Basel Short Stories: Maria Sibylla Merian

Kunstmuseum Basel

Basel Short Stories

10.02.2018 – 21.05.2018

Die Ausstellung Basel Short Stories richtet einen Blick auf die umfangreiche und in mancher Hinsicht weltberühmte Sammlung des Kunstmuseums Basel. Auch weniger bekannte Aspekte der Bestände werden in neuen Zusammenhängen gezeigt. Neun Stories erzählen von Persönlichkeiten und wichtigen Ereignissen aus der Basler Geschichte – von Erasmus von Rotterdam bis Iris von Roten.

Maria Sibylla Merian und die Entdeckung
der Natur

 

Maria Sibylla Merian, Ananas mit südamerikanischen Kakerlaken, 1719, kolorierter Kupferstich, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, Ankauf 1949
Maria Sibylla Merian, Ananas mit südamerikanischen Kakerlaken, 1719, kolorierter Kupferstich, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, Ankauf 1949

 

Die Künstlerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian (1647–1717) wächst als Tochter des Basler Kupferstechers und Verlegers Matthäus Merian dem Älteren in Frankfurt am Main auf. Von ihrem Stiefvater, einem Stilllebenmaler, erhält sie eine künstlerische Ausbildung. 1699 unternimmt sie mit ihrer Tochter die abenteuerliche Schiffsreise in die holländische Kolonie Surinam, wo sie sich zwei Jahre lang aufhält und Raupen, Schmetterlinge und andere Insekten dokumentiert.
Ihr Hauptwerk Metamorphosis insectorum Surinamensium (1705), mit dem sie berühmt wird, geht aus dieser Reise hervor.

Silvia Bächli, Mantel Nr. 12, 2017, Kunstmuseum Basel
Silvia Bächli, Mantel Nr. 12, 2017, Kunstmuseum Basel

Merian gilt als Begründerin der deutschen Entomologie (Insektenkunde) und als erste ökologisch denkende Naturforscherin. Viele von ihr beschriebene Insektenarten waren damals noch unbekannt. Carl von Linné, der die moderne zoologische und botanische Taxonomie einführte, stützt sich auf Merians Metamorphosis und ihr Raupenbuch und übernimmt unter anderem den von ihr eingeführten Begriff «Vogelspinne». Trotz Merians wissenschaftlichem Beitrag verstand sie sich nie als Gelehrte (die entsprechenden Möglichkeiten standen ihr als Frau gar nicht offen), sondern stets als Künstlerin. Ihr Zugang war ein phänomenologischer: Sie beschrieb und zeichnete, was sich ihr durch Beobachtung eröffnete. Ihre holistischen Darstellungen der Schmetterlingsmetamorphose und Futterpflanze der Raupe können – aus heutiger Sicht – als kritische Alternative zu den naturwissenschaftlichen Klassifikationsschemata gelesen werden und stellen als Bildthema eine kunstgeschichtliche Neuerung dar.

Werke von Maria Sibylla Merian aus der Sammlung des Kunstmuseums stehen im Zentrum dieser Story: Aquarelle mit Blumenporträts und Insekten, kolorierte Drucke und Bücher – darunter die Dokumentation ihrer Surinam-Reise. Gemälde von Adam Willaerts und Frans Post geben eine Idee davon, wie der zeithistorische, von den Expansionsbestrebungen Hollands im 17. Jahrhundert geprägte Moment «ausgesehen» haben könnte.

Die Künstlerin Silvia Bächli hat den Werken von Merian eigene grossformatige Zeichnungen dialogisch gegenübergestellt. Eine Reihe weiterer Werke von Jan van Kessel dem Älteren, Hans Arp, Andreas Slominski und Andy Warhol nähern sich Pflanzen und Insekten aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Absichten.

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