Archiv der Kategorie: Vitra Design Museum, Weil am Rhein/D

Surrealismus und Design 1924 – heute

Vitra Design Museum
28.09.2019 – 19.01.2020

Der Surrealismus zählt zu den einflussreichsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. In seinen traumhaften Bildwelten hatten Alltagsobjekte eine zentrale Bedeutung, sie wurden verfremdet, ironisiert oder zu seltsamen Zwitterwesen zusammengesetzt. So entstanden einige Schlüsselwerke moderner Kunst, darunter Marcel Duchamps Fahrrad-Rad (1913) oder Salvador Dalís Hummertelefon (1936). Doch der Surrealismus gab umgekehrt auch dem Design wichtige Impulse. Das Vitra Design Museum präsentiert eine grosse Ausstellung, die den Dialog zwischen Surrealismus und Design umfassend untersucht. Zum ersten Mal wird gezeigt, wie stark der Surrealismus das Design der letzten 100 Jahre beeinflusst hat – von Möbeln und Interieurs bis hin zu Grafik, Mode, Film und Fotografie. 

Die Ausstellung umfasst unter anderem Werke von Gae Aulenti, BLESS, Achille Castiglioni, Giorgio de Chirico, Le Corbusier,
Salvador Dalí, Dunne & Raby, Marcel Duchamp, Max Ernst, Ray Eames, Front, Friedrich Kiesler, Shiro Kuramata, René Magritte, Carlo Mollino, Isamu Noguchi, Meret Oppenheim, Man Ray, Iris van Herpen und vielen anderen.

Der Surrealismus wurde 1924 von André Breton mit dem ersten surrealistischen Manifest begründet und entwickelte sich schnell zu einer internationalen Bewegung, der zahlreiche Schriftsteller, Künstler und Filmemacher angehörten. Das Unterbewusstsein, Träume, Obsessionen, der Zufall und das Irrationale waren nur einige der Quellen, aus denen die Surrealisten eine neue künstlerische Realität erschufen. Ab den 1930er-Jahren begannen ihre Ideen auch das Design zu beeinflussen, und ab den 1940er-Jahren wurde der Surrealismus zu einem wahren Trend, der Mode, Möbel und Fotografie prägte und es bis auf die Zeitschriftencover von «Harper’s Bazaar» und «Vogue» schaffte. Bis heute liefert der Surrealismus Designern mannigfaltige Anregungen, sei es mit den Motiven seiner fantastischen Bildwelt, seiner subversiven Herangehensweise oder seinem Interesse an der menschlichen Psyche.

Salvador Dalí, Riesige fliegende Mokkatasse mit unerklärlicher Fortsetzung von fünf Metern Länge, 1944/45
Salvador Dalí, Riesige fliegende Mokkatasse mit unerklärlicher Fortsetzung von fünf Metern Länge, 1944/45

Die Ausstellung Objekte der Begierde stellt Kunstwerke des Surrealismus und Designobjekte einander so gegenüber, dass die faszinierenden Parallelen und Querbezüge deutlich werden. Unter den hochkarätigen Leihgaben aus dem Bereich der bildenden Kunst sind unter anderem die Gemälde Das rote Modell (1947 oder 1948) von René Magritte, Salvador Dalís Riesige fliegende Mokkatasse mit unerklärlicher Fortsetzung von fünf Metern Länge (1944/45) sowie Wald, Vögel und Sonne (1927) von Max Ernst, aber auch Readymades wie Marcel Duchamps Flaschentrockner (1914) oder Geschenk (1921) von Man Ray. Die Arbeiten aus dem Design reichen von Werken aus den 1930er-Jahren – etwa Meret Oppenheims Tisch Traccia (1939) – bis hin zu heutigen Beispielen, darunter Modeentwürfe von Iris van Herpen, Objekte von Front, Konstantin Grcic oder Odd Matter sowie Projekte des Critical Design, die neue Technologien oder Geschlechterrollen auf subversive Weise hinterfragen. Sie alle zeigen, dass es im Design der letzten 100 Jahre nicht nur um Funktion und Technik geht, sondern auch um die versteckte Realität hinter den Dingen, um verborgene Träume, Mythen und Obsessionen – eben um das Sur-Reale.

Pedro Friedeberg, Hand Chair, ca. 1965
Pedro Friedeberg, Hand Chair, ca. 1965

Den Auftakt der Ausstellung bildet eine Bestandsaufnahme des Surrealismus von den 1920er- bis zu den 1950er-Jahren, bei der die Bedeutung, die das Design für die Entwicklung der Bewegung spielte, deutlich wird. Das zweite Kapitel der Ausstellung untersucht, wie die Surrealisten den Archetypen von Alltagsobjekten auf den Grund gingen und die Bedeutungscodes unserer vermeintlich vertrauten Welt untergruben. In ihrem dritten Teil widmet sich die Ausstellung den Themen Liebe, Erotik und Sexualität, die im Surrealismus eine zentrale Rolle spielten. Der letzte Abschnitt der Ausstellung befasst sich mit dem, was der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss als «das wilde Denken» bezeichnete: das Interesse am Archaischen, am Zufall und am Irrationalen, das sich in der Begeisterung der Surrealisten für sogenannte «primitive Kunst» ebenso zeigte wie an ihren Experimenten mit Materialien und Techniken, etwa der «automatischen Malerei».

Die Beispiele in der Ausstellung zeigen, wie aktuell der Dialog zwischen Surrealismus und Design bis heute ist. Der Surrealismus hat Designer dazu ermutigt, nach der Realität hinter dem Sichtbaren zu fragen und Dinge zu gestalten, die Widerstand leisten, mit Gewohnheiten brechen und aus dem Alltag ausscheren. Er hat das Design der Nachkriegszeit aus dem Korsett des Funktionalismus befreit und unseren Blick von der Form der Dinge auf ihre oft versteckten Botschaften gelenkt. Die Ausstellung Objekte der Begierde untersucht dieses Phänomen zum ersten Mal – und zeigt damit einen der folgenreichsten Dialoge zwischen Kunst und Design der letzten 100 Jahre.

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Architektur für den Menschen – BALKRISHNA DOSHI

Vitra Design Museum
03.03.2019 – 08.09.2019

Mit der Ausstellung »Balkrishna Doshi. Architektur für den Menschen« präsentiert das Vitra Design Museum die erste Retrospektive über das Gesamtwerk von Balkrishna Doshi (*1927 in Pune, Indien) außerhalb Asiens. Der berühmte Architekt und Stadtplaner, der 2018 als erster Inder mit dem renommierten Pritzker-Preis geehrt wurde, ist einer der wenigen Pioniere moderner Architektur auf dem Subkontinent. In über 60 Jahren architektonischer Praxis hat Doshi eine Vielzahl unterschiedlichster Projekte verwirklicht. Dabei übernahm er die Grundsätze der modernen Architektur nicht einfach, sondern brachte sie mit den lokalen Traditionen und den kulturellen, materiellen und natürlichen Gegebenheiten vor Ort in Einklang. Die Ausstellung zeigt zahlreiche bedeutende Projekte aus der Zeit von 1958 bis 2014, wobei das Spektrum von der Planung ganzer Städte und Siedlungen bis hin zu Hochschulen und Kultureinrichtungen sowie Regierungs- und Verwaltungsgebäuden, von Privathäusern bis hin zu Wohninterieurs reicht. Zu Doshis Werken gehören Pionierleistungen wie das Indian Institute of Management (1977–1992), sein eigenes Architekturbüro Sangath (1980) und die berühmte Wohnsiedlung Aranya für Menschen mit geringem Einkommen (1989). Neben einer Fülle originaler Zeichnungen, Modellen und Kunstwerken aus Doshis Archiv und Architekturbüro werden Fotos, Filmmaterial und mehrere begehbare Rauminstallationen gezeigt. Eine umfassende Zeitleiste vermittelt einen Überblick über Doshis Laufbahn von 1947 bis heute, wobei seine enge Beziehung zu anderen einflussreichen Architekten und Vordenkern wie Le Corbusier oder Christopher Alexander immer wieder deutlich wird.

Balkrishna Doshi in seinem Büro: »Sangath Architect’s Studio«, Ahmedabad, 1980 (Detail) © Iwan Baan 2018
Balkrishna Doshi in seinem Büro: »Sangath Architect’s Studio«, Ahmedabad, 1980 (Detail) © Iwan Baan 2018

Die Ausstellung »Balkrishna Doshi: Architektur für den Menschen« bringt Doshis Werk einem globalen Publikum näher und untersucht die ihm zugrunde liegenden Ideen und Ideale. Sie veranschaulicht seinen entscheidenden Einfluss auf die moderne indische Architektur und auf Generationen jüngerer Architekten. Doshis humanistische Haltung ist durch seine indischen Wurzeln ebenso geprägt wie durch seine westliche Bildung und den rapiden Wandel der indischen Gesellschaft seit den frühen 1950er-Jahren. Seine poetische und zugleich funktionale Architektursprache wurde maßgeblich von der Zusammenarbeit mit Le Corbusier in Paris, Chandigarh und Ahmedabad beeinflusst, darüber hinaus waren die Erfahrungen beim Bau des von Louis Kahn entworfenen Institute of Managements prägend für den jungen Architekten. Doshi ging jedoch in seiner Formsprache über diese frühen Vorbilder hinaus und entwickelte eine ganz eigene Herangehensweise zwischen Industrialismus und Primitivismus, moderner Architektur und traditioneller Form. Seine Praxis beruht auf einer nachhaltigen Herangehensweise und strebt nach der Verortung der Architektur in einem weitgefassten Zusammenhang von Kultur, Umwelt, Gesellschaft, Ethik und Religion.

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Victor Papanek: The Politics of Design

Vitra Design Museum
29.09.2018 – 10.03.2019

Mit der Ausstellung Victor Papanek: The Politics of
Design
präsentiert das Vitra Design Museum die erste grosse Retrospektive über den Designer, Autor und Aktivisten Victor J. Papanek (1923–1998). Seit den 1960er-Jahren war er einer der wichtigsten Vordenker eines sozial und ökologisch orientierten Designansatzes. Papanek plädierte in seinen Thesen für Inklusion, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit – Themen, die im heutigen Design aktueller denn je sind. Neben einer intensiven Auseinandersetzung mit Papaneks Lebenswerk schlägt die Ausstellung auch einen Bogen von Zeitgenossen Papaneks, darunter George Nelson, Richard Buckminster Fuller und Marshall McLuhan, zu aktuellen Designern wie Tomás Saraceno oder Forensic Architecture, deren Werke Papaneks anhaltenden Einfluss auf das heutige Design veranschaulichen.

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Night Fever. Design und Clubkultur 1960 – heute

Vitra Design Museum
bis 09.09.2018

Nachtclubs und Diskotheken sind Epizentren der Popkultur. Seit den 1960er-Jahren versammelten sich hier Avantgarden, die gesellschaftliche Normen infrage stellten und andere Ebenen der Wirklichkeit erkundeten. Viele Clubs wurden so zu Gesamtkunstwerken, bei denen sich Innenarchitektur und Möbeldesign, Druckgrafik und Kunst, Licht und Musik, Mode und Performance auf einzigartige Weise verbanden. 

Night Fever. Design und Clubkultur 1960 – heute ist die erste umfassende Ausstellung zur Design- und Kulturgeschichte des Nachtclubs. Die in der Ausstellung präsentierten Beispiele reichen von italienischen Clubs der 1960er-Jahre, die von Vertretern des Radical Design geschaffen wurden, bis hin zum legendären Studio 54, in dem Andy Warhol Stammgast war – vom Palladium in New York, das von Arata Isozaki entworfen wurde, bis hin zu den Konzepten von OMA für ein neues Ministry of Sound in London. Neben Filmen und historischen Aufnahmen, Postern und Mode umfasst die Ausstellung Musik, Licht- und Raum-
installationen, die den Besucher auf eine faszinierende Reise durch Subkulturen und Glitzerwelten führen – auf der
Suche nach der Nacht, die niemals endet.  Night Fever. Design und Clubkultur 1960 – heute weiterlesen

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Charles & Ray Eames. The Power of Design

An Eames Celebration
30.09.2017 – 25.02.2018
Vitra Design Museum

Die grosse Retrospektive im Hauptgebäude des Vitra Design Museums gibt eine umfassende Übersicht über das Schaffen des legendä­ren Designerpaares, von ihren Möbeln und Interieurs über ihre Ausstellungen, Filme und Fotografien bis hin zu ihrer täglichen Arbeit im Eames Office in Venice/Kalifornien. Gezeigt wird eine einzigartige Auswahl an Originalobjekten, Zeichnungen, Skulpturen, Filminstallationen und viele andere Werke, die in dieser Zusammenstellung noch nie zu sehen waren. Präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Barbican Centre, London, und dem Eames Office.

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