Sigmar Polke, Kartoffelköppe (Mao & LBJ) , 1965

Gesteuerter Zufall mit Wort- und Bildwitz

Sigmar Polke
Alchemie und Arabeske
11.02.2017 – 21.05.2017
Museum Frieder Burda/Baden-Baden

Sigmar Polke (1941–2010) gehört zu den grössten Bild-Erfindern und bedeutendsten Malern Deutschlands. Seine Werke leben von gesteuerten Zufällen und bergen geheimnisvolle Überraschungen. Sie werden von einem besonderen Wort- und Bildwitz begleitet, der alles kategorisch Strenge durchbricht.

Die Ausstellung im Museum Frieder Burda konzentriert sich auf zwei wesentliche Merkmale in Polkes Arbeiten. Sie rückt unter dem Aspekt Alchemie die zufällig bis chaotisch erscheinenden Bildgründe seiner Malerei in den Fokus, die durch ungewöhnliche Substanzen entstehen, was zu eigenwilligen Farbverläufen führt. In anderen Werken reagieren mineralische Zusätze auf klimatische Veränderungen. Der Alchemie steht der Aspekt Arabeske gegenüber – ornamentale Liniengebilde, die Polke etwa Holzschnitten Albrecht Dürers und Albrecht Altdorfers entnahm. Er malte aber auch seine eigenen Handlinien oder generierte Zufallslinien.

Sigmar Polke ist diesen wie zufällig erscheinenden, selbst gewählten Ordnungen auch in anderen Materialien und Medien nachgegangen, so goss er Asphaltritzen mit geschmolzenem Gold aus, fotografierte das schnörkelige Wachstum von Weinreben oder radioaktives Urangestein. Er filmte chemische Farbexperimente und sammelte fluoreszierendes Uranglas, interessierte sich für Zerrspiegel. Die Ausstellung in Baden-Baden präsentiert neben hochkarätigen Gemälden erstmals die in den USA entstandenen «Goldstücke» sowie eine grosse Anzahl an Fotografien und zwei Filme, Urangestein-Fotografien, Polkes eigene Sammlung an Uranglas-Objekten, Zerrspiegel und Filmmaterial des Künstlers.

Kurator der Ausstellung ist Helmut Friedel. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Bice Curiger, Helmut Friedel und Barbara Vinken im Schirmer/Mosel Verlag.

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