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Theaster Gates. Black Madonna

Kunstmuseum Basel
09.06.2018 – 21.10.2018

In seiner Ausstellung Black Madonna im Kunstmuseum Basel widmet sich der amerikanische Künstler Theaster Gates dem Kult um die Ikone der Schwarzen Madonna. Die dunkelhäutigen Statuen und Bildnisse der Jungfrau Maria gehören bis heute zu den meistverehrten in Europa. Theaster Gates befragt diese faszinierende Figur auf ihre politische, ästhetische und metaphorische Bedeutungsebene hin.   

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Too early to panic: Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger

Das Schweizer Künstlerduo Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger richtet diesen Sommer  im Museum Tinguely ein dreiteiliges Wunderkammer-Labyrinth ein. Das Publikum hat die einmalige
Gelegenheit, in einen Dschungel aus Werdendem, Wucherndem und Chaotischem einzutauchen und selber darin aktiv zu werden. 

06.06.2018 – 23.09.2018

Séverine Fromaigeat ist Kuratorin am Museum Tinguely. Gemeinsam mit Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger hat sie die grosse Ausstellung entwickelt, wachsen und wuchern lassen.
Séverine Fromaigeat ist Kuratorin am Museum Tinguely. Gemeinsam mit Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger hat sie die grosse Ausstellung entwickelt, wachsen und wuchern lassen.

Von Séverine Fromaigeat
Seit Beginn ihrer Zusammenarbeit im Jahr 1997 erschaffen Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger gemeinsam In-situ-Installationen, üppige und oftmals betörende Universen aus natürlichen Fundstücken und gefertigten Objekten. Wachstum, Transformation und Kristallisation sind Teil ihrer Kunstwerke: Durch chemische Reaktionen erfährt die Installation eine langsame Metamorphose. Der Besucher ist immer wieder eingeladen, in ein fantastisches Universum aus farbenfrohen Landschaften einzutauchen, selbst aktiv zu werden sowie Sinne und Geist anregen zu lassen. Die ebenso zauberhaften wie unheimlichen Installationen des Künstlerduos knüpfen Verbindungen zwischen gegensätzlichen Welten. Sie öffnen den Blick auf das sonderbare Laboratorium des Lebens, auf dessen biologische Vielfalt zwischen Natur und Künstlichkeit und auf die Kräfte von Fruchtbarkeit und Wachstum. 

In Form eines Raum-Zeit-Labyrinths präsentieren Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger einen Überblick ihres 25-jährigen Schaffens. Der Zugang zur Ausstellung erfolgt durch eine von drei Türen – diejenige der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft. Hinter jeder Tür verbirgt sich ein anderes Kapitel ihres Kosmos, das sich wiederum aufgliedert in eine Vielzahl potenzieller Erfahrungen an verschiedenen Stationen. So kann der Besucher unter anderem durch einen Wald von Zweigen streifen, einen Halt in einem Massagesalon einlegen, eine Runde schaukeln, eine Träne für ästhetisch-wissenschaftliche Zwecke vergiessen, sich mit Schönheitsexperten unterhalten, Übungen auf Fitnessgeräten absolvieren oder Auge in Auge mit einem Meteoriten seine psychische Belastbarkeit prüfen.

Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, Königliche Regenwürmer, 2017
Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, Königliche Regenwürmer, 2017, Installation © 2018 Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger

Wer die Tür der Vergangenheit wählt, begibt sich auf eine Zeitreise zu den frühesten Arbeiten des Duos. Diese sehr geordnete Welt weist viele Merkmale einer klassischen Ausstellung auf, mit Objekten, Videos und zweidimensionalen Werken, deren Präsentation etablierten kuratorischen Grundsätzen folgt. Durch ein mit Gerätschaften aller Art vollgestopftes Gartenhäuschen gelangt man zu verschiedenen von den beiden Künstlern über die Jahre angelegten Sammlungen, insbesondere von Samen (Schlafende Samen, 2002, Samensammlung aus Mali, 2003). Das Samenkorn, Keimzelle aller Dinge, steht gleichermassen für die Fruchtbarkeit – diese primäre Energie, die jeder Form von Leben zugrunde liegt – wie für die Wurzeln, die uns sowohl mit unserer eigenen Vergangenheit als auch der Geschichte der Menschheit verbinden. Im weiteren Verlauf folgt das Video Logic of Beauty (2010), ein Strom hypnotischer Bilder, deren Farben und Muster eine magnetische Wirkung ausüben, als ob die Künstler hier die Essenz der Schönheit eingefangen hätten.

Auf das Thema der Schönheit trifft man auch hinter der Tür der Gegenwart. Jeder Raum präsentiert sich als dreidimensionale
Mini-Fiktion, mit eigenen Kulissen, Darstellern und Requisiten. Die Hauptrolle spielt jedoch der Besucher, der die Szenerie zum Leben erweckt. Station für Station beschert ihm eine interaktive, zugleich wissenschaftliche, vergnügliche und philosophische Erfahrung rund um den Begriff der Schönheit. Hier heisst es, seine Schüchternheit an der Garderobe zu deponieren und sich auf die Akteure – eine/n Sekretär/in, eine/n Tränensammler/in und eine/n Personal Trainer/in – einzulassen. Auf dem Programm stehen das Bestaunen von Augensekreten und ihrer winzigen Strukturen unter dem Mikroskop, das Liegen unter einem schweren hängenden Stein, Konzentrationsübungen oder auch eine stille Pause.

Im letzten Bereich wartet die Zukunft mit ihren Unsicherheiten, ihrem Chaos und ihrer Unfertigkeit. Dominiert werden die Räumlichkeiten von einem majestätisch wuchernden Wald, einem schwebenden, vielfarbigen Labyrinth voll mit Verästelungen aus pflanzlichen und künstlichen Elementen, das auf das Gewimmel alles Lebendigen anspielt und dessen im Raum tanzende Formen zum Träumen und Fantasieren anregen. Zum Ende geht der hängende Wald in einen Fitnessraum über, dessen Geräte von den beiden Künstlern auf schelmische Weise so umgestaltet wurden, dass sie neben dem Körper auch den Geist stimulieren.

Mit Too early to panic laden uns Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger auf eine Reise ein – eine Reise, die uns die Welt um uns herum mit neuen Augen sehen lässt.

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Gauri Gill. Traces

Museum Tinguely
bis 01.11.2018

Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely
Roland Wetzel, Autor des Textes, ist Direktor des Museum Tinguely und Kurator der Ausstellung «Gauri Gill. Traces».

Von Roland Wetzel
Im Sommer 2016 konnte Jean Tinguelys Mengele-Totentanz (1986) in einem neu im Museum eingebauten, «sakralen» Raum installiert werden. Um die Vielschichtigkeit dieses zentralen Spätwerkes hervorzuheben, zeigt das Museum Tinguely eine Reihe von Ausstellungen, die sich mit besonderen Aspekten des Mengele-Totentanzes verbinden. Jérôme Zonders Dancing Room
bildete 2017 den Auftakt. 

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Corpus Baselitz im Musée Unterlinden, Colmar/F

Musée Unterlinden, Colmar
bis 04.11.2018

Anlässlich seines 80. Geburtstags widmet das Musée Unterlinden
dem deutschen Künstler Georg Baselitz
eine grosse Ausstellung.

Unter dem Titel Corpus Baselitz präsentiert diese Schau in Colmar erstmals in einem französischen Museum eine bedeutende Werkauswahl von rund 70 Exponaten – Malereien, Zeichnungen, Aquarellen und Skulpturen – aus den Jahren 2014–2018, in denen der Künstler seinen eigenen Körper und seinen Platz in der Kunstgeschichte hinterfragt. Seit seinen ersten «auf den Kopf stehenden» Bildern aus dem Jahr 1969 hat Baselitz in der Tradition der Aktmalerei oder des Selbstporträts immer wieder neue Ausdrucksformen für die Darstellung des eigenen Körpers beziehungsweise des diesem beigestellten Körpers seiner Frau Elke entwickelt. 

Georg Baselitz, Ach rosa, ach rosa, 2015
Georg Baselitz, Ach rosa, ach rosa, 2015

Im Winter 2014∕2015 setzte sich der Künstler mit einer Folge von ernsten und introspektiven Akten mit der Realität seines hohen Alters und des Altwerdens auseinander und bezog sich in einem regelrechten Abstieg in die Unterwelt auf eigene Arbeiten sowie auf Werke seiner grossen Vorbilder (Duchamp, Dubuffet, Dix, Picasso …). Der verunstaltete, unvollständige und zerteilte Körper wird ungeschönt und kompromisslos in abstrakten Räumen festgehalten. Der Vehemenz des Sujets des Alterns vor dunklen, leeren Hintergründen wirken die Bewegung, die Wiederholung des Motivs, die grosszügig verwendete Farbmaterie, die kraftvolle Geste und eine neue Maltechnik entgegen und verwandeln die Körper in leuchtende, vibrierende Gebilde. 

Die von Baselitz an der Schwelle zu seinem 80. Lebensjahr vorgenommene Bearbeitung seines nackten Körpers und die Transformation dieser dunklen Vision in eine bildmächtige, für die Öffentlichkeit bestimmte Darstellung zeugen von der ungebrochenen Lebens- und Schaffenskraft des Künstlers. Thema, Form (mitunter den mittelalterlichen Polyptychen entlehnt), Monumentalität, Farbmaterie und Farbe in den Werken des deutschen Künstlers wirken wie ein zeitgenössisches Echo des zentralen Kunstwerks im Musée Unterlinden, dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald. Als existenzielle Innenschau und regelrechte Entblössung präsentiert sich sein jüngstes Œuvre gleichzeitig als Neubeginn, Wiedergeburt und Rückkehr zu den Anfängen.

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Kloster Schoenthal zeigt Olaf Holzapfels Heuernte

06.05.2018 –04.11.2018

Kann man aus Heu Kunst machen? 

Man kann, wenn man Olaf Holzapfel heisst und polnische Bauern zur Hand hat, die es einwickeln zu veritablen Seilen. Dort für ein Frühlingsritual bestimmt, flicht der Künstler diese zu «Bildern», die mehr wie Skulpturen aussehen und auch so wiegen. Besonders, wenn der 1967 in Dresden geborene Erfinder diese im Raum anschaulich in seine simplen Holzkonstruktionen hängt, die vom Handwerk der Zimmermänner herrühren. Tradition begegnet so in der Klosterkirche einer Innovation, die mit viel Potenzial ins Spekulative, in eine «Geometrie des Materials» – natürlichen Bündeln von Informationen – augenscheinlich in seinen «Strohbildern», reicht. 

Aus gedrehten Heuschnüren werden Bilder geflochten © 2018, Kloster Schönthal, Langenbruck
Aus gedrehten Heuschnüren werden Bilder geflochten © 2018, Kloster Schönthal, Langenbruck

Der heute in Berlin arbeitende Künstler verbindet eine genuine Naturerfahrung (bei Görlitz liegt der folgenreiche epochale Landschaftspark von Fürst Pückler) mit Studien indigener Kulturen von der Lausitz nach Patagonien oder Indien. Aus ihnen resultieren seine Entwürfe für «Übergangsräume» jenseits der bekannten Grenzen, so in einer Art Neuvermessung von Landschaft, wo das Mass der Natur immer das Mass der Kultur abgibt: in «die Technik des Landes».

Wie in der letztjährigen documenta 14 ufert sein künstlerisches Konzept später auch in die Landschaft aus: im Schönthal in einem Holz-Zaun, der mit Gattertor und Brücke die Landwirtschaft und die vielfältigen Vorhaben zu einer modellhaften Landschaftsästhetik beflügeln wird.

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