Glaubenswelten des Mittelalters

Historisches Museum Basel

Glaubenswelten des Mittelalters

ab 23.03.2018

Früher in das 14. Jahrhundert datiert, heute in das 12. Jahrhundert: Segnender Christus aus dem Beinhaus in Steinen.
Früher in das 14. Jahrhundert datiert, heute in das 12. Jahrhundert:
Segnender Christus aus dem Beinhaus in Steinen.

Sensationelles Forschungsergebnis beim Historischen Museum Basel: Im Zuge der Neueinrichtung des Chors in der Barfüsserkirche werden diverse Sammlungsobjekte restauriert und konserviert. Das Historische Museum Basel bestätigt die
eigene Vermutung mittels C14-Test an der ETH Zürich: Der Segnende Christus ist älter als bisher angenommen, was zu einer ganz neuen Bewertung und erheblichen Aufwertung der grossformatigen Christusfigur führt.

Das Historische Museum Basel richtet im Chor der Barfüsserkirche eine neue Galerie zu Glaubenswelten des Mittelalters ein. Die Ausstellung erschliesst die bedeutende Sammlung sakraler Bildwerke des Mittelalters. Im Chor der ehemaligen Klosterkirche des Glaubenswelten des Mittelalters weiterlesen

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Kunst. Geld. Museum. Fünfzig Jahre Picasso-Story

Fünfzig Jahre Picasso-Story

10.03.2018  – 12.08.2018

2018 jährt sich die erstmalige gemeinsame Präsentation
aller 1967 erworbenen Picassos im Kunstmuseum Basel
zum 50. Mal. Das Jubiläum bildet den Anlass für eine
erweiterte Sammlungspräsentation.

Eva Reifert ist Kuratorin 19. Jahrhundert und Klassische Moderne am Kunstmuseum Basel und kuratiert die Ausstellung Kunst. Geld. Museum. 50 Jahre Picasso-Story.
Eva Reifert ist Kuratorin 19. Jahrhundert und Klassische Moderne am Kunstmuseum Basel und kuratiert die Ausstellung Kunst. Geld. Museum. 50 Jahre Picasso-Story.

Von Eva Reifert

Diese Geschichte kennen in Basel fast alle: 1967 sollten zwei hochbedeutende Picasso-Gemälde, die bis dahin als Leihgaben im Kunstmuseum hingen, auf dem internationalen Markt verkauft werden. Die Bevölkerung aber bewilligte per Referendum die stolze Summe von sechs Millionen Franken aus Steuergeldern und trieb mit einem «Bettlerfest» den noch fehlenden Restbetrag auf, sodass man das Angebot eines Vorkaufsrechts annehmen und Picassos Les deux frères (1906) und Arlequin assis (1923) für die Öffentliche Kunstsammlung Basel erwerben konnte. Der Künstler, der die Ereignisse aus dem französischen Mougins verfolgt hatte, lud den Direktor des Kunstmuseums, Franz Meyer, zu sich ein und schenkte Basel bei dieser Gelegenheit vier weitere seiner Werke. Als siebter Picasso des Jahres 1967 gelangte das kubistische Gemälde Le poète (1912) als eine durch das Engagement der Bevölkerung inspirierte Schenkung der Mäzenin Maja Sacher in die Sammlung.

Pablo Picasso, Les deux frères, 1906 (Gósol), Kunstmuseum Basel- Depositum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel- 1967
Pablo Picasso, Les deux frères, 1906 (Gósol), Kunstmuseum Basel- Depositum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel- 1967

50 Jahre nach diesen Ereignissen zeigt sich, dass die Akteure rund um die Sammlung des Kunstmuseums noch dieselben sind – Bevölkerung, Künstler, der Direktor, die Kunstkommission und Mäzene. Auch die Auseinandersetzung mit der Frage «Welche Kunst kommt ins Kunstmuseum?», die die Diskussionen im Zuge der Picasso-Ankäufe bestimmte, führen wir heute noch im selben Spannungsfeld von künstlerischen Kriterien, finanziellen Mitteln und Belangen des Museums. Was den für ein Museum zentralen Vorgang der «Verinstitutionalisierung» von Kunst angeht, richtet die Ausstellung

Kunst. Geld. Museum. 50 Jahre Picasso-Story in den Erdgeschossräumen des Kunstmuseums Basel den Blick auch auf die Rolle des Direktors, der Kunstkommission und der Mäzene. Wie aktuell die Fragestellungen von 1967/68 sind, sieht man daran, dass sich viele der damaligen Statements, die in der Ausstellung durch Zeitungsausschnitte und anderes Archivmaterial zugänglich sind, wie Debattenbeiträge aus unseren Tagen lesen. Die Ausstellung nimmt die Diskussion im Gespräch mit den Besuchern und Künstlern der Stadt wieder auf und geht den Implikationen in Bezug auf Identifikation und Zusammengehörigkeit, Kunst und Kommerz nach.

Einerseits können so die Ereignisse von vor 50 Jahren mit all ihrem legendären Potenzial vergegenwärtigt werden, etwa auch durch grossformatige Fotografien von Kurt Wyss, andererseits bildet die «Picasso-Story» mit Programmpunkten wie Tischgesprächen den Ausgangspunkt für heutige Fragestellungen rund um Kunst, Geld und Museum. Somit stehen die sieben Werke Picassos, die 1968 erstmals gemeinsam präsentiert wurden, im Kontext von Meinungsstreit und museumspolitischen Entscheiden, zeigen sich aber gerade darin in ihrer zeitlosen Präsenz.

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Basel Short Stories: Frick und Frack

Kunstmuseum Basel

Basel Short Stories

10.02.2018 – 21.05.2018

Die Ausstellung Basel Short Stories richtet einen Blick auf die umfangreiche und in mancher Hinsicht weltberühmte Sammlung des Kunstmuseums Basel. Auch weniger bekannte Aspekte der Bestände werden in neuen Zusammenhängen gezeigt. Neun Stories erzählen von Persönlichkeiten und wichtigen Ereignissen aus der Basler Geschichte – von Erasmus von Rotterdam bis Iris von Roten.

Frick und Frack: «Slapstick on Ice»  von Gundeldingen nach Hollywood

Robert Gober, Untitled, 1997-1998, Privatsammlung, Gabriel Moulin Studios, San Francisco
Robert Gober, Untitled, 1997-1998, Privatsammlung, Gabriel Moulin Studios, San Francisco

Werner Groebli (1915–2008) und Hansruedi Mauch (1919–1979) wachsen im Basler Gundeldinger-Quartier auf, wo sie jeweils die Winterwochen nutzen, um auf improvisierten Eisflächen Schlittschuh zu laufen. Bei einem Varieté auf der neu erbauten Kunsteisbahn Margarethen bietet sich den beiden 1936 die Gelegenheit, ihre besondere Kreation aus Akrobatik und Komödie einem Publikum zu präsentieren – mit grosser Wirkkraft: Die parodistische Einlage auf Italiens Interventionen in Äthiopien bringen den italienischen Konsul dazu, die Vorführung aus Protest vorzeitig zu verlassen. Es folgen Aufführungen in Davos und London, wo die beiden «entdeckt» werden. 1939 wagen sie den Sprung in die USA, wo sie sich nun «Frick and Frack» nennen.

Der Erfolg führt Frick und Frack bis nach Hollywood, wo sie in zwei Filmen auftreten: «Silver Skates» (1943) und «Lady, Let’s Dance» (1944). Nachdem Mauch wegen Krankheit 1953 zurücktreten muss, führt Groebli alias «Frick» die Vorstellungen solo fort. Als er mit 66 Jahren in Rente geht, verzeichnet er rund fünfzehntausend Performances. Während die Basler Eiskunstkomödianten in der Schweiz in Vergessenheit geraten, hat sie ihre Berühmtheit in den USA sogar in den Sprachschatz katapultiert: Die Wendung «You are like Frick and Frack» bezeichnet entweder zwei Leute, die sich unverwechselbar ähneln, oder – abwertend – zwei Dummköpfe.

Paule Vézelay, Lines in Space No 16, 1951, Kunstmuseum Basel, Schenkung Marguerite Arp-Hagenbach 1968
Paule Vézelay, Lines in Space No 16, 1951, Kunstmuseum Basel, Schenkung Marguerite Arp-Hagenbach 1968

Die Werke dieser Story nehmen mit Max Beckmann oder Ernst Ludwig Kirchner einerseits die Thematik des Schlittschuhlaufens und der Akrobatik auf und andererseits mit Walter Kurt Wiemken oder Paul Klee das Clowneske. Darüber hinaus nähern sie sich in Reliefs von Walter Bodmer und Paule Vézelay assoziativ Themen der Ähnlichkeit und der Konstruktion beziehungsweise der Mobilität der Linie. Durch Werke von Andy Warhol und Danh Vo wird Nordamerika als Land der unbegrenzten Möglichkeiten evoziert.

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Editorial

Josef Helfenstein, Direktor Kunstmuseum Basel
Josef Helfenstein, Direktor Kunstmuseum Basel

Von Josef Helfenstein

Wissen Sie, wie viele Kunstwerke sich in den Museen der Stadt Basel befinden? Die Frage ist nicht ganz fair, ist es doch kaum möglich, die genaue Anzahl festzustellen; die Bestände sind aber beträchtlich, allein schon in den staatlichen Museen sind es weit über eine Million Objekte.
Warum ist das von Bedeutung? Vielleicht, weil die Breite und der Reichtum von Sammlungen, ähnlich wie bei Bibliotheken, ein wichtiger Hinweis sind für die Bedeutung der Institution als solcher. Wichtiger aber als ihr Umfang ist die Tatsache, dass Sammlungen von Kunstwerken schlafende Schätze sind, Quellen von Information, von überraschenden Einsichten und Entdeckungen, «Bildungsmaterial» für alle möglichen Arten von Unterricht oder Interessen breitester Art. Sammlungen von Kunst sind der Spiegel unserer wechselvollen Geschichte, von Haupt- oder Nebensächlichem, Ereignissen persönlichster oder auch weltgeschichtlich einschneidender Art, von Alltäglichem oder von Utopien, Vorahnungen, Katastrophen. Bedeutende Kunstsammlungen sind wie ein Gedächtnis der Menschheit, wobei wir zum Verständnis der Objekte manchmal das Wissen von Fachleuten oder vermittelnde Information benötigen.
Gerade Sammlungen, die über viele Jahrhunderte entstehen, sind schon immer eine Quelle der Inspiration gewesen. Eigentlich sind ihre Objekte der Grund, warum wir in Institutionen mit grossen Sammlungen arbeiten wollen. Dabei kommen sie aber häufig zu kurz, weil die Museen ebenfalls Opfer jener Atemlosigkeit geworden sind, die Merkmal unserer Zeit ist, die uns antreibt und in der wir, digital gejagt, in unserer «Informationsgesellschaft» von Ereignis zu Ereignis, von Event zu Event hetzen.
Der neue Blick auf diese in unterkühlten Depots ruhenden Schätze kann eine Offenbarung sein. Ich verstehe diese Auseinandersetzung mit den Schatztruhen keineswegs als einen Kompromiss, der in Zeiten knapper Ressourcen als Ausweg dienen soll. Sammlungen beinhalten oder verkörpern Erinnerungen, verdrängte Energien, Albträume oder Glücksmomente, die in unserem Unbewussten ruhen, sei dies nun individueller oder gesellschaftlich-kollektiver Art. Sie auszugraben und dem Licht neuer Betrachtung auszusetzen, kann Überraschungen bewirken, zu neuen Erkenntnissen über unsere Geschichte, uns als Gesellschaft und als Sammlung von Individuen führen.
Ein solcher Versuch, Unbekanntes und Bekanntes neu zu sehen, ist unsere Ausstellung Basel Short Stories. Objekte können Geschichten erzählen, die Texte niemals vermögen. Sie eröffnen einen weiten Horizont von Assoziationen. Ziel ist es, das ausserordentliche Potenzial der Öffentlichen Kunstsammlung Basel durch eine freie, Gegenüberstellung von vergessenen oder selten gezeigten Werken mit Ikonen unserer Sammlung auf neue Weise in unser Bewusstsein zu bringen. Derart beleuchtet werden berühmte wie auch weniger bekannte Personen und Vorkommnisse aus der Geschichte Basels ebenso wie naturwissenschaftliche Entdeckungen oder Ereignisse aus der Sport- und Unterhaltungsgeschichte.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Besuch der Ausstellungen in und um Basel

Josef Helfenstein, Direktor Kunstmuseum Basel

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Die amerikanische Sicht in Baden-Baden

America! America!
How real is real?
09.12.2017 – 27.05.2018
Museum Frieder Burda

Mythen, Projektionen, Sehnsüchte: In Zeiten von «Fake News» und «Alternative Facts» wird deutlich, wie sehr der amerikanische Traum mit emotional aufgeladenen Bildern und Symbolen verwoben ist. Zugleich ist sich wohl kaum eine andere Nation der Wirkungskraft von Bildern so bewusst. Die Images des «American Way of Life», die in den Medien und der Unterhaltungsindustrie produziert werden, können bestehende Machtverhältnisse und Vorstellungen von Wirklichkeit zementieren, aber auch radikal infrage
stellen.

Andy Warhol, Most Wanted Men No. 6, Thomas Francis C. (Front View), 1963, Sammlung Froehlich, Stuttgart
Andy Warhol, Most Wanted Men No. 6, Thomas Francis C. (Front View), 1963, Sammlung Froehlich, Stuttgart

Mit rund 70 Meisterwerken der US-Gegenwartskunst, wie Andy Warhols Race Riot (1964), Jeff Koons lebensgrosser Skulptur Bear and Policeman (1988) oder Jenny Holzers Leuchtschriftinstallation Truisms (1994) zeigt America! America! How real is real?, wie Künstler von den 1960er-Jahren bis heute die amerikanische Realität kommentieren. Mit Werken aus der Sammlung Frieder Burda und zahlreichen hochkarätigen Leihgaben lädt die Schau zu einer Exkursion durch die visuelle Kultur Amerikas ein.
Schon die Stars der Pop Art wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder James Rosenquist transformieren die Oberflächen der Konsumkultur in eine Kunst, die von ungeheurer Verführung und kühler Distanz spricht. Indem sie die Methoden der kommerziellen Bildproduk­tion übernehmen, verabschieden sie sich von den traditionellen Vorstellungen von Authentizität. Das Gefühl von Entfremdung verkörpern auch die Werke der grossen US-Maler der 1980er. Die psychologisch aufgeladenen Leinwände von Eric Fischl, die hermetischen Szenen von Alex Katz, die riesigen Film-Noir-artigen Grafitzeichnungen von Robert Longo sezieren die Träume und Ängste einer verunsicherten weissen Mittelschicht. Zur selben Zeit erobern Künstler wie Jeff Wall oder Cindy Sherman die Szene, die unsere medial geprägte Wahrnehmung kritisch reflektieren. Sie werden zu Vorbildern für nachfolgende Generationen. Mit den Strategien der Konzeptkunst, Performance und Fotografie schaffen sie Bildwelten, in denen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Inszenierung zerfliessen: How real is real?

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