Paul Cézanne, Badende, um 1890

Der verborgene Cézanne

Der verborgene Cézanne
Vom Skizzenbuch zur Leinwand
10.06.2017 – 24.09.2017
Kunstmuseum Basel | Neubau

Mit 154 Blättern befindet sich im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel die weltweit umfangreichste und bedeutendste Zeichnungssammlung von Paul Cézanne (1839–1906). Bereits 1934 und 1935 erwarb das Kunstmuseum Basel vom Schweizer Kunsthändler Werner Feuz zwei grosse Zeichnungskonvolute mit insgesamt 141 Werken aus dem Nachlass Paul Cézannes. Diese bilden nun den Ausgangspunkt einer umfangreichen Ausstellung mit mehr als 200 Werken, die die Bedeutung der Zeichnung im gesamten Schaffen
Cézannes thematisiert, von den Skizzen und Studien über die Aquarelle bis hin zu den Gemälden. Diese werden mit dazugehörigen Blättern aus anderen Sammlungen und Aquarellen und Gemälden aus dem eigenen Bestand und mit Leihgaben aus Museums- und Privatbesitz ergänzt.

Paul Cézanne, Cézannes' Sohn Paul als Harlekin, um 1888, Kunstmuseum Basel
Paul Cézanne, Cézannes‘ Sohn Paul als Harlekin, um 1888, Kunstmuseum Basel

Die Skizzenbuchblätter als Ausgangspunkt und Kern des künstlerischen Prozesses erweisen sich als besonders ergiebiger Teil von Cézannes Schaffen, denn sie erlauben den Blick über die Schulter des Künstlers und die unmittelbare Begegnung mit seiner täglichen Zeichenpraxis. So zeigen diese Skizzen und Studien, welche Werke der Künstler im Louvre kopierte, dass er im Atelier Porträtstudien schuf, in der Provence Bäume studierte und zu Hause seinen Sohn und seine Frau zeichnete. Während er im Frühwerk verschiedene Bildthemen ausprobierte, limitierte er sich in der Folge auf wenige Motive wie Stillleben, Landschaften, Badende und Porträts.

Paul Cézanne, L'Après-midi à Naples, 1870/72, Privatbesitz
Paul Cézanne, L’Après-midi à Naples, 1870/72, Privatbesitz

Die kleinformatigen Skizzenbücher gewähren einen intimen Einblick, weil sie nie für ein Publikum gedacht waren. Sie dokumentieren einen zwanglosen Prozess des Suchens und Experimentierens. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat Cézanne darin die Zeichnung und deren Rolle grundlegend hinterfragt, indem er gängige Regeln missachtete und Gewohnheiten umging.
In seinen Aquarellen hat Cézanne die Beziehung von Linie und Farbe ganz neu gedacht. So ist die Zeichnung oftmals nicht einfach Vorzeichnung, sondern Cézanne überarbeitete Blätter auch nach dem Aquarellieren mit Graphit, sodass sich Linie und Farbe im lebendigen Zusammenspiel gegenüberstehen. In anderen Aquarellen wiederum verzichtet Cézanne gänzlich auf den Einsatz von Graphit und zieht die Linien stattdessen mit einem feinen Pinsel. Auch hier zeigt die Ausstellung Der verborgene Cézanne, wie wenig der Maler sich um Konventionen kümmerte, und erlaubt so spannende und neue Einblicke in ein bekanntes Œuvre.

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