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Tadeusz Kantor: Où sont les neiges d’antan


Museum Tinguely
09.10.2019 – 05.01.2020

Das Museum Tinguely präsentiert – in Kooperation mit Culturescapes – einen der wichtigsten Theaterschaffenden und bildenden Künstler Polens des 20. Jahrhunderts mit einem seiner grossen Bühnenwerke. Mit kritischem Blick auf die verdrängte Geschichte Polens widmet sich Tadeusz Kantors unabhängiges Untergrundtheater der Alltagsrealität. 

Die Ausstellung Tadeusz Kantor: Où sont les neiges d’antan im Museum Tinguely präsentiert einen der wichtigsten Theaterschaffenden und bildenden Künstler Polens des 20. Jahrhunderts mit einem seiner grossen Bühnenwerke. Mit kritischem Blick auf die verdrängte Geschichte Polens widmet sich Tadeusz Kantors (1915–1990) unabhängiges Untergrundtheater der Alltagsrealität und prägt bis heute eine junge Generation in der Welt des Theaters. Sein Werk gilt als Modell für radikale, disziplinübergreifende Theaterexperimente und für die Aufhebung der Differenz zwischen Bühnen- und Zuschauerraum. Als Regisseur, der sich auf der Bühne unter seine Schauspieler*innen mischte, Anweisungen gab, eingriff und so zum Fremdkörper im Ensemble wurde, durchbrach Kantor vor allem mit seiner eigenen Anwesenheit die Grenzen des klassischen Theaters. Zu seiner künstlerischen Praxis gehörte die Wiederverwendung von Objekten. Alte und beschädigte Dinge waren sein «natürliches» Medium und das Motiv des Todes ist ein zentrales Thema in seinem Werk. 

Im Museum Tinguely werden Objekte und Kostüme aus Où sont les neiges d’antan gezeigt. Begleitet werden sie von der Filmvorführung einer Probe, die 1984 am Vorabend der polnischen Premiere im Studentenclub Stodoła in Warschau von Andrzej Sapija aufgenommen wurde. Zeichnungen und Skizzen von Tadeusz Kantor werden der fotografischen Dokumentation gegenübergestellt.

Im Museum Tinguely wird die Schau durch eine Virtual Reality-Animation begleitet, der Cricoterie (2019) von Auriea Harvey & Michaël Samyn. Die Besucher*innen sind vom 9. bis 20. Oktober eingeladen, eine virtuelle Bühne zu bespielen, die inspiriert von Kantors Werk mit ungewöhnlichen Charakteren und Requisiten ausgestattet ist, während das Publikum zusehen kann, wie die Dinge ausser Kontrolle geraten.

Jean Tinguely und Tadeusz Kantor lernten sich um 1960 durch den schwedischen Sammler Theodor Ahrenberg kennen, der sich in Chexbres in der Schweiz niedergelassen hatte. Beide Künstler vermischen in ihren Werken ihre persönlichen Erfahrungen mit der gesellschaftlichen Erinnerungskultur. Ihr gemeinsames Interesse an prozessualer Kunst und hybriden Medien animierte sie dazu, die Grenzen zwischen Kunst und Realität aufzubrechen. 

Die von der Cricoteka in Krakau gastkuratierte Schau läuft bis zum 5. Januar 2020 und ist Kantors erste Einzelausstellung in der Schweiz seit über zehn Jahren. Das Projekt entstand in Kooperation mit Culturescapes Polen in Basel, ein Kulturfestival, in dem die Kulturlandschaft eines anderen Landes oder einer Region vorgestellt wird.

Gastkurator*innen: Małgorzata Paluch-Cybulska, Bogdan, Renczyński, Natalia Zarzecka / Das Zentrum zur Dokumentation der Kunst von Tadeusz Kantor Cricoteka in Krakau

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„Le définitif – c’est le provisoire“

Liebe Kunstfreunde und Kunstfreundinnen

Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely und Kurator der Ausstellung Lois Weinberger – Debris Field. In dieser Ausstellungsreihe treten unterschiedliche Künstler*innen in Dialog mit Jean Tinguelys Mengele Totentanz.
Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely

Unsere Lebenswelt befindet sich in konstantem Wandel – oder wie Jean Tinguely kurz und knapp sagte: Le définitif – c’est le provisoire. Den Wandel prägen wir alle mit unserem kommunikativen Handeln mit. Kulturinstitutionen sind Plattformen, die diesen Austausch ermöglichen und mitgestalten. Es ist deshalb sinnvoll, wenn sie immer wieder ihre Angebote und Aufgaben hinterfragen. Auf politischer Ebene geschieht das aktuell gerade mit dem sich in Vernehmlassung befindenden neuen Kulturleitbild im Kanton Basel-Stadt: Mit den Fragen nach dem kulturellen Selbstverständnis und den mittelfristigen Perspektiven der Kulturförderung sind natürlich auch Fragen der Finanzierung verbunden. 

Die ICOM, das International Council of Museums, steckt ebenfalls inmitten dieser in regelmässigen Abständen stattfindenden Diskussionen, was die Definition eines Museums ist und was in der Museumsarbeit essenziell sein sollte. Wir alle Kulturtätigen sind mit dem Mantra Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln gross geworden, das die Kernaufgaben auch heute noch gültig beschreibt, allerdings in einer Form, die der Institution Museum, wie sie sich im 19. Jahrhundert ausprägte, auf den Leib geschrieben ist.

Was hat sich seither verändert? Wo drückt der Schuh in der heutigen Zeit? Die neue Museums- Definition soll Stichworte wie Diversität, Inklusion, Partizipation, Museen als Foren der politischen (demokratischen) Meinungsbildung oder gleichberechtigter Zugang zum materiellen und immateriellen Kulturgut für alle Menschen enthalten. Auch die Non-Profit-Orientierung soll ein wesentlicher Aspekt der Museumsarbeit sein, um der vor allem im Kunstbereich latenten Kommerzialisierung entgegenzuwirken. Schliesslich, und das finde ich besonders bemerkenswert, soll auch Enjoyment – Freude und Vergnügen – Museumserlebnisse prägen dürfen. Es ist einer der wichtigsten Motoren, um Teilhabe spielerisch zu fördern.

Das reichhaltige und vielseitige Angebot der Kunstinstitutionen in und um Basel, wie Sie es im Artinside sehen können, zeigt einmal mehr, dass diese dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Erlauben Sie mir, Ihnen die Ausstellung Len Lye – motion composer besonders zu empfehlen, an der das Museum Tinguely mit viel Herzblut seit vier Jahren arbeitet, um den neuseeländischen Künstler mit der grössten Ausstellung, die in Europa je stattgefunden hat, vorzustellen. Lye war Autodidakt und brachte künstlerische Mittel und unterschiedliche Bildsprachen auf faszinierende Weise in neue Zusammenhänge, ohne das Enjoyment zu vergessen.

Die neue Museumsdefinition der ICOM wurde übrigens von einer Mehrheit der Mitglieder abgelehnt, weil sie als zu ideologisch befunden wurde: Die Definition von Museum ist ähnlich schwierig wie diejenige von Kunst. Ihr freiheitlicher Impuls ist eine der besonderen Qualitäten, die eine Auseinandersetzung fruchtbar macht!

Schöne Ausstellungserlebnisse und wie stets viel Neugierde und Vergnügen wünscht Ihnen herzlich,

Roland Wetzel
Direktor Museum Tinguely Basel

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Joan Miró – Alles ist Poesie

BIS 26.01.2020

Forum Würth Arlesheim

DIE AUSSTELLUNG ZEIGT VORNEHMLICH GRAFIKEN AUS DEM SPÄTWERK DES WELTBEKANNTEN KATALANISCHEN KÜNSTLERS JOAN MIRÓ.

In der seit rund fünf Jahrzehnten zusammengetragenen Sammlung Würth gehören die Werke Mirós von Anbeginn zu den prägenden Positionen. Die monografische Schau im Forum Würth Arlesheim bietet nun die Gelegenheit, sich in einem intimeren Ausstellungsrahmen tiefer gehend mit dieser prominenten Sammlungsposition auseinanderzusetzen. 

Die Arbeiten des Spaniers – von Drucken und Zeichnungen über mehrteilige Buchillustrationen bis hin zur Skulptur – veranschaulichen die künstlerische und technische Vielfalt des Künstlers, der sich selbst als «peintre-poète» (Maler-Dichter) verstand. Joan Miró (1893–1983) zählt neben seinen Zeitgenossen Pablo Picasso, Max Ernst, Salvador Dalí und André Masson zu den bekannten Vertretern des Surrealismus. Wie seine Weggefährten entwickelte auch er eine eigene unverwechselbare Bildsprache. Seine von Abstraktion bestimmte Ästhetik ist geprägt von zeichenhaften Formen und klaren Farben und besitzt in ihrer charakteristischen und ureigenen Bildsprache einen hohen Wiedererkennungswert. Die spontan und improvisiert wirkenden, zuweilen kindlich verspielten Motive basieren jedoch auf kalkulierter Vorarbeit und verbergen mitunter ihren ernsten Subtext in der von Faschismus und Gewalt geprägten Zeit des spanischen Bürgerkrieges.

Die Arbeiten Joan Mirós liefern in dieser Zusammenstellung Einblicke in das Leben und Werk des Künstlers und verweisen auf vielgestaltige Einflüsse: Das intellektuelle Paris, Theater und Poesie prägten das künstlerische Werk ebenso wie Intuition und die natürlichen Formen der spanischen Landschaft.

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Sammlung Staechelin in der Fondation Beyeler

bis 29.10.2019

Die Gemälde der renommierten Sammlung von Rudolf Staechelin (1881–1946) kehren nach vier Jahren nach Basel zurück. Die 19 Werke des Impressionismus, Postimpressionismus und der klassischen Moderne werden nach viel beachteten Ausstellungen im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid und in der Phillips Collection in Washington, D. C., wo sie jeweils zusammen mit der Sammlung «Im Obersteg» gezeigt wurden, nun in der Fondation Beyeler präsentiert. Dort sind die eindrucksvollen Gemälde von Paul Cézanne, Edgar Degas, Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Ferdinand Hodler, Édouard Manet, Claude Monet, Pablo Picasso, Camille Pissarro und Auguste Renoir bis zum 29. Oktober 2019 in einer konzentrierten Ausstellung zu sehen. Danach werden sie in die periodisch wechselnden Sammlungspräsentationen der Fondation Beyeler integriert. Damit sind die Bilder wieder in Basel öffentlich zugänglich, sodass ein neues Kapitel in der bewegten Geschichte der Sammlung Rudolf Staechelin aufgeschlagen wird.

Mit Arlequin au loup (1918) von Pablo Picasso, dem Stillleben Verre et pommes (1882) von Paul Cézanne und der Landschaftsdarstellung Temps calme, Fécamp (1881) von Claude Monet wird die Sammlung Beyeler in ihrem Kern verstärkt. Das gilt auch für die anderen Werke von Cézanne, Degas, Monet und nicht zuletzt van Gogh, dessen Le jardin de Daubigny (1890) ein Pendant zum bereits in der Sammlung Beyeler befindlichen Champ aux meules de blé (1890) bildet. Beide Gemälde entstanden in Auvers-sur-Oise und sind Teil einer Gruppe von 13 Bildern im stark gestreckten Format (Doppelquadrat), auf das der Maler in den letzten Monaten seines Lebens ab Mitte Juni 1890 zurückgriff. Bei Untersuchungen der Leinwandstruktur, die vom Van Gogh Museum in Amsterdam durchgeführt wurden, stellte man fest, dass der Maler sämtliche Doppelquadrate aus demselben Leinwandballen geschnitten hatte. Die Leinwände von Le jardin de Daubigny aus der Sammlung Rudolf Staechelin und von Champ aux meules de blé aus der Sammlung Beyeler werden nun gleichsam wieder vereint. 

Eng mit der Entwicklung der modernen Kunst verbunden und bereits in Ausstellungen der Fondation Beyeler präsentiert, aber bisher nicht in deren Sammlung vertreten, sind die Künstler Édouard Manet, Paul Gauguin, Auguste Renoir und Camille Pissarro. Sie bereichern den Sammlungsbestand fortan durch: Tête de femme (1870) von Manet, Gabrielle (1910) von Renoir, die Landschaftsbilder Paysage au toit rouge (1885) von Gauguin sowie La carrière, Pontoise (um 1874) und Le sentier du village (1875) des Cézanne-Freundes Pissarro. Glanzlichter in der Sammlung sind die Gemälde aus dem Spätwerk von Ferdinand Hodler. Darunter befinden sich die zwei Versionen von La malade (1914 und 1914/15), und das hochgeschätzte Gemälde La morte (1915), allesamt berührende Porträts seiner Geliebten Valentine Godé-Darel, sowie drei prächtige Landschaften: Paysage de Montana (1915), Le Grammont après la pluie (1917) und Le Mont-Blanc aux nuages roses (1918).

Nach dieser fokussierten Ausstellung werden die Werke aus der Sammlung Staechelin in der nächsten Sammlungspräsentation der Sammlung Beyeler in einem grösseren kunsthistorischen Zusammenhang gezeigt werden (2. November 2019 bis 5. Januar 2020).

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Gold & Ruhm – Geschenke für die Ewigkeit

11.10.2019 – 19.01.2020
Eine Ausstellung des Historischen Museums Basel im Kunstmuseum Basel 

Die grosse Ausstellung präsentiert die glanzvolle Zeit des letzten ottonischen Kaisers Heinrichs II. (reg. 1002–1024). Anlässlich des 1000-Jahr- Jubiläums der Weihe des Basler Münsters vereint sie hochkarätige Leihgaben aus Europa und den USA. Kostbare Goldschmiedearbeiten, Textilien, Buchmalereien und Elfenbeinschnitzereien bilden ein einzigartiges Panorama mittelalterlicher Kultur. Seltene Handschriften, Münzen und archäologische Schätze bieten facettenreiche Einblicke in die Lebenswelten um das Jahr 1000. 

Reliquienbüsten Heinrichs II. und Kunigundes, um 1430/40
Reliquienbüsten Heinrichs II. und Kunigundes, um 1430/40

Goldene Altartafel

Den Höhepunkt bildet die Goldene Altartafel, die als kaiserliches Geschenk 1019 nach Basel kam. Im 19. Jahrhundert ins Ausland verkauft, kehrt sie nach vielen Jahrzehnten von Paris nach Basel zurück. Leihgaben aus Cleveland, München, Köln, Berlin, Rom und New York kontextualisieren erstmals die Schenkung von Heinrich II. und gewähren mit weiteren hochkarätigen Exponaten einen Einblick in die Stiftertätigkeit der ottonischen Herrscher. Diese liessen Handschriften mit prachtvollen Einbänden ausstatten und sicherten mit Schenkungen ihren bleibenden Ruhm. Die goldenen Gaben von Heinrich II. und seiner Gattin Kunigunde führten zu einer Verehrung des Kaiserpaars und hinterliessen auch zahlreiche Spuren in Basel.

Zur Ausstellung erscheint der wissenschaftliche, reich bebilderte Katalog Gold & Ruhm – Kunst und Macht unter Kaiser Heinrich II. im Hirmer Verlag, München.

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