Pablo Picasso, Acrobate et jeune arlequin, 1905

Worauf freuen Sie sich im neuen Jahr? 

Sam Keller, Direktor Fondation Beyeler, Riehen
Sam Keller, Direktor Fondation Beyeler, Riehen

Von Sam Keller

Die Chancen stehen gut, dass sich die Liste Ihrer Vorhaben erweitert, wenn Sie die Vorschau auf das Ausstellungsprogramm lesen, das im Frühling in den Kunsthäusern der Region Basel präsentiert wird. Zwei der Ausstellungen sind Kooperationen zwischen Kunstmuseen in Basel und Paris, wo sie diesen Winter Furore gemacht haben. 670 000 Menschen standen vor dem Musée d’Orsay stundenlang Schlange, um Pablo Picassos Kunstwerke der Blauen und Rosa Periode zu sehen – ein Publikumsrekord in der Geschichte des weltberühmten Museums. Dass diese Ausstellung sogar populärer als Retrospektiven zu Monet, van Gogh und Gauguin ist, hat einen guten Grund. Obwohl rund um den Globus Jahr für Jahr zahlreiche Picasso-Ausstellungen stattfinden, ist dies das erste und sicher für sehr lange Zeit letzte Mal, dass die einzigartigen Meisterwerke des jungen Picasso in Europa vereint zu sehen sind. Sie gehören zu den schönsten, berührendsten und kostbarsten Kulturgütern unserer Zivilisation. 

Pablo Ruiz Picasso war erst 20-jährig, unbekannt und arm, als er sich im Pariser Bohemien-Viertel Montmartre ein kleines Atelier mietete. Innerhalb weniger Jahre wurde er zum Erneuerer der modernen Kunst und zum führenden Künstler der internationalen Avantgarde. Wie er sich zu jenem «Picasso» entwickelte, als der er heute bekannt ist, zeigt die grosse Ausstellung Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode in der Fondation Beyeler. Diese verwandelt sich in ein temporäres Picasso-Museum, denn auch alle weiteren Säle sind dem spanischen Meister gewidmet, von dem die Fondation dank der Freundschaft, die ihre Gründer mit dem Künstler verband, eine der weltbesten Sammlungen besitzt. So bietet sich die wunderbare Chance, ein Panorama vom Früh- bis zum Spätwerk Picassos auszubreiten, das einen tiefen Einblick in seine unglaubliche Schaffenskraft und überraschende künstlerische Vielfalt gewährt. 

Picasso ist auch einer der Protagonisten von Kosmos Kubismus, der Ausstellung, die nach dem Pariser Pompidou im Basler Kunstmuseum präsentiert wird. Sie führt die hochbedeutenden Bestände beider Häuser zusammen, ergänzt durch internationale Leihgaben; zugleich wird so die Schenkung von Raoul LaRoche an die Öffentliche Kunstsammlung kontextualisiert. Der von Pablo Picasso und Georges Braque entwickelte Kubismus revolutionierte die Kunst. Seine fragmentierten Formen verleihen einem grundlegend neuen, von einer ideenbasierten Ordnung durchdrungenen Verhältnis der Malerei zur sichtbaren Welt Ausdruck. Die folgenreiche Kunstrichtung mit ihren quasi geometrischen Elementen und ihrer ursprünglich farblosen Strenge stellte eine Herausforderung für die Sehgewohnheiten dar. Die neue Bildsprache und der experimentelle Umgang mit künstlerischen Materialien und Techniken wurden von Künstlern wie Juan Gris, Fernand Léger, Henri Le Fauconnier sowie Robert und Sonia Delauney weiterentwickelt. In der Ausstellung eröffnen Porträts von Kritikern und Förderern zudem Bezüge zu Theorie und Dichtung dieser Zeit.

Der 1980 in Paris geborene zeitgenössische Künstler Cyprien Gaillard beleuchtet mit seinen Filmen, Fotografien und Skulpturen bevorstehende Transformationen und verweist auf fortwährende Prozesse von Zerstörung, Bewahrung und Wiederaufbau im urbanen Raum. Er filmt von der Natur zurückeroberte Bauruinen, den Flug exotischer Vögel über einer Stadt und dokumentiert die schleichende Erosion modernistischer Utopien, wie sie in der Vernichtung grosser Gebäudekomplexe sichtbar wird. Aus dem Aufeinanderprallen unterschiedlicher Realitäten und Zeitebenen geht letztlich ein harmonisches Ganzes von eigentümlicher Schönheit hervor.

In unterschiedlicher Art ist solcherlei auch in den spannenden Ausstellungen der anderen Kunstinstitutionen der Region zu entdecken. Sie können sich darauf freuen. Wir danken Ihnen für Ihr Interesse.

Herzlich, Sam Keller
Direktor Fondation Beyeler, Riehen

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