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Editorial

Liebe Kunstfreunde

Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely
Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely

Mit der Sonderausstellung Métamatic Reloaded stellt das Museum Tinguely zehn Kunstprojekte von international renommierten und aufstrebenden jungen Künstlern vor, die Bezug nehmen auf eine der wichtigsten Erfindungen Tinguelys, seine Méta-Matics genannten
Zeichenmaschinen. Marcel Duchamps besondere Freude an diesen war kein Zufall, stellen sie doch den Prozess künstlerischer Produktion und Rezeption radikal infrage. Plötzlich produziert eine Maschine Kunst à la Abstract Expressionism oder Tachisme und spannt den Betrachter dafür als Kollaborateur ein. Die Maschine behält zwar skulpturale und kinetische Qualität, in ihrem eigenen, motorisierten, oft gestenreichen Schöpfungsakt hinterlässt sie jedoch gleichzeitig eine Spur individueller Zeichnung.
Was sich die Künstlerinnen und Künstler für Métamatic Reloaded in ihren neu geschaffenen Werken ausgedacht haben, ist an Vielfalt der Inspiration und Interpretation kaum zu überbieten. Erwähnt sei Thomas Hirschhorns Arbeit Diachronic Pool, die das Titelblatt des Artinside ziert. Ausgediente Computertastaturen in einer riesigen, mit Alufolie verkleideten Röhre formen den zentralen Teil einer grossen, rund 20 x 10 Meter messenden, begehbaren Installation, die in berückender plastischer Qualität als visuelles Laboratorium angelegt ist und Leitlinien von Hirschhorns künstlerischer Recherche wie Liebe, Politik, Philosophie und Ästhetik in einem Kraftfeld zusammenführt. Noch einen Schritt weiter geht Marina Abramovic´. Der von ihr konzipierte, architektonische Parcours lädt die Besucher ein, selbst eine Reise zu absolvieren, auf der sie unterschiedlichen Kräften und Emotionen ausgesetzt werden (Anmeldung erforderlich).
Aber auch unsere Partnerinstitutionen in Basel und Riehen warten mit grossartigen Ausstellungen auf. Das Kunstmuseum Basel führt drei Heroen der Moderne zusammen, die alle mit einem abstrakten, doch unterschiedlich kodierten Vokabular gearbeitet haben. Piet Mondrian als Pionier der Abstraktion in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit einer aus den Grundfarben aufgebauten, neoplastizistischen Formensprache, Barnett Newman, dessen Werk hin zu «sublimer» Reduktion tendiert, mit grossformatigen, monochromen Leinwänden, in die der Betrachter förmlich eintauchen sollte, und Dan Flavin, der Farbe und Rhythmus im Geiste der Minimal Art mit Lichtinstallationen in den Ausstellungsraum brachte.
Die Fondation Beyeler präsentiert eine grosse Überblicksausstellung des deutschen Bildhauers und Zeichners Thomas Schütte, die 30 Jahre seines figurativen Schaffens umfasst und sowohl seine eigenwilligen Skulpturen vorstellt, mit denen er eine schlagende Antwort auf die Frage findet, was die traditionelle Gattung der Skulptur heute sein kann, als auch Zeichnungen und Aquarelle. Gleichzeitig sind zwei weitere Ausstellungen zu sehen: die zweite Auflage der
Calder Gallery und eine Sammlungspräsentation mit Scherenschnitten und Gemälden
von Henri Matisse.
Ein unglaublich vielseitiges und hochkarätiges Angebot an Ausstellungen erwartet Sie in Basel und Umgebung. Ich wünsche Ihnen beim Entdecken viel Freude und Neugier.
Ihr
Roland Wetzel
Direktor Museum Tinguely