Archiv der Kategorie: Kunstmuseum Basel

Der verborgene Cézanne

Der verborgene Cézanne
Vom Skizzenbuch zur Leinwand
10.06.2017 – 24.09.2017
Kunstmuseum Basel | Neubau

Mit 154 Blättern befindet sich im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel die weltweit umfangreichste und bedeutendste Zeichnungssammlung von Paul Cézanne (1839–1906). Bereits 1934 und 1935 erwarb das Kunstmuseum Basel vom Schweizer Kunsthändler Werner Feuz zwei grosse Zeichnungskonvolute mit insgesamt 141 Werken aus dem Nachlass Paul Cézannes. Diese bilden nun den Ausgangspunkt einer umfangreichen Ausstellung mit mehr als 200 Werken, die die Bedeutung der Zeichnung im gesamten Schaffen
Cézannes thematisiert, von den Skizzen und Studien über die Aquarelle bis hin zu den Gemälden. Diese werden mit dazugehörigen Blättern aus anderen Sammlungen und Aquarellen und Gemälden aus dem eigenen Bestand und mit Leihgaben aus Museums- und Privatbesitz ergänzt.
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16 Aussagen über die Ausstellung ¡Hola Prado!

Von Bodo Brinkmann

Bodo Brinkmann ist Kurator Alte Meister, 15.–18. Jh. des Kunstmuseums Basel
Bodo Brinkmann ist Kurator Alte Meister, 15.–18. Jh. des Kunstmuseums Basel

Die Ausstellung ¡HOLA PRADO! läuft bereits seit dem 8. April 2017
im Kunstmuseum Basel.

Die Ausstellung ¡HOLA PRADO! ist kein Katzenvideo – sie ist eher das Gegenteil.

Die Ausstellung ¡HOLA PRADO! heisst 26 Meisterwerke aus dem Prado mit 29 Basler Bildern willkommen. Deswegen lautet ihr Titel übersetzt «Hallo Prado!».

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Subtile Linien – zwischen Präzision und Sinnlichkeit

Catharina van Eetvelde – Ilk
bis 12.03.2017
Kunstmuseum Basel | Hauptbau

Mit der Belgierin Catharina van Eetvelde zeigt das Kupferstichkabinett im Kunstmuseum Basel eine Künstlerin, die sich mit dem Medium der Zeichnung einer Welt nähert, in der auch das Unberechenbare seinen Platz hat. Über das Zeichnen und den Umgang mit Materialien gewinnt Eetvelde Zugang zur Wirklichkeit und respektiert dabei gleichzeitig deren Undurchschaubarkeit. Auch die Bezugnahme auf Joseph Beuys ist unverkennbar.

Von Sibylle Meier

Wir alle haben unser Bewusstsein von der Realität dadurch entwickelt, dass wir dieser Welt «da draussen» als Subjekt begegnen und sie nach Begriffen ordnen, die wir erlernt haben: Mensch, Natur, Kultur, Technik. Catharina van Eetvelde hat diese ich-bezogene Haltung längst hinter sich gelassen und betrachtet die Welt aus einer Multiperspektive. Sie erlebt sie nicht als eine Ordnung, deren Gesetzmässigkeit sich aufgrund von berechenbaren und kausalen Zusammenhängen aufdrängt: «Ich handle verschiedene Möglichkeiten der Co-Existenz aus und erlebe Realität als vibrierendes, oszillierendes Prinzip.» Damit wendet sie sich ab von einer – vorwiegend durch die (männliche) Wissenschaft definierten – Objektivität und interessiert sich mehr für ein gleichberechtigtes Nebeneinander von verschiedenen Standpunkten, gewährt auch dem Unberechenbaren einen Platz und ist sich der Fragilität jeder Konstellation bewusst.

Catharina van Eetvelde, Foto: Martin P. Bühler
Catharina van Eetvelde, Foto: Martin P. Bühler

Wie ein Gedanke, der sich verflüchtigt, sind auch die Dinge dieser Welt nicht auf Ewigkeit angelegt. Die Erkenntnis, dass die traditionellen Wissenschaften mehr und mehr unser Denken bestimmen und einen freien Zugang zur Wirklichkeit versperren, hat sie dazu veranlasst, mit der Welt in Kontakt zu treten. Jedoch: Während wir die Dinge mittels der Sprache verhandeln, mögen sie noch so unterschiedlich, kontrovers oder unverständlich sein, so wie Sprache sich geradezu verflüssigt auf verschiedenste Themen, tritt Catharina van Eetvelde über das Medium der Zeichnung in Dialog mit der Welt. «Zeichnen ist ein Prozess des Offenlegens für mich, es ist eine Art von Sezieren, bei dem sich eine Vielzahl von heterogenen Identitäten herausschält», sagt die in Paris lebende Künstlerin. «Zeichnen ermöglicht mir, Gegensätzliches aufrechtzuerhalten. Es hilft Zuschreibungen zu umgehen, erlaubt Klassifizierungen aufzulockern und verschafft auf unterschiedlichen Ebenen Zugang zu einem Thema.»

Anstelle der Sprache wählt Catharina van Eetvelde die Zeichnung als Kommunikationsmittel, denn sie erlaubt ihr mehr Freiheit im Ausdruck. Ihre Linien lässt sie in den Raum wachsen, sie erscheinen mal digital, mal analog, sind mit Fäden gestickt oder hängen als Kabel im Raum.

Hinter der Komplexität ihres Werks steckt eine fundierte intellektuelle Auseinandersetzung. Als spezifische Funktion des Gehirns sei diese zwar hilfreich, meint die Künstlerin, aber sie funktioniere wie eine elliptische Bahn, die um ein Zentrum ausserhalb ihrer selbst drehe. Intellektuelle Reflexion verhalte sich wie ein «interstellarer Motor». Ihr eigentliches Werk jedoch sei das Nachdenken darüber, «wie ich möglichst nahe an den Ursprung der vielfältigen Zusammenhänge herankomme, um danach eine materielle Entsprechung für diese zu finden. Ich grenze eine Vielzahl von Variablen gegeneinander ab, um gerade dadurch ihre wechselseitige Verbindung zum Ausdruck zu bringen.» Entsprechend dem Ausstellungstitel «Ilk», was altenglisch so etwas Ähnliches wie «aus dem gleichen Holz geschnitzt» bedeutet, versteht Catharina van Eetvelde ihre Ausstellung denn auch als ein Netz von Zeichnungen, die alle miteinander in Beziehung stehen. Die ganze Ausstellung als ein einziges Werk. Durchwandern Besucher dieses Linien-Netz aus unterschiedlichsten Materialien, ist der Gedanke an einen Berufskollegen nicht fern, der wie kaum ein Künstler mit seinen Materialien verbunden war: Joseph Beuys. An ihm interessiert van Eetvelde «die Zurückhaltung, mit der Beuys den Materialien begegnete, um zu hören, was sie von sich aus zu sagen hatten». Aber auch das Zeichnen war für Beuys mehr plastischer Prozess als Beschreibung eines Motivs. In der Zeichnung legte er seinen Denk- und Entwicklungsprozess offen.

Catharina van Eetvelde zeichnet, seit sie denken kann. Das Zeichnen hat sie gefunden und nicht umgekehrt. Es ermöglicht ihr «das Zeitgenössische» – wie sie es nennt – einzufangen, in all seinen Facetten, Materialien und Erscheinungsformen. Wer sich einlässt auf ihr Werk, wird der Präzision, aber auch der Sinnlichkeit gewahr, mit der die Künstlerin zeichnerisch auf eine immer komplexer werdende Welt antwortet.

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Joelle Tuerlinckx – NOTHING FOR ETERNITY

Kunstmuseum Basel | Gegenwart
15. Oktober 2016 – 26. Februar 2017

Das Medium der belgischen Künstlerin Joelle Tuerlinckx (*1958) ist nicht Malerei, nicht Skulptur, auch nicht Performance. Tuerlinckx arbeitet mit dem Medium – der Ausstellung selbst. „Die Räume des Museums sind ihre Leinwände, das Museum ist ihr Atelier“, erläutert Soren Grammel, Leiter des Kunstmuseum Basel Gegenwart und Kurator der Ausstellung. Daraus ergibt sich, dass die Arbeit im Medium der Ausstellung nie fixiert ist und auch nicht wiederholt werden kann, denn jeder Ausstellungsort  ist anders.

Joelle Tuerlinckx, River Corner ST. Alban-Teich, 15. Oktober 2016 – 26. February 2017 (+OBJETs TROUVEs SUR PLACE)
Joelle Tuerlinckx, River Corner ST. Alban-Teich, 15. Oktober 2016 – 26. February 2017 (+OBJETs TROUVEs SUR PLACE)

Fundstücke und Alltagsgegenstände
Raum und Zeit, Ort und Kontext verändern sich und beeinflussen die Arbeit von Tuerlinckx. Joelle Tuerlinckx – NOTHING FOR ETERNITY weiterlesen

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Kuratorin Nina Zimmer über den figurativen Pollock

Der figurative Pollock
02.10.2016 – 22.01.2017
Kunstmuseum Basel , Neubau, 2. OG

Die grosse Sonderausstellung im Kunstmuseum Basel widmet sich weltweit zum ersten Mal einem noch weitgehend unbekannten Kapitel der Kunstgeschichte – dem figurativen Pollock. Die Kuratorin der Ausstellung, Nina Zimmer, im Interview.

Dr. Nina Zimmer, ehem. Vizedirektorin Kunstmuseum Basel
Dr. Nina Zimmer, ehem. Vizedirektorin Kunstmuseum Basel

Frau Zimmer, den meisten von uns ist Jackson Pollock als Ikone des abstrakten Expressionismus bekannt. Seine «Drippings» sind zum Mythos geworden. Sie haben sich für die Präsentation einer weitgehend unbekannten Seite Pollocks entschieden. Was fasziniert Sie an seinem figurativen Werk?
Nina Zimmer: In Pollocks figurativem Werk sehen wir, wie er sich mit ganz verschiedenen künstlerischen Traditionen und Bildsprachen auseinandersetzt: Seine Vorbilder reichen vom italienischen Barock bis zu den mexikanischen Muralisten und Vertretern der europäischen Moderne wie Picasso, Masson, Miró.
Pollocks abstrakte Bildsprache ist von diesen figurativen Traditionen zutiefst geprägt. Im figurativen Werk – dem Frühwerk, aber auch der Werkphase, die sich unmittelbar an die Drippings anschliesst und wieder figurativ ist – kann man seine künstlerische Herangehensweise und seinen künstlerischen Kosmos unmittelbar erfahren. Kuratorin Nina Zimmer über den figurativen Pollock weiterlesen

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