Archiv der Kategorie: Vitra Design Museum, Weil am Rhein/D

Die Poetik des technischen Objekts

Jean Prouvé – Die Poetik des technischen Objekts
23.09.2006 – 28.01.2007 | Vitra Design Museum, Weil am Rhein/D

Das Vitra Design Museum zeigt die erste umfassende und systematische Ausstellung zu Möbeln und Architektur von Jean Prouvé

Jean Prouvé, Sessel für die Cité universitaire, Nancy, 1931-1932
Jean Prouvé, Sessel für die Cité universitaire, Nancy, 1931-1932
Jean Prouvé vermag uns zu inspirieren als jemand, der Kreativität, Unternehmertum und Arbeitsethik mit grossem Erfolg zu verbinden wusste. In seinem Œuvre verknüpfte er Handwerk mit Industrie und Design mit Architektur, und mit jedem Schritt trug er die Summe seiner Erfahrungen weiter – als Kunstschmied des Art déco, als Fabrikant und Konstrukteur von Möbeln und Architektur und schließlich als hochgeschätzter Lehrer. Dabei suchte er nie nach der eigenen Handschrift, sondern immer nach logischen Antworten auf die gewünschten Funktionen und die verfügbaren Mittel. Gerade daraus erklärt sich der authentische, unverwechselbare Ausdruck seiner Arbeiten.
Prouvé wird heute als einer der innovativsten Konstrukteure in Architektur und Möbelbau des 20. Jahrhunderts geschätzt. Demontierbare Leichtbauten – von kleinen Baracken bis zu grossen Hallen – multifunktionale Fassadensysteme sowie verstell- oder zerlegbare, extrem solide Möbel entwickelte er konsequent aus seinen produktionstechnischen Kenntnissen heraus. Mit der wachsenden Technikbegeisterung der letzten Jahre traten Prouvés einflussreiche Erfindungen von Gebäudekonstruktionen und die schlichten industriellen Funktionsmöbeln erneut ins Bewusstsein und erlebten hohe Wertsteigerungen.
Diese erste umfassende und systematische Wanderausstellung zu Möbeln und Architektur, die Jean Prouvé (1901-1984) von 1924 bis Mitte der 1970er Jahre schuf, folgt in ihrem Konzept Prouvés eigenen Ideen. Gastkurator Prof. Bruno Reichlin stützt sich dabei auf die berühmten Kurse, die Prouvé von 1957 bis 1970 am Pariser CNAM (Conservatoire National des Arts et Métiers) abhielt. Gezeigt werden die wichtigsten Originalmöbel, viele originale Architekturelemente (darunter ein wieder aufgebautes «Maison de Sinistrés») sowie zahlreiche Architekturmodelle, Photographien und Originalzeichnungen zu Architektur und Möbeln.
Die meisten Ausstellungsstücke stammen aus den Beständen des Vitra Design Museums. Wichtige Leihgaben wurden außerdem von den Pariser Galeristen Philippe Jousse und Patrick Seguin, den Archives Départementales de Meurthe et Moselle in Nancy sowie der Familie Prouvé beigesteuert.

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Design der schrillen 60er Jahre

Joe Colombo – Die Erfindung der Zukunft
21.01. – 10.09.2006 | Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Wie kein zweiter Gestalter visualisiert der Italiener Joe Colombo mit seinen funktionalen Entwürfen die Technologieverliebtheit der Nachkriegsgeneration.

Joe Colombo, Containermöbel, Combi -Center, 1963-64
Joe Colombo, Containermöbel, Combi -Center, 1963-64
In die Decke eingelassene Fernseher, schwenkbare Wände mit eingebauter Minibar, «nukleare Städte» unter der Erde – der italienische Designer Joe Colombo schuf Entwürfe, die auch aus einem James-Bond-Film seiner Zeit stammen könnten. Sie sind typisch für das Design der schrillen sechziger Jahre, beeindrucken aber zugleich durch Funktionalität und markante Formen. Als einer der erfolgreichsten Gestalter seiner Zeit entwarf Colombo Designklassiker, darunter der Sessel «Elda», der Stuhl «Universale» oder die Leuchte «Alogena». 1971 starb Joe Colombo im Alter von 41 Jahren. Die Ausstellung «Joe Colombo – Die Erfindung der Zukunft» ist die erste internationale Retrospektive, mit der das Werk Colombos gewürdigt wird.
In enger Kooperation mit dem Studio Joe Colombo entstanden, das den Nachlass des Designers verwaltet, präsentiert die Ausstellung eine Fülle bislang noch nicht gezeigter Materialien zu Joe Colombos Schaffen. Darunter sind Prototypen, experimentelle Stücke, aber auch viele originale Handskizzen, Pläne, Broschüren, Architekturmodelle, mehrere Filme und Originalfotos. In vier Gruppen gegliedert, folgt die Ausstellung der rasanten Entwicklung von Colombos kurzer Karriere und vermittelt einen anschaulichen Eindruck von seiner grossen Produktivität, die Zeitgenossen schon zu Colombos Lebzeiten faszinierte.
Der erste Bereich zeigt Colombos Frühwerk in den fünfziger Jahren. Colombo studierte bildende Kunst an der Mailänder Brera-Akademie und schloss sich Anfang der fünfziger Jahre zunächst der Bewegung der Nuklearen Malerei um Enrico Baj und Sergio Dangelo an. Schon früh interessierte er sich auch für Architektur, entwarf die Utopie einer unterirdischen, nuklearen Stadt, frequentierte die Mailänder Jazzclubs und begann, sich auch für Design zu interessieren.
Im zweiten Bereich wird der Beginn von Colombos Karriere als Designer präsentiert, die um 1962 begann. Innerhalb weniger Jahre schuf Colombo viele seiner bekanntesten Entwürfe und begann eine produktive Zusammenarbeit mit wichtigen Designunternehmen seiner Zeit, darunter Kartell, Zanotta, Stilnovo, Oluce, Alessi, Rosenthal und vielen anderen, die seine Entwürfe grossteils bis heute produzieren. Mit dem «Universale» von 1964-67 schuf Colombo einen der ersten Stühle, die komplett in einer Gussform hergestellt werden, und auch aus Schichtholz, Leder und Rattangeflecht gestaltete er formal innovative Möbel.
Im Verlauf seiner kurzen Karriere wandte sich Colombo vom Einzelentwurf jedoch immer mehr der Gestaltung ganzer Interieurs und der Suche nach modularen und flexiblen Objekten zu. Im dritten Bereich der Ausstellung werden Sitzmöbel wie der «Tube Chair» und der «Multi Chair» präsentiert, die beide auf einfachste Weise ein Maximum an unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten bieten, aber auch die vielen Containermöbel, die den Wohnraum der Zukunft als multifunktionale Einheiten prägen sollten. Colombos Vision einer rationalen Welt, in der Design auf wissenschaftlicher Recherche basieren sollte, veranschaulichen auch seine vielen Entwürfe im Bereich des Industriedesigns, darunter Autos, Uhren, Skibindungen, Gläser, Klimaanlagen sowie das Bordservice für die italienische Fluglinie Alitalia.
Vier ausgewählte Projekte aus Colombos letzten Schaffensjahren zeigen im vierten Bereich der Ausstellung, wie der Designer es 1969 bis 1971 schaffte, die Synthese aller seiner zuvor entwickelten Ideen zu verwirklichen. In futuristischen Interieurs wie der Visiona 1, seinem eigenen Appartement von 1970 und dem Total Furnishing Unit von 1971 verschmolz Colombo die einzelnen Objekte des Wohnraums zu komplexen, multifunktionalen «Wohnmaschinen», die sich den Bedürfnissen und Wünschen des Menschen anpassen sollten. Mit diesen Entwürfen, die ihrer Zeit in vielem weit voraus waren, schuf Colombo Ikonen des futuristischen Designs der sechziger Jahre.

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