Archiv der Kategorie: Editorial

Editorial

Liebe Kunstfreunde

Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely
Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely

Weltoffenheit zeichnet die Stadt und Region Basel in vielerlei Hinsicht aus.
Eine traditionsreiche Mäzenatenkultur sowie die beachtliche Zahl an engagierten Kulturinstitutionen ermöglichen es, immer wieder Ausstellungen von internationalem Format zu präsentieren. Insbesondere der Sommer wartet stets mit hochkarätigen Kulturerlebnissen auf, die neben den Kunstmessen im Juni ein Highlight im Kunstkalender darstellen.

Haroon Mirzas Klang-, Licht- und Medieninstallationen sprechen Sehsinn wie Gehör an, befragen das Verhältnis der Sinne zueinander und bieten dabei ein unvergleichbares, immersives Ausstellungserlebnis. Diesen Sommer ist das Museum Tinguely mit dem in London lebenden Künstler ein besonderes Projekt eingegangen. Seine bisher grösste Einzelausstellung ist gleichzeitig eine Gruppenausstellung, die Möglichkeiten des Dialogs und der künstlerischen Zusammenarbeit vorstellt. Neben wichtigen bestehenden Werken hat Mirza eine ganze Reihe von neuen Arbeiten und raumgreifenden Installationen entwickelt, die teilweise für sich und teilweise im Dialog mit Werken anderer Künstler stehen. So werden unter anderen Alexander Calder, Jeremy Deller, Channa Horwitz und
auch Jean Tinguely mit Werken in der Ausstellung vertreten sein.

Die Fondation Beyeler hat die in Kapstadt geborene und in Amsterdam lebende Künstlerin Marlene Dumas nach Riehen eingeladen und präsentiert eine Vielzahl ihrer Werke, die in ihrer individuellen Weltsicht auf faszinierende Weise Möglichkeiten der Malerei zwischen Subjektivität und historischer Gültigkeit befragen. Spezielle Sinneserfahrungen werden die Besucher auch in der Kunsthalle Basel erleben, wenn die in Korea geborene Künstlerin Anicka Yi ihren «Duft des Vergessen» über die Räume der Kunsthalle verteilen wird.

Das Kunstmuseum lädt uns weiterhin ein, seine Sammlung in neuen Umgebungen einen Besuch abzustatten: Im Museum für Gegenwartskunst finden auf drei Etagen eine komprimierte Sammlungspräsentation mit Meisterwerken von Cézanne bis Richter und Sonderausstellungen zusammen. Im Museum der Kulturen ist die Ausstellung Holbein. Cranach. Grünewald zu sehen. In Münchenstein wartet das Schaulager mit einer Überblicksausstellung der Emanuel Hoffmann-Stiftung auf, die das langjährige Engagement und den Reichtum der stetig wachsenden Sammlung vorstellt.

Dass sich das Haus der elektronischen Künste im Dreispitz neben der Kunsthochschule und weiteren Kultureinrichtungen sehr gut etabliert hat, davon kann man sich in der Ausstellung Poetics and Politics of Data überzeugen, die auf unterschiedliche Weise unsere täglichen digitalen Datenab- und -anfälle sichtbar macht und kritisch befragt.

Schöne Ausstellungserlebnisse und wie stets viel Neugierde wünscht Ihnen
Ihr
Roland Wetzel
Direktor Museum Tinguely

Diesen Beitrag teilen:

Editorial

Liebe Kunstfreunde

Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely
Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely

Mit der Sonderausstellung Métamatic Reloaded stellt das Museum Tinguely zehn Kunstprojekte von international renommierten und aufstrebenden jungen Künstlern vor, die Bezug nehmen auf eine der wichtigsten Erfindungen Tinguelys, seine Méta-Matics genannten
Zeichenmaschinen. Marcel Duchamps besondere Freude an diesen war kein Zufall, stellen sie doch den Prozess künstlerischer Produktion und Rezeption radikal infrage. Plötzlich produziert eine Maschine Kunst à la Abstract Expressionism oder Tachisme und spannt den Betrachter dafür als Kollaborateur ein. Die Maschine behält zwar skulpturale und kinetische Qualität, in ihrem eigenen, motorisierten, oft gestenreichen Schöpfungsakt hinterlässt sie jedoch gleichzeitig eine Spur individueller Zeichnung.
Was sich die Künstlerinnen und Künstler für Métamatic Reloaded in ihren neu geschaffenen Werken ausgedacht haben, ist an Vielfalt der Inspiration und Interpretation kaum zu überbieten. Erwähnt sei Thomas Hirschhorns Arbeit Diachronic Pool, die das Titelblatt des Artinside ziert. Ausgediente Computertastaturen in einer riesigen, mit Alufolie verkleideten Röhre formen den zentralen Teil einer grossen, rund 20 x 10 Meter messenden, begehbaren Installation, die in berückender plastischer Qualität als visuelles Laboratorium angelegt ist und Leitlinien von Hirschhorns künstlerischer Recherche wie Liebe, Politik, Philosophie und Ästhetik in einem Kraftfeld zusammenführt. Noch einen Schritt weiter geht Marina Abramovic´. Der von ihr konzipierte, architektonische Parcours lädt die Besucher ein, selbst eine Reise zu absolvieren, auf der sie unterschiedlichen Kräften und Emotionen ausgesetzt werden (Anmeldung erforderlich).
Aber auch unsere Partnerinstitutionen in Basel und Riehen warten mit grossartigen Ausstellungen auf. Das Kunstmuseum Basel führt drei Heroen der Moderne zusammen, die alle mit einem abstrakten, doch unterschiedlich kodierten Vokabular gearbeitet haben. Piet Mondrian als Pionier der Abstraktion in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit einer aus den Grundfarben aufgebauten, neoplastizistischen Formensprache, Barnett Newman, dessen Werk hin zu «sublimer» Reduktion tendiert, mit grossformatigen, monochromen Leinwänden, in die der Betrachter förmlich eintauchen sollte, und Dan Flavin, der Farbe und Rhythmus im Geiste der Minimal Art mit Lichtinstallationen in den Ausstellungsraum brachte.
Die Fondation Beyeler präsentiert eine grosse Überblicksausstellung des deutschen Bildhauers und Zeichners Thomas Schütte, die 30 Jahre seines figurativen Schaffens umfasst und sowohl seine eigenwilligen Skulpturen vorstellt, mit denen er eine schlagende Antwort auf die Frage findet, was die traditionelle Gattung der Skulptur heute sein kann, als auch Zeichnungen und Aquarelle. Gleichzeitig sind zwei weitere Ausstellungen zu sehen: die zweite Auflage der
Calder Gallery und eine Sammlungspräsentation mit Scherenschnitten und Gemälden
von Henri Matisse.
Ein unglaublich vielseitiges und hochkarätiges Angebot an Ausstellungen erwartet Sie in Basel und Umgebung. Ich wünsche Ihnen beim Entdecken viel Freude und Neugier.
Ihr
Roland Wetzel
Direktor Museum Tinguely

Diesen Beitrag teilen: