Archiv der Kategorie: Fondation Beyeler

Diesem Licht kann sich niemand entziehen

Claude Monet
22.01.2017 – 28.05.2017
Fondation Beyeler

Von Karen N. Gerig*

Karen N. Gerig ist Autorin von Artinside

Monet. Fünf Buchstaben, mit denen man als Ausstellungshaus eigentlich nichts falsch machen kann. Erst recht nicht, wenn «man» die Fondation Beyeler ist. Denn ohne das grosse Seerosenbild Le bassin aux nymphéas, über das unser Blick schon so oft zum echten Teich draussen vor dem Museum geschweift ist, gäbe es vielleicht gar keine Fondation Beyeler: Es soll jenes Bild gewesen sein, das für Ernst Beyeler vor über zwei Jahrzehnten den Anstoss gab, das Haus bauen zu lassen. Genau dort, wo es jetzt steht, umgeben von Natur. Dass also die Fondation Beyeler ihr 20-jähriges Jubiläum ausgerechnet mit einer Ausstellung zu Claude Monet beginnt – nein, überraschen tut uns das nicht. Es passt. Diesem Licht kann sich niemand entziehen weiterlesen

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Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter
04.09.2016 – 22.01.2017
Fondation Beyeler

Von Sibylle Meier

Die grosse Herbstausstellung der Fondation Beyeler widmet sich – zum ersten Mal seit 30 Jahren in der Schweiz – einem Künstlermanifest, dessen revolutionärer Inhalt bahnbrechend für die Entwicklung der modernen Kunst in Europa war: dem Blauen Reiter.

Franz Marc, Blauschwarzer Fuchs, 1911
Franz Marc, Blauschwarzer Fuchs, 1911

Der Blaue Reiter ist ein Almanach – eine Sammlung von Texten – der 1912 in München im Piper-Verlag erschien und von den beiden Malern Franz Marc (1880–1916) und Wassiliy Kandinsky (1866-1944) herausgegeben wurde. Das Buch folgte auf zwei Ausstellungen, die unter gleichem Namen 1911 und 1912 ebenfalls in München stattfanden. Zu den wichtigsten Mitgliedern des Blauen Reiter zählen Franz Marc, Wassiliy Kandinsky. Zum engen Kreis gehören Kandinskys Lebensgefährtin Gabriele Münter, das Paar Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, August Macke, Paul Klee und Alfred Kubin.

Ziel des Blauen Reiter war es, mit den akademischen Traditionen zu brechen, um neue künstlerische Formen entwickeln zu können. Diese sollten nicht mehr vom Abbild der sichtbaren Wirklichkeit abhängig sein, vielmehr ging es darum, geistige Fragen in Farbe und Form zu transferieren. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Befreiung der Farbe von ihrer Aufgabe einen Gegenstand „realistisch“ abzubilden. „Vom Naturabmalen – mehr oder weniger impressionistisch – zum Fühlen eines Inhalts – zum Abstrahieren“ wie es Gabriele Münter so treffend formuliert hatte. So wie Münter ungemischte Farben zueinander setzte und ihre Motive auf einfache Formen herunterbrach, trug sie wesentlich zur Entwicklung zu einem neuen modernen Kunstverständnis bei.

Ulf Küster, der Kurator der Ausstellung, nimmt sein Publikum mit, auf einen spannenden Rundgang durch die Geschichte dieses revolutionären Buches. Die Ausstellung beschränkt sich auf den Zeitraum 1908 – 1914, wo der 1. Weltkrieg dieser Entwicklung ein jähes Ende bereitete. Über neun Sääle verteilt werden über 70 Werke und 90 Exponate rund um den Blauen Reiter gezeigt , veranschaulicht ihre Geschichte und dokumentiert, die von ihr entwickelte Abstraktion.

Im Zentrum der Schau stehen die Werke der beiden Gründer des Blauen Reiter, Franz Marc und Wassiliy Kandinsky, die sich erst 1911 kennenlernten. Beide suchten auf ganz unterschiedliche Art und Weise ihre geistige Haltung zum Ausdruck zu bringen. Während Kandinsky eine synästhetische Kunst anstrebte, die die Grenzen zu anderen Kunstformen überschreiten sollte, versuchte Marc über die Auseinandersetzung mit den unschuldigen Seelen von Tieren, an die Darstellung einer kosmisch unverfälschten Natur zu gelangen. Inspiration dazu fanden beide Künstler (zusammen mit Münter, Werefkin und Jawlensky) in der Landschaft um Murnau, einem Dorf in der Voralpenlandschaft von München.

Inhaltlicher Höhepunkt der Ausstellung bildet der Saal Nr. 7 der ganz dem Almanach und seinem Inhalt gewidmet ist. Der Name wurde am Kaffeetisch in der Marc’schen Gartenlaube in Sindelsdorf entwickelt: Beide Künstler liebten Blau, Kandinsky war begeistert von Reitern, Marc von Pferden „so kam der Name von selbst.“ Das Programm des Almanachs ist eine heterogene Zusammenstellung von hoher Kunst und Volkskunst – auch Kinderzeichnungen sind dabei –, von europäischen und internationalen Bildern, die zusammen einen „vielstimmigen Chor an Texten und Bildern aus unterschiedlichen Epochen“ bilden, wie Ulf Küster anmerkt. Kandinsky schwebte eine „Kette zur Vergangenheit und einen Strahl in die Zukunft“ vor, weswegen er sich auch den Namen „die Kette“ hätte vorstellen können. Ziel war eine internationale, hierarchielose Kunst, die nur durch ihre „innere Notwendigkeit“ – durch das Geistige in der Kunst –über alle Grenzen und Zeiten hinweg verbunden war. Kunst als eine einzige grosse Seelenverwandtschaft. Die Publikation diente Marc und Kandinsky auch als eine Art Legitimation für die, in ihren Werken entwickelte Wandlung von der Figuration zur Abstraktion.

Franz Marc, Die grossen blauen Pferde, 1911
Franz Marc, Die grossen blauen Pferde, 1911

Zwei Hauptwerke von Kandinsky und Marc wollen noch erwähnt sein. Zum einen Die grossen blauen Pferde (aus Minneapolis) die Marc 1911 gemalt hat. Mit diesem Bild „versöhnte Marc die Moderne mit der Zeit der Gegenwelt der Moderne“, wie Küster anmerkt. Befürworter wie Gegner der Moderne fanden in diesem Bild ihre Ruhe. Die Pferde scheinen im Einklang mit der sie umgebenden Natur zu sein. Der Farbtheoretiker Marc macht auch hier Gebrauch von der Wirkung des Komplementärkontrastes (blau – gelb und rot-grün) und erhöht so die Wirkung der einzelnen Farben. Die runden Bewegungen der Pferde gehen sanft in die hügelige Landschaft über. Die so rhythmisierte Bildkomposition strahlt trotz ihrer intensiven, lebendigen Farbigkeit eine innere Ruhe aus, die Marc in der unschuldigen Tierseele zu erkennen glaubte.

Wassily Kandinsky, Komposition VII, 1913
Wassily Kandinsky, Komposition VII, 1913

Ein ganz anderes Spiel mit Farbkontrasten betreibt Wassily Kandinsky mit seiner wohl grössten Komposition Nr. 7 (2 x 3 Meter) aus der Moskauer Tretjakow-Galerie von 1913. Kandinsky unterschied in seinen Bildern zwischen Komposition, Improvisation und Impression und schon dieser Sprachgebrauch deutet sein synästhetisches Bedürfnis an: mit Komposition kann sowohl ein Farbklang als auch ein musikalischer Klang gemeint sein. Die Komposition war die höchste Bildkategorie für Kandinsky denn sie vereinte Konzeption, Imagination und Intuition. In der Komposition Nr. 7 kommt diese Analogie zum Ausdruck. Erst durch die Interaktion des Werks mit seinem Betrachter entsteht (im Idealfall) ein Seh-Rhythmus, der in der Musik seine Entsprechung findet. Die Komposition Nr. 7 ist den Themen Sintflut und dem Jüngsten Gericht gewidmet und vermittelt eine Vorahnung auf den ersten Weltkrieg. Die Form des Werks ist „Ausdruck des inneren Inhaltes“ und das wichtigste ist, „ob die Form aus der inneren Notwendigkeit gewachsen ist oder nicht“, wie Kandinsky selbst schreibt. Nur noch Andeutungsweise finden wir Elemente von Landschaft und Tiefe, die Darstellung ist einem Spiel aus Farben und Formen gewichen, die sich ganz aus Kandinskys innerer Empfindung speist – die Abstraktion war geboren.

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Alexander Calder & Fischli/Weiss

Alexander Calder & Fischli/Weiss
29.05.2016 – 04.09.2016
Fondation Beyeler

Von Rahel Schrohe
Die Fondation Beyeler widmet ihre Sommerausstellung einem Pionier der modernen Skulptur und zwei Leitfiguren der zeitgenössischen Kunst. In einer erfrischend unkonventionellen Gegenüberstellung trifft der amerikanische Künstler Alexander Calder (1898–1976) auf das Schweizer Künstlerduo Peter Fischli (1952) und David Weiss (1946–2012). In der Konfrontation dieser medial ausgesprochen vielseitigen Werke zeichnen sich verblüffende Parallelen ab. Bei Calder wie auch bei Fischli/Weiss ist die künstlerische Arbeitsweise eine des humorvollen Alexander Calder & Fischli/Weiss weiterlesen

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Jean Dubuffet – Metamorphosen der Landschaft

31.  Januar 2016 – 8. Mai 2016
Fondation Beyeler

Raphael Bouvier, Kurator der Fondation Beyeler
Raphael Bouvier, Kurator der Fondation Beyeler

Von Raphael Bouvier*
Jean Dubuffet (geboren 1901 in Le Havre; gestorben 1985 in Paris) gehört zu den prägenden Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Erst im Alter von 41 Jahren gab er 1942 seine Arbeit als erfolgreicher Weinhändler auf, um sich ganz der Kunst zu widmen. In den darauffolgenden vier Jahrzehnten entstand ein einzigartig vielschichtiges Schaffen voller faszinierender Veränderungen und überraschender Wendungen, die Dubuffets Kunst in besonderem Masse auszeichnen.

Inspiriert von den Werken gesellschaftlicher und künstlerischer Aussenseiter, für die er den Begriff Art brut nachhaltig prägte, sowie unter dem Eindruck der Bildsprache von Kindern, gelang es ihm, sich von überkommenen Traditionen zu befreien und auf seiner stetigen Suche nach Wahrhaftigkeit die Kunst geradezu neu zu erfinden. Jean Dubuffet – Metamorphosen der Landschaft weiterlesen

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Malewitsch und die Russische Avantgarde

Auf der Suche nach 0,10 – Die letzte futuristische Ausstellung  der Malerei
04.10.2015 – 10.01.2016
Fondation Beyeler, Riehen/Basel

Mit Auf der Suche nach 0,10 – Die letzte futuristische Ausstellung der Malerei setzt die Fondation Beyeler nach Venedig, Wien 1900 und Surrealismus in Paris ihre Ausstellungsreihe über Städte der Kunst fort.

Anna Szech, Assistenzkuratorin der Fondation Beyeler
Anna Szech, Assistenzkuratorin der Fondation Beyeler

Von Anna Szech

St. Petersburg – seit der Gründung 1703 und von 1712 bis 1918 die Hauptstadt Russlands – war immer schon für seine künstlerische Tradition berühmt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es zur Wiege der russischen Avantgarde. Im Winter 1915/16 fand hier Die letzte futuristische Ausstellung der Malerei 0,10 (null zehn) statt, die für die radikale Bildsprache vieler Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts den Weg ebnete. In einer Privatgalerie stellten sieben Künstlerinnen und sieben Künstler rund 150 Werke aus. Malewitsch und die Russische Avantgarde weiterlesen

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