Archiv der Kategorie: Kunstmuseum Basel

Zwischen den Bildern lesen: visuelle Kurzgeschichten

Kunstmuseum Basel
Basel Short Stories

10.02.2018 – 21.05.2018

Die Autorin Petra Schneider ist Kunsthistorikerin
Die Autorin Petra Schneider ist Kunsthistorikerin

Von Petra Schneider
Mit einem experimentell anmutenden Ausstellungskonzept präsentiert sich die Schau Basel Short Stories. Von Erasmus bis Iris von Roten im Kunstmuseum Basel. Ausgehend von sieben Persönlichkeiten – neben den im Titel genannten sind dies Maria Sibylla Merian, Jacob Burckhardt, Friedrich Nietzsche, Frick & Frack und Albert Hofmann – sowie Hans Holbeins Gemälde Der tote Christus im Grab (1521/22)  und dem Basler Friedenskongress von 1912, werden neun Kurzgeschichten vorgestellt, die alle in einem unmittelbaren Bezug zur Stadt Basel stehen.
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Vom Willen zur Kunst: Zweimal Baselitz in Basel

Fondation Beyeler  – Georg Baselitz
Kunstmuseum Basel – Georg Baselitz, Werke auf Papier
21.01.2018 – 29.04.2018

Die Autorin Petra Schneider ist Kunsthistorikerin
Die Autorin Petra Schneider ist Kunsthistorikerin

Von Petra Schneider

Mit einer doppelten Retrospektive zelebrieren die Fondation Beyeler und das Kunstmuseum Basel den achtzigsten Geburtstag des Malers und Bildhauers Georg Baselitz (* 23. 1. 1938), der sich seit den 1980er Jahren zu den populärsten zeitgenössischen Künstlern zählen darf. Dabei scheint die Person des Künstlers, dank einiger bewusst inszenierter Skandale, in der Öffentlichkeit fast bekannter als seine Werke zu sein, denn Baselitz-Ausstellungen sind eher selten, in der Schweiz wurde er zuletzt 1990 im Kunsthaus Zürich gezeigt. Nun sind in Riehen ausgewählte Gemälde und Skulpturen aus dem Zeitraum der letzten sechzig Jahre sowie parallel dazu im Basler Kunstmuseum die Werke auf Papier zu sehen. Vom Willen zur Kunst: Zweimal Baselitz in Basel weiterlesen

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Basel Short Stories: Iris von Roten

Kunstmuseum Basel

Basel Short Stories

10.02.2018 – 21.05.2018

Die Ausstellung Basel Short Stories richtet einen Blick auf die umfangreiche und in mancher Hinsicht weltberühmte Sammlung des Kunstmuseums Basel. Auch weniger bekannte Aspekte der Bestände werden in neuen Zusammenhängen gezeigt. Neun Stories erzählen von Persönlichkeiten und wichtigen Ereignissen aus der Basler Geschichte – von Erasmus von Rotterdam bis Iris von Roten.

Iris von Roten: Das «Zweite Geschlecht» und die heroische Avantgarde

Mark Rothko, No. 16, (Red, White and Brown), 1957, Kunstmuseum Basel, Schenkung der Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft anlässlich ihres 75. Jubiläums (1958), 1959
Mark Rothko, No. 16, (Red, White and Brown), 1957, Kunstmuseum Basel, Schenkung der Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft anlässlich ihres 75. Jubiläums (1958), 1959

Iris Meyer wird 1918 in Basel geboren. Während ihres Studiums der Rechtswissenschaften lernt sie Peter von Roten kennen, den sie später heiratet. Als Anwältin und engagierte Feministin schreibt sie für das «Schweizer Frauenblatt». Im Herbst 1958 wird ihr Buch Frauen im Laufgitter veröffentlicht – eine scharfsinnige Polemik gegen die diskriminierende Stellung der (Schweizer) Frau im Berufsleben, in der Ehe und in der Politik. Das Buch ruft überwiegend negative bis gehässige Reaktionen hervor; für viele Fasnachts-Cliquen ist die «Basler Amazone» ein gefundenes Fressen. Aus Angst vor einer Niederlage bei der bevorstehenden Abstimmung über das Frauenstimmrecht distanzieren sich sogar die Frauenverbände von dem Buch. Iris von Roten kann mit der zum Teil vernichtenden Kritik schlecht umgehen; sie wendet sich gänzlich von der Frauenfrage ab, reist in die Türkei und den Nahen Osten, wo sie Reiseberichte schreibt, und konzentriert sich schliesslich auf die Malerei. Blumen- und Landschaftsbilder stehen im Vordergrund ihres malerischen Werks. Sie stirbt 1990, weitgehend vergessen.

Iris von Roten, Iris auf gelbem Grund, 1981, Sammlung Bonacossa, Frankfurt a. M., Foto: Andreas Howald, Zürich
Iris von Roten, Iris auf gelbem Grund, 1981, Sammlung Bonacossa, Frankfurt a. M., Foto: Andreas Howald, Zürich

Zur gleichen Zeit, als Iris von Rotens kontroverses Buch erscheint und anschliessend das Frauenstimmrecht (mit 66 Prozent Nein-Stimmen) an der Urne abgelehnt wird, findet erstmals neue amerikanische Malerei Eingang in die Sammlung des Kunstmuseums. Durch eine Spende der Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft und der Vermittlung des Kunsthalle-Leiters Arnold Rüdlinger kommt das Kunstmuseum in den Besitz von vier Werken von Mark Rothko, Barnett Newman, Franz Kline und Clyfford Still. Dieser – europaweit erstmalige – im Hinblick auf die Kanonbildung der Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts richtungsweisende Ankauf von zeitgenössischer amerikanischer Malerei hat eine Schockwirkung bei Besuchern und der Kunstwelt zur Folge. Stimmen, die den Schutz europäischer Kunst vor der amerikanischen fordern, bleiben jedoch wirkungslos. Auch wenn sich Rüdlingers Aktion als vorbildlich herausgestellt hat, wurde damit aus heutiger Perspektive nicht zuletzt die Vorherrschaft (weisser) Männer in der Sammlung des Kunstmuseums zementiert.

Eine Auswahl dieses für die Sammlungsentwicklung des Kunstmuseums sehr bedeutenden Ankaufs wird in dieser Story mit Werken ergänzt und kontrastiert, die in einem inhaltlichen oder zeitlichen Zusammenhang mit Iris von Rotens Forderungen stehen – etwa solche von Katharina Fritsch, Ferdinand Hodler, Maria Lassnig und Martha
Rosler. Die frühen in Basel entstandenen Video-Arbeiten von Pipilotti Rist öffnen einen Hommage-artigen Dialog mit den gesellschaftskritischen Schriften und den noch nie in einem Museum gezeigten Blumenstillleben von Iris von Roten.

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Basel Short Stories: Maria Sibylla Merian

Kunstmuseum Basel

Basel Short Stories

10.02.2018 – 21.05.2018

Die Ausstellung Basel Short Stories richtet einen Blick auf die umfangreiche und in mancher Hinsicht weltberühmte Sammlung des Kunstmuseums Basel. Auch weniger bekannte Aspekte der Bestände werden in neuen Zusammenhängen gezeigt. Neun Stories erzählen von Persönlichkeiten und wichtigen Ereignissen aus der Basler Geschichte – von Erasmus von Rotterdam bis Iris von Roten.

Maria Sibylla Merian und die Entdeckung
der Natur

 

Maria Sibylla Merian, Ananas mit südamerikanischen Kakerlaken, 1719, kolorierter Kupferstich, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, Ankauf 1949
Maria Sibylla Merian, Ananas mit südamerikanischen Kakerlaken, 1719, kolorierter Kupferstich, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, Ankauf 1949

 

Die Künstlerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian (1647–1717) wächst als Tochter des Basler Kupferstechers und Verlegers Matthäus Merian dem Älteren in Frankfurt am Main auf. Von ihrem Stiefvater, einem Stilllebenmaler, erhält sie eine künstlerische Ausbildung. 1699 unternimmt sie mit ihrer Tochter die abenteuerliche Schiffsreise in die holländische Kolonie Surinam, wo sie sich zwei Jahre lang aufhält und Raupen, Schmetterlinge und andere Insekten dokumentiert.
Ihr Hauptwerk Metamorphosis insectorum Surinamensium (1705), mit dem sie berühmt wird, geht aus dieser Reise hervor.

Silvia Bächli, Mantel Nr. 12, 2017, Kunstmuseum Basel
Silvia Bächli, Mantel Nr. 12, 2017, Kunstmuseum Basel

Merian gilt als Begründerin der deutschen Entomologie (Insektenkunde) und als erste ökologisch denkende Naturforscherin. Viele von ihr beschriebene Insektenarten waren damals noch unbekannt. Carl von Linné, der die moderne zoologische und botanische Taxonomie einführte, stützt sich auf Merians Metamorphosis und ihr Raupenbuch und übernimmt unter anderem den von ihr eingeführten Begriff «Vogelspinne». Trotz Merians wissenschaftlichem Beitrag verstand sie sich nie als Gelehrte (die entsprechenden Möglichkeiten standen ihr als Frau gar nicht offen), sondern stets als Künstlerin. Ihr Zugang war ein phänomenologischer: Sie beschrieb und zeichnete, was sich ihr durch Beobachtung eröffnete. Ihre holistischen Darstellungen der Schmetterlingsmetamorphose und Futterpflanze der Raupe können – aus heutiger Sicht – als kritische Alternative zu den naturwissenschaftlichen Klassifikationsschemata gelesen werden und stellen als Bildthema eine kunstgeschichtliche Neuerung dar.

Werke von Maria Sibylla Merian aus der Sammlung des Kunstmuseums stehen im Zentrum dieser Story: Aquarelle mit Blumenporträts und Insekten, kolorierte Drucke und Bücher – darunter die Dokumentation ihrer Surinam-Reise. Gemälde von Adam Willaerts und Frans Post geben eine Idee davon, wie der zeithistorische, von den Expansionsbestrebungen Hollands im 17. Jahrhundert geprägte Moment «ausgesehen» haben könnte.

Die Künstlerin Silvia Bächli hat den Werken von Merian eigene grossformatige Zeichnungen dialogisch gegenübergestellt. Eine Reihe weiterer Werke von Jan van Kessel dem Älteren, Hans Arp, Andreas Slominski und Andy Warhol nähern sich Pflanzen und Insekten aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Absichten.

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Kunst. Geld. Museum. Fünfzig Jahre Picasso-Story

Fünfzig Jahre Picasso-Story

10.03.2018  – 12.08.2018

2018 jährt sich die erstmalige gemeinsame Präsentation
aller 1967 erworbenen Picassos im Kunstmuseum Basel
zum 50. Mal. Das Jubiläum bildet den Anlass für eine
erweiterte Sammlungspräsentation.

Eva Reifert ist Kuratorin 19. Jahrhundert und Klassische Moderne am Kunstmuseum Basel und kuratiert die Ausstellung Kunst. Geld. Museum. 50 Jahre Picasso-Story.
Eva Reifert ist Kuratorin 19. Jahrhundert und Klassische Moderne am Kunstmuseum Basel und kuratiert die Ausstellung Kunst. Geld. Museum. 50 Jahre Picasso-Story.

Von Eva Reifert

Diese Geschichte kennen in Basel fast alle: 1967 sollten zwei hochbedeutende Picasso-Gemälde, die bis dahin als Leihgaben im Kunstmuseum hingen, auf dem internationalen Markt verkauft werden. Die Bevölkerung aber bewilligte per Referendum die stolze Summe von sechs Millionen Franken aus Steuergeldern und trieb mit einem «Bettlerfest» den noch fehlenden Restbetrag auf, sodass man das Angebot eines Vorkaufsrechts annehmen und Picassos Les deux frères (1906) und Arlequin assis (1923) für die Öffentliche Kunstsammlung Basel erwerben konnte. Der Künstler, der die Ereignisse aus dem französischen Mougins verfolgt hatte, lud den Direktor des Kunstmuseums, Franz Meyer, zu sich ein und schenkte Basel bei dieser Gelegenheit vier weitere seiner Werke. Als siebter Picasso des Jahres 1967 gelangte das kubistische Gemälde Le poète (1912) als eine durch das Engagement der Bevölkerung inspirierte Schenkung der Mäzenin Maja Sacher in die Sammlung.

Pablo Picasso, Les deux frères, 1906 (Gósol), Kunstmuseum Basel- Depositum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel- 1967
Pablo Picasso, Les deux frères, 1906 (Gósol), Kunstmuseum Basel- Depositum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel- 1967

50 Jahre nach diesen Ereignissen zeigt sich, dass die Akteure rund um die Sammlung des Kunstmuseums noch dieselben sind – Bevölkerung, Künstler, der Direktor, die Kunstkommission und Mäzene. Auch die Auseinandersetzung mit der Frage «Welche Kunst kommt ins Kunstmuseum?», die die Diskussionen im Zuge der Picasso-Ankäufe bestimmte, führen wir heute noch im selben Spannungsfeld von künstlerischen Kriterien, finanziellen Mitteln und Belangen des Museums. Was den für ein Museum zentralen Vorgang der «Verinstitutionalisierung» von Kunst angeht, richtet die Ausstellung

Kunst. Geld. Museum. 50 Jahre Picasso-Story in den Erdgeschossräumen des Kunstmuseums Basel den Blick auch auf die Rolle des Direktors, der Kunstkommission und der Mäzene. Wie aktuell die Fragestellungen von 1967/68 sind, sieht man daran, dass sich viele der damaligen Statements, die in der Ausstellung durch Zeitungsausschnitte und anderes Archivmaterial zugänglich sind, wie Debattenbeiträge aus unseren Tagen lesen. Die Ausstellung nimmt die Diskussion im Gespräch mit den Besuchern und Künstlern der Stadt wieder auf und geht den Implikationen in Bezug auf Identifikation und Zusammengehörigkeit, Kunst und Kommerz nach.

Einerseits können so die Ereignisse von vor 50 Jahren mit all ihrem legendären Potenzial vergegenwärtigt werden, etwa auch durch grossformatige Fotografien von Kurt Wyss, andererseits bildet die «Picasso-Story» mit Programmpunkten wie Tischgesprächen den Ausgangspunkt für heutige Fragestellungen rund um Kunst, Geld und Museum. Somit stehen die sieben Werke Picassos, die 1968 erstmals gemeinsam präsentiert wurden, im Kontext von Meinungsstreit und museumspolitischen Entscheiden, zeigen sich aber gerade darin in ihrer zeitlosen Präsenz.

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