream IV, 2016

Lauren Huret untersucht unter anderem unser Verhältnis zu Künstlicher Intelligenz und fragt nach der emotionalen Beziehung von Mensch und Maschine. In ihrem modernen Selbstportrait Deep Blue Dream IV(2016) zeigt sie ihren Körper gefangen hinter den Glasscheiben mehrerer Flachbildschirme. Die sinnlich-ästhetisch Anmutung dieser „Tänze hinter Glas“ weisen einerseits auf die betörende Anziehungskraft des Bildschirms hin, der uns immer mehr in die digitale Welt hineinzieht, in deren Tiefen wir uns willenlos treiben lassen. Andererseits führen sie uns auf erdrückende Art die Begrenztheit dieser Welt vor Augen, bleibt der Bildschirm doch immer die gläserne Mauer die unsere Wirklichkeit von der digitalen Realität trennt.

Art Foundation Pax – Pax Art Awards

Die Stiftung Art Foundation Pax wurde 2017 von Pax-Marketingleiter Nicolas Bopp gegründet, um die noch junge Gattung der digitalen bildenden Kunst zu fördern. Die 2018 erstmals verliehenen Pax Awardsunterstützen dadurch, in Zusammenarbeit mit dem HeK, Haus der elektronischen Künste Basel, die Etablierung von Medienkunst. Der 1. Preis ist mit 30 000.– dotiert, der 2. und 3. Preis mit je 15 000.–. Die Stiftung Art Foundation Pax ist dabei mit einem Betrag alimentiert, der die Stiftungsaktivitäten für die nächsten zehn Jahre sichert.

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