Archiv der Kategorie: Museum Tinguely

Musikmaschinen / Maschinenmusik

Musikmaschinen / Maschinenmusik
19.10.2016 – 22.01.2017
Museum Tinguely

von Sandra Beate Reimann*

Jean Tinguelys Skulpturen haben stets eine akustische Dimension, die vom Künstler als Teil der Werke bewusst komponiert und austariert wurde. Sie erzeugen Geräusche, Klänge und scheinbar zufällig sich vollziehende Musik. Einen Höhepunkt erreichte diese musikalische Seite mit den vier Méta-Harmonien zwischen 1978 bis 1985. Die Ausstellung bietet die einmalige Gelegenheit, diese grossformatigen und vielfältigen Klangskulpturen, die in Karuizawa (Japan), Wien und Basel zu Hause sind, zum ersten Mal überhaupt im Dialog miteinander zu erleben. Sie bilden die Bühne für ein umfassendes und vielseitiges Veranstaltungs- und Konzertprogramm, das sich den Themen Musikmaschinen und Maschinenmusik widmet. Musikmaschinen / Maschinenmusik weiterlesen

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Michael Landy – Out of Order

Michael Landy
Out of Order
08.06.2016 – 25.09.2016
Museum Tinguely

 

«Ich wünsche mir die Ausstellung wie einen Spaziergang durch die englische Provinz. Wenn man durch die Installation Market (1990) schlendert, wird das grüne Kunstgras auf den gestuften Marktständen zur Hügellandschaft und ein Einkaufswagen aus Closing Down Sale (1992) erscheint verlassen wie ein Fleck in der Landschaft.
Danach werden Sie ein Foto von meinen Eltern sehen, wie sie vor einem Nachbau ihres Hauses stehen, den ich unter dem Titel Semi-detached (2004) für die Tate geschaffen habe. Gleich daneben folgt eine Mülltonne, die zu Scrapheap Services (1995) gehört.
Market verbindet also gewissermassen die verschiedenen Bausteine meiner Projekte. Darum heisst die Ausstellung Out of Order, es gibt keine chronologische Reihenfolge, alles ist durcheinander – der Ausdruck kann auch ‹ausser Kontrolle›, ‹falsch› oder ‹unhöflich› bedeuten.»1   Michael Landy

Andres Pardey, Vizedirektor Museum Tinguely
Andres Pardey, Vizedirektor Museum Tinguely

Von Andres Pardey*
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Welche Sinne führen zu „wahrem“ Kunstgenuss?

Prière de Toucher | 11.02.2016 – 16.05.2016
Museum Tinguely

Von Sibylle Meier, Basel
Bekäme ein von Geburt an blinder Mensch die Möglichkeit zu sehen, könnte er dann mit den Augen einen Würfel oder eine Kugel erkennen, deren Form er zuvor „nur“ über die Hände ertasten konnte? Dieses erkenntnisphilosophische Problem, das 1688 als sogenanntes Molyneux-Problem in die Geschichte eingegangen ist, hat einen breiten Diskurs ausgelöst.

Man Ray, Gift, 1921, Ausstellungsansicht "Pière de Toucher, Museum Tinguely, Basel
Man Ray, Gift, 1921, Ausstellungsansicht „Pière de Toucher, Museum Tinguely, Basel

Wie nehmen wir wahr; was können wir erkennen; welche Sinne führen zu „wahrem“ Kunstgenuss? Das Museum Tinguely hat eine Ausstellungsreihe angestossen, die sich diesen Fragen widmet. Nach Belle Haleine – der Duft der Kunst von 2015 über den Geruchssinn, folgt nun der zweite Streich, mit der Ausstellung Prière de Toucher – der Tastsinn der Kunst, die sich dem Tastsinn zuwendet. Lange Zeit galten nur die Fernsinne Auge und Ohr als wahre Rezeptoren für den Kunstgenuss. Dass wir gut daran tun, unser Spektrum zu erweitern, zeigt der spannende Parcours im Museum Tinguely. Nicht von ungefähr beginnt die Schau mit der Arbeit Letter on the Blind, For the Use of Those Who See aus dem Jahre 2007 von Javier Téllez. In diesem Video ertasten fünf blinde Menschen einen Elefanten und berichten darüber, was sie mit ihren Händen sehen. Die Erfahrungen könnten unterschiedlicher nicht sein, und genau diese Erkenntnis wird programmatisch für den Rundgang, der die Besucherinnen und Besucher anschliessend erwartet. Sehen wir wirklich nur mit unseren Augen? Sehen wir alle dasselbe? Berührung bedeutet Kontakt herstellen, wir gehen vom Ich ins Du. Der Tastsinn erweitert, auf elementare Weise, unser Erfahrungsrepertoire. Wir wollen berühren, was wir sehen, einen Raum mit unserem Körper durchmessen. Und wir wollen berührt werden, Bestätigung für unser Dasein haben oder uns umgekehrt abgrenzen von Dingen, die unsere Grenze überschreiten.

Prière de Toucher – der Tastsinn der Kunst ist eine breit aufgefächerte Schau, die sich dem Taststinn auf unterschiedlichsten Ebenen widmet. Von religiösen Praktiken des Berührens über die barocke Allegorie hin zur künstlerischen Avantgarde um Marcel Duchamp (dem Titelgeber der Ausstellung) gewinnt der Besucher einen tiefen Einblick in die künstlerischen Möglichkeiten, die mit dem Tastsinn verbunden sind. Unterdrückung beispielsweise funktioniert oft über den Körper, und so erstaunt es nicht, dass viele Künstlerinnen sich schonungslos ihrem eigenen Körper zuwenden, um mit ihren Performances auf politische Probleme aufmerksam zu machen.

Pedro Wirz vor seinem Werk "Nachtwache" zum Thema "Oral History"
Pedro Wirz vor seinem Werk „Nachtwache“ zum Thema „Oral History“

Anstelle von Aufmerksamkeit erzeugen kann man auch versuchen,  zu verhindern, dass Dinge in Vergessenheit geraten. Dafür interessiert sich der Swiss Award Gewinner 2015, Pedro Wirz. Er widmet sich mit seinen Porträtköpfen der Oral History. Die Arbeit dreht sich um den Mund, um Geschichten von Menschen und über vergessene Kulturen. Auch dies eine akkustische Form des Berührtwerdens. Er hört sich Geschichten an und schreibt gleichzeitig an einer eigenen Geschichte. „Ich esse die Geschichten und verdaue sie“ wie er selber sagt.

Louis Philippe Demers kehrt mit seiner Arbeit The Blind Robot von 2012 das Prinzip des Tastsinns um. Roboter beginnen zunehmend soziale Aufgaben zu übernehmen, etwa in der Pflege von hilfsbedürftigen Menschen. Um solche Maschinen zu entwickeln müssen sie taktile Erfahrungen am Menschen machen. Wie sich dies anfühlt können die Besucherinnen am eigenen Leib erfahren.

Das Geheimnis des Molyneux-Problems wurde übrigens im Jahre 2011 von einer Forschungsgruppe des MIT gelüftet (näheres unter: http://news.mit.edu/2011/vision-problem-0411). Unsere Hände können die Augen nicht in gleichem Mass ersetzen. Was wir sehen und was wir ertasten führt in zwei verschiedene Welten.

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Ben Vautier. Appropriations

Ben Vautier. Ist alles Kunst? | 21.10.2015 – 22.01.2016
Museum Tinguely

Andres Pardey, Vizedirektor Museum Tinguely
Andres Pardey, Vizedirektor Museum Tinguely

Von Andres Pardey, Kurator der Ausstellung

Einige seiner Bilder subsumiert Ben Vautier unter dem Obertitel der Appropriation. 1995 sagt er darüber:

«Vers 1960 j’ai joué au jeu des Appropriations. La règle du jeu établie par Yves Klein était des plus simples. Il fallait s’approprier et signer en tant qu’œuvre d’art le monde , c’est-à-dire la réalité physique autour de nous. Le seul interdit : ne pas copier , être le premier. Ce jeu se jouait à Nice avec Arman , Yves Klein , etc. Les Chiffons appartenaient à Deschamps , les Emballages à Christo , l’Accumulation à Arman , le Monochrome à Klein , etc. Je me suis donc , dans une période faste , approprié les Trous , les Eaux sales , Dieu , les Vitres , les Coups de pied et un tas d’autres réalités. Entre 1960 et 1963 , en ce qui concerne l’art j’avais développé la théorie du choc à tout prix : il fallait étonner , choquer. Il fallait que mon «nouveau» choque et étonne , d’où certaines appropriations telles que les maladies (peste , choléra) ou les catastrophes (tremblements de terre , bombe atomique , etc.). À l’époque je différenciais mon attitude esthétique de mes positions politiques (j’étais plutôt communiste universaliste). À partir de 1964 , j’abandonnai la théorie du choc pour le choc et pris position pour un monde pluriculturel.

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Prière de Toucher – der Tastsinn der Kunst

12. Februar – 16. Mai 2016
Museum Tinguely, Basel

 

Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely
Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely

Von Roland Wetzel*
Das Museum Tinguely verfolgt das Projekt einer Ausstellungsreihe, mit der es die komplexe Thematik der fünf menschlichen Sinne und ihrer Darstellung in der Kunst bis zur Gegenwart beleuchtet. Die erste Ausstellung wurde 2015 unter dem Titel Belle Haleine – Der Duft der Kunst eröffnet und wird dieses Jahr mit PRIÈRE DE TOUCHER – Der Tastsinn der Kunst fortgesetzt. Diese widmet sich dem faszinierenden Phänomen der haptischen Wahrnehmung und bricht mit der üblichen musealen Praktik, vornehmlich den Sehsinn des Besuchers anzusprechen. Prière de Toucher – der Tastsinn der Kunst weiterlesen

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