Archiv der Kategorie: Kunstmuseum Basel

Hans Holbein der Jüngere in Basel

Hans Holbein d. J.
Die Jahre in Basel – 1515 bis 1532
Das frühe Porträt

01.04. – 02.07.2006 | Kunstmuseum Basel

Das Kunstmuseum Basel zeigt bis zum 2. Juli 2006 eine grosse Werkschau, die Hans Holbein dem Jüngeren gewidmet ist. Im Fokus der Ausstellung stehen Werke, die Holbein zwischen 1515 und 1532 in Basel geschaffen hat.

Von Christian Müller

Hans Holbein d.J., Bonifacius Amerbach
Hans Holbein d.J., Bonifacius Amerbach
Hans Holbein d.J. kam 1515 zusammen mit seinem Bruder Ambrosius nach Basel. Hier arbeitete er, unterbrochen von Aufenthalten in Luzern zwischen 1517 und 1519, einer Frankreichreise 1523/24 und einem ersten Englandaufenthalt zwischen 1526 und 1528, bis ins Jahr 1532. Dann wandte er sich erneut nach England, wurde 1536 Hofmaler Heinrichs VIII. und sollte nur noch einmal, nämlich 1538, für kurze Zeit nach Basel zurückkehren. Hans Holbein d.J. starb 1543 in London.
Die Ausstellung präsentiert das Werk Holbeins, das zwischen 1515 und 1532 in Basel entstand, so gut wie vollständig und in chronologischer Folge; Zeichnungen und Gemälde hängen unmittelbar nebeneinander und ermöglichen so einen direkten Vergleich.
Im ersten Raum sind neben Werken von Hans Holbein d.Ä., dem Vater von Hans und Ambrosius, die Flügelbilder der Basler Müns-terorgel ausgestellt. Hier verlässt die Ausstellung die Chronologie, sind doch die Bilder erst 1525 oder 1528 entstanden, doch nur so lassen sie sich angemessen präsentieren: Diese grossen Leinwandbilder befanden sich ursprünglich etwa elf Meter über Bodenniveau des Basler Münsters an der nördlichen Langhausseite.
In der Ausstellung sind sodann die religiösen Tafelbilder Holbeins zu sehen, die im Unterschied zum Gemälde mit dem Leichnam Christi, dem Passionsaltar oder dem Abendmahl nicht zur eigenen Sammlung gehören. Sie sind aber in Basel entstanden und später an andere Orte gelangt. Zu ihnen gehört der Oberried-Altar aus der Universitätskapelle im Freiburger Münster. Bei den beiden Flügeln handelt es sich um die grössten erhaltenen Tafelbilder Holbeins; sie entstanden um 1520. Ein weiteres wichtiges Gemälde ist die Solothurner Madonna aus dem Kunstmuseum Solothurn, die Holbein für den Basler Stadtschreiber Johannes Gerster und seine Frau Barbara Guldinknopf im Jahr 1522 malte. Die Darmstädter Madonna aus dem Besitz der Hessischen Hausstiftung entstand 1526 und wurde von Holbein 1528 überarbeitet. Sie ist zweifellos eines der bedeutendsten Gemälde Holbeins. Der Künstler hatte den Auftraggeber, Jacob Meyer zum Hasen mit seiner Frau Dorothea Kannengiesser, bereits ganz zu Beginn seiner Tätigkeit 1516 in Basel porträtiert. Aus seiner frühen Schaffenszeit stammt auch das Bildnis des Benedict von Hertenstein, das Holbein während seines Aufenthaltes in Luzern malte. Es ist eine Leihgabe des Metropolitan Museum New York.
Die Zeit des ersten Englandaufenthaltes zwischen 1526 und 1528 konnte auf keinen Fall unberücksichtigt bleiben, kehrte Holbein doch nach Basel zurück und entwickelte sich während dieser Jahre deutlich weiter. Das Porträt der Lady Guildford aus St. Louis/Missouri vertritt dabei den Typus des höfischen Repräsentationsporträts. Es wird neben der Vorstudie der Lady Guildford präsentiert, die sich in unserer Sammlung befindet. Das Bildnis einer Dame mit Eichhörnchen aus der National Gallery London ist ein weiteres herausragendes Beispiel, das Holbeins Fähigkeiten als Porträtmaler zum Ausdruck bringt. Es stellt vermutlich Anne Lovell dar und entspricht eher einem privaten Bildnis, das auf grosse Gesten und reiche Architekturmotive verzichtet, welche die Dargestellte überhöhen. Das Doppelbildnis des Thomas Godsalve und seines Sohnes John aus der Gemäldegalerie Dresden zeigt besonders schön die Fähigkeit Holbeins, die Charaktere der Personen zu erfassen.
Das bedeutendste Werk aber, das Holbein 1527 in England schuf, war das Familienbildnis des Thomas More. Zwei Einzelstudien aus Windsor Castle sind neben der einzigen erhaltenen Entwurfszeichnung Holbeins für dieses Gruppenbildnis ausgestellt: Die eine zeigt Mores Tochter, Elizabeth Dauncey, die andere Thomas Mores einzigen Sohn John.
Aus den letzten Jahren Holbeins in Basel, zwischen 1528 und 1532, haben sich nur wenige Werke erhalten. Holbein war auch Zeuge des Bildersturms, als sich die Reformation 1529 gewaltsam Bahn machte.
Um diese Zeit entstand das so genannte Familienbild, das seine Frau Elsbeth Binzenstock mit den beiden älteren Kindern Katharina und Phillip zeigt – und vermutlich den Maler selbst wiedergab, dem sich die Kinder zuwenden.
Eine Folge von zehn Scheibenrissen zur Passion Christi und die beiden Entwürfe für Wandbilder im Basler Grossratssaal, «Rehabeams Übermut» und «Samuel flucht Saul», stehen am Ende der Basler Tätigkeit.
Holbein brachte sowohl 1528 als auch 1538 Zeichnungen von England nach Basel zurück. Eine kleine Gruppe dieser Zeichnungen ist im vorletzten Raum der Ausstellung zu sehen. Hier hängt auch ein Tafelbild, das zu Beginn der 30er Jahre in England entstand, eine Leihgabe aus der Gemäldegalerie in Edinburgh. Das Bild, eine religiöse Allegorie, in deren Mittelpunkt der erlösungsbedürftige Mensch vor dem Gesetz und der göttlichen Gnade gezeigt wird, entstand zwar in England. Doch das Thema hat seinen Ursprung vor 1525 im Kreise reformerischer Kräfte auf dem Kontinent. Heinrich VIII., der 1535 mit der katholischen Kirche brach, muss an diesem Thema Interesse gefunden haben und machte sich dieses möglicherweise politisch nutzbar.
In der Ausstellung überwiegen quantitativ die Zeichnungen Holbeins. Es ist gelungen, so gut wie sämtliche eigenhändigen Zeichnungen von Leihgebern aus öffentlichen und privaten Sammlungen für diese Ausstellung auszuleihen: Sie stammen aus Augsburg, Berlin, Braunschweig, Leipzig, Lille, München, London, Oxford, Paris sowie der Sammlung der englischen Königin Elisabeth II. Holbeins Zeichnungen treten in vielen Fällen nicht als Skizzen, als flüchtige Entwürfe in Erscheinung, sondern sie besitzen häufig die Qualität von finalen Werken – sie haben einen Anspruch, der sie mit Gemälden vergleichbar macht.

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Hans Holbein d. J. in Basel

Hans Holbein d. J. – Die Jahre in Basel – 1515 bis 1532
01.04. – 02.07.2006 | Kunstmuseum Basel

Von Christian Müller

Das Basler Kunstmuseum zeigt in einer grossen Ausstellung das zwischen 1515 und 1532 in Basel entstandene Werk von Hans Holbein dem Jüngeren. In einer zweiten Ausstellung zeigt anschliessend die Tate Britain in London die Zeit Holbeins in England nach 1532. Von Christian Müller
Nach fast einem halben Jahrhundert – die letzte grosse Holbeinausstellung fand 1960 in Basel statt – wird das reiche und vielfältige Werk, das Hans Holbein der Jüngere in seiner Basler Zeit geschaffen hat, wieder zu sehen sein. Die Ausstellung im Basler Kunstmuseum, das weltweit die grösste Sammlung an Gemälden, Zeichnungen und druckgrafischen Werken des Künstlers besitzt, versammelt einen Grossteil aller erhaltenen Werke aus Holbeins Basler Schaffensjahren zwischen 1515 und 1532. Holbeins hochrangiges Œuvre wird mit rund vierzig Gemälden, einhundert Zeichnungen und zahlreichen druckgrafischen Werken vor Augen geführt. Zu den bedeutenden Leihgaben gehören der «Oberried-Altar» aus dem Münster in Freiburg i.Br., die «Solothurner Madonna» und die «Darmstädter Madonna». Hinzu kommen Bildnisse aus Holbeins erstem Englandaufenthalt zwischen 1526 und 1528, etwa das der Anne Lovell aus London, der Lady Mary Guildford aus St. Louis (USA) und des Thomas Godsalve mit seinem Sohn John aus Dresden. Die Zeichnungen, die in der Basler Sammlung reich vertreten sind, werden durch Leihgaben aus Augsburg, Berlin, Braunschweig, Leipzig, Lille, London, München, Paris und Windsor Castle ergänzt, so dass das zeichnerische Werk nahezu vollständig gezeigt werden kann. Im Anschluss an die Schau bringt die Tate Britain in London vom 28. September 2006 bis zum 7. Januar 2007 in einer gesonderten Ausstellung Holbeins Zeit als Hofmaler Heinrichs VIII. zur Darstellung. Den Besuchern bietet sich damit die einmalige Möglichkeit, eine Vorstellung vom Gesamtwerk des Künstlers zu erhalten und sonst auf Museen der ganzen Welt verteilte Werke im direkten Vergleich in ihrer Besonderheit besser und anders wahrzunehmen.
Von Augsburg nach Basel.

Hans Holbein d. J. Die Fledermaus, um 1523
Hans Holbein d. J. Die Fledermaus, um 1523
Hans Holbein d. J. gehört zu den bedeutendsten Künstlern des frühen 16. Jahrhunderts. Er steht gleichrangig neben Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien und Matthias Grünewald. Damals blühten am Oberrhein die Künste der Malerei, der Zeichnung und des Buchdrucks. Aus Augsburg stammend, kamen Hans Holbein d. J. und sein Bruder Ambrosius im Jahr 1515 nach Basel. Ihre künstlerische Ausbildung hatten sie bei ihrem Vater Hans Holbein d. Ä. erhalten, der in Augsburg eine grosse Malerwerkstatt leitete. In Basel konnte Hans früh schon seine Begabung als Porträtist und Maler von Fassadendekorationen unter Beweis stellen. Er erhielt den Auftrag von der Stadt, den Grossratssaal mit Wandbildern auszumalen und führte bald schon Aufträge für religiöse Tafelbilder aus. Er stand in engem Kontakt mit Druckern, für die er Entwürfe für Buchillustrationen lieferte, und den in Basel wirkenden Humanisten, unter ihnen kein Geringerer als Erasmus von Rotterdam, den er mehrmals porträtierte.
Frankreich und England. Nicht nur die beginnende Reformation in Basel und deren negative Auswirkung auf die Kunstproduktion, sondern auch der Anspruch, den der Künstler an sich selber stellte, bewogen ihn schon bald, sich nach anderen Wirkungsstätten umzuschauen. So wandte er sich 1523/1524 nach Frankreich und dann nach England, um eine Tätigkeit als Hofmaler anzustreben. Während seines ersten Englandaufenthaltes zwischen 1526 und 1528 malte er Dekorationen für die Feste am Hof Heinrichs VIII. (1491–1547). Es gelang ihm, Aufträge für Bildnisse von Angehörigen der englischen Aristokratie aus dem Umkreis des Hofs zu erhalten. Zu den herausragendsten künstlerischen Leistungen dieser Zeit zählt das Familienbild des Thomas More (1478–1535), das den Kanzler Heinrichs VIII. im Kreis seiner Familie zeigt – es ist das früheste Gruppenbildnis nördlich der Alpen. Erhalten haben sich der Entwurf Holbeins und Porträtstudien (im Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett und in der Royal Collection in Windsor Castle, England); das Gemälde selbst verbrannte im 18. Jahrhundert.
Zurück in Basel. Holbein kehrte 1528 für wenige Jahre nach Basel zurück, wo seine Familie lebte. Damals malte er das Bildnis seiner Frau mit den beiden älteren Kindern. Noch unmittelbar vor der Reformation, die 1529 Europa in Atem hielt, könnte er die Orgelflügel für das Basler Münster ausgeführt haben. Die gezeichnete Passionsfolge im Kupferstichkabinett Basel gehört jedenfalls zu den letzten Aufträgen mit religiösen Themen. In dieser Zeit vollendete Holbein auch die Ausmalung des Basler Grossratssaals. Im Jahr 1532 wandte er sich erneut nach London. Dort hatte er Kontakt zu der deutschen Handelsniederlassung im Stalhof, für deren Mitglieder er Porträts ausführte und deren «Guildhall» er mit Wandgemälden schmückte. 1535 wurde er Hofmaler Heinrichs VIII. Ein Jahr vor seinem unerwarteten Tod 1543 in London bezeichnete er sich auf dem Selbstbildnis, das in den Uffizien in Florenz aufbewahrt wird, als Bürger von Basel, der Stadt, der er innerlich stets verbunden blieb.
Die Sammlung im Kunstmuseum Basel.
Das Kunstmuseum Basel birgt weltweit die grösste Sammlung dieses bereits zu Lebzeiten hochgeschätzten Künstlers. Bereits im Jahr 1661 konnte mit dem Ankauf des «Amerbach-Kabinetts» der grösste Teil dieses bedeutenden Ensembles von Holbein-Werken für Basel gesichert werden. Das Amerbach-Kabinett ist die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstandene Sammlung des Basler Juristen Basilius Amerbach (1533–1591), die auch den ererbten Besitz seines Vaters Bonifacius Amerbach (1495–1562) und eine grosse Bibliothek beinhaltete. Im Jahr 1823 kamen mit der Übergabe des «Museum Faesch» an die Öffentliche Kunstsammlung der Universität weitere wichtige Werke hinzu, so u. a. das Doppelbildnis des Jacob Meyer zum Hasen und seiner Frau Dorothea Kannengiesser von 1516 mit den dazugehörenden Vorzeichnungen. In Basel ist man sich schon lange der Bedeutung des Künstlers und der hohen Qualität seiner Werke bewusst. Noch 1538 hatte der Rat der Stadt versucht, Holbein nach Basel zurückzulocken, und dies, obwohl zahlreiche Bilder des Künstlers während des Bildersturms 1529 zerstört und beschädigt worden waren. Manche Werke sind Basel auch durch andere Umstände verloren gegangen. Sie wurden aus Furcht vor Zerstörung ins angrenzende Deutschland gebracht und blieben daher unvollendet (wie beispielsweise der «Oberried-Altar» in Freiburg im Breisgau); die berühmte «Darmstädter Madonna» veräusserten die Erben der Auftraggeber im 17. Jahrhundert ins Ausland.

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