Liebe Kunstfreund*innen

Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely
Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely

Von Roland Wetzel
Es ist eines der grossen Privilegien der Museumsarbeit, sich im 3-Monats-Takt mit neuen Inhalten beschäftigen zu dürfen, neue Ausstellungen vor- und aufzubereiten, die interessierte Besucherinnen und Besucher an Entdeckungsreisen teilhaben lassen.

Das Ausstellungsprojekt Radiophonic Spaces vermag dies auf besondere Weise. Ist das Radio doch ein Medium, das uns zwar täglich begleitet, über dessen Nutzung und vielfältige Möglichkeiten wir uns aber selten bewusst sind. Meine ersten Weltreisen spielten sich in meiner Jugend auf unterschiedlichen Frequenzbändern in der Radioätherwelt ab, dem «oberen blauen Himmel» wie die Definition des Wortes besagt, die zwischen dem Rauschen schier unendlich schien. Oder ganz konkret auf FM mit FM die neusten Musiktrends aus London entdecken liess, was 1978 einem unerhörten Einbruch von Rock und Pop in die heile Welt des Heimatkompressertums (der Handorgel) auf der Frequenz des «Nationalradios» darstellte. Wie schnell sich Zeiten und Mediennutzung doch verändern!

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Kunstmuseum Basel: Füssli – Drama und Theater

Kunstmuseum Basel
20.10.2018 – 10.02.2019

Johann Heinrich Füssli (1741–1825) interessierte sich zeitlebens für die Literatur und das Theater und formulierte unzählige Vorlagen von Milton bis Shakespeare für seine Gemälde um. Füssli. Drama und Theater rückt diese literarischen Quellen anhand von rund 70 Gemälden in mehreren Ausstellungskapiteln in den Fokus und widmet sich darin ebenso den dramatischen Stilmitteln des Malers.  Kunstmuseum Basel: Füssli – Drama und Theater weiterlesen

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Fünf Frauen und ihr poetisches Engagement

Fondation Fernet Branca
25.11.2018 – 10.02.2019

Marie-Hélène Fabra
Vanessa Fanuele 
(grosses Bild oben)
Marie-Amelie Germain
Marine Joatton
Haleh Zahedi

Die Fondation Fernet-Branca präsentiert in ihrer kommenden Ausstellung 5 femmes: l’engagement poétique fünf Künstlerinnen (Marie-Hélène Fabra, Vanessa Fanuele, Marie-Amelie Germain, Marine Joatton und Haleh Zahedi), die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Gruppe ist einzig durch ihr Engagenment verbunden, dem Medium der Malerei und Zeichnung Gehör zu verschaffen. Sie konzentriert sich darauf unsere schnelllebige Welt, mit ihren Pinsel- oder Bleistiftstrichen einzufangen und festzuhalten. Dabei versuchen sie mit ihrer poetischen und feinsinnigen Bildsprache, Wirklichkeit zu materialisieren und deren Wahrheit zu enthüllen.

Marie-Amelie Germain, Cabane, 2017
Marie-Amelie Germain, Cabane, 2017

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Kunstmuseum Basel – InnenWelten

InnenWelten
Schenkung Betty und Hartmut Raguse-Stauffer
15.09.2018 – 06.01.2019

Seit 2014 hat das Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel im Rahmen einer Schenkung von Betty und Hartmut Raguse-Stauffer rund 300 Werke auf Papier vor allem aus den Bereichen des Expressionismus und der zeitgenössischen Kunst entgegennehmen können. Diese Schenkung spiegelt eine 40 Jahre dauernde bemerkenswerte Sammlertätigkeit wider. Sie ist nicht nur Zeugnis einer unbedingten Liebe zur Kunst mit ausgeprägtem Sachverstand und feinem Gespür für Qualität, ist sie gleichzeitig Ausdruck der innigen Verbundenheit zweier Menschen, die ein grosses Stück ihres Lebensweges gemeinsam beschritten haben. Mit einer Ausstellung von rund 70 Zeichnungen und Aquarellen aus dieser Schenkung würdigt das Kunstmuseum Basel einerseits das grosszügige Engagement des Stifterpaares, andererseits ist sie auch eine Hommage an die 2015 verstorbene Betty Raguse-Stauffer.

Das erste Werk, eine Zeichnung von A. R. Penck, erhielten Betty und Hartmut Raguse-Stauffer anlässlich ihrer Hochzeit im Jahr 1976. Schon im folgenden Jahr kam mit dem Erwerb einer Radierung von Emil Nolde ein weiteres Werk in die Sammlung, dem noch zahlreiche folgen sollten. Bereits in dieser frühen Zeit kristallisierten sich die beiden Hauptinteressen der Sammler heraus: Zum
einen galt ihre Liebe den Künstlern des Expressionismus, zum anderen verfolgten sie die Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst und begeisterten sich vor allem für figurativ arbeitende Künstler wie A. R. Penck, Jonathan Borowski, Marlene Dumas und Rosemarie Trockel. Die dem Sammlerpaar ebenfalls wichtigen Schweizer Künstler der 1980er-Jahre wie Silvia Bächli, Miriam Cahn und Josef Felix Müller schenkte es dem Aargauer Kunsthaus in Aarau.

Entscheidend für Betty und Hartmut Raguse-Stauffer war nicht, bestimmte Künstler oder künstlerische Positionen zu sammeln. Ausschlaggebend war vielmehr das einzelne Werk, das konkrete Motiv, in dem sich die persönlichen Vorlieben und Interessen der Sammler gespiegelt finden: existenzielle menschliche Erfahrungen wie Liebe und Tod, Religion und Spiritualität sowie die Musik. Hartmut Raguses Tätigkeit als Theologe und Psychoanalytiker, aber auch als passionierter Musiker sowie der Beruf seiner Frau als Psychoanalytikerin zeichnen sich in der Wahl der Blätter ab.

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Theaster Gates. Black Madonna

Kunstmuseum Basel
09.06.2018 – 21.10.2018

In seiner Ausstellung Black Madonna im Kunstmuseum Basel widmet sich der amerikanische Künstler Theaster Gates dem Kult um die Ikone der Schwarzen Madonna. Die dunkelhäutigen Statuen und Bildnisse der Jungfrau Maria gehören bis heute zu den meistverehrten in Europa. Theaster Gates befragt diese faszinierende Figur auf ihre politische, ästhetische und metaphorische Bedeutungsebene hin.   

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Too early to panic: Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger

Das Schweizer Künstlerduo Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger richtet diesen Sommer  im Museum Tinguely ein dreiteiliges Wunderkammer-Labyrinth ein. Das Publikum hat die einmalige
Gelegenheit, in einen Dschungel aus Werdendem, Wucherndem und Chaotischem einzutauchen und selber darin aktiv zu werden. 

06.06.2018 – 23.09.2018

Séverine Fromaigeat ist Kuratorin am Museum Tinguely. Gemeinsam mit Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger hat sie die grosse Ausstellung entwickelt, wachsen und wuchern lassen.
Séverine Fromaigeat ist Kuratorin am Museum Tinguely. Gemeinsam mit Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger hat sie die grosse Ausstellung entwickelt, wachsen und wuchern lassen.

Von Séverine Fromaigeat
Seit Beginn ihrer Zusammenarbeit im Jahr 1997 erschaffen Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger gemeinsam In-situ-Installationen, üppige und oftmals betörende Universen aus natürlichen Fundstücken und gefertigten Objekten. Wachstum, Transformation und Kristallisation sind Teil ihrer Kunstwerke: Durch chemische Reaktionen erfährt die Installation eine langsame Metamorphose. Der Besucher ist immer wieder eingeladen, in ein fantastisches Universum aus farbenfrohen Landschaften einzutauchen, selbst aktiv zu werden sowie Sinne und Geist anregen zu lassen. Die ebenso zauberhaften wie unheimlichen Installationen des Künstlerduos knüpfen Verbindungen zwischen gegensätzlichen Welten. Sie öffnen den Blick auf das sonderbare Laboratorium des Lebens, auf dessen biologische Vielfalt zwischen Natur und Künstlichkeit und auf die Kräfte von Fruchtbarkeit und Wachstum. 

In Form eines Raum-Zeit-Labyrinths präsentieren Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger einen Überblick ihres 25-jährigen Schaffens. Der Zugang zur Ausstellung erfolgt durch eine von drei Türen – diejenige der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft. Hinter jeder Tür verbirgt sich ein anderes Kapitel ihres Kosmos, das sich wiederum aufgliedert in eine Vielzahl potenzieller Erfahrungen an verschiedenen Stationen. So kann der Besucher unter anderem durch einen Wald von Zweigen streifen, einen Halt in einem Massagesalon einlegen, eine Runde schaukeln, eine Träne für ästhetisch-wissenschaftliche Zwecke vergiessen, sich mit Schönheitsexperten unterhalten, Übungen auf Fitnessgeräten absolvieren oder Auge in Auge mit einem Meteoriten seine psychische Belastbarkeit prüfen.

Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, Königliche Regenwürmer, 2017
Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, Königliche Regenwürmer, 2017, Installation © 2018 Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger

Wer die Tür der Vergangenheit wählt, begibt sich auf eine Zeitreise zu den frühesten Arbeiten des Duos. Diese sehr geordnete Welt weist viele Merkmale einer klassischen Ausstellung auf, mit Objekten, Videos und zweidimensionalen Werken, deren Präsentation etablierten kuratorischen Grundsätzen folgt. Durch ein mit Gerätschaften aller Art vollgestopftes Gartenhäuschen gelangt man zu verschiedenen von den beiden Künstlern über die Jahre angelegten Sammlungen, insbesondere von Samen (Schlafende Samen, 2002, Samensammlung aus Mali, 2003). Das Samenkorn, Keimzelle aller Dinge, steht gleichermassen für die Fruchtbarkeit – diese primäre Energie, die jeder Form von Leben zugrunde liegt – wie für die Wurzeln, die uns sowohl mit unserer eigenen Vergangenheit als auch der Geschichte der Menschheit verbinden. Im weiteren Verlauf folgt das Video Logic of Beauty (2010), ein Strom hypnotischer Bilder, deren Farben und Muster eine magnetische Wirkung ausüben, als ob die Künstler hier die Essenz der Schönheit eingefangen hätten.

Auf das Thema der Schönheit trifft man auch hinter der Tür der Gegenwart. Jeder Raum präsentiert sich als dreidimensionale
Mini-Fiktion, mit eigenen Kulissen, Darstellern und Requisiten. Die Hauptrolle spielt jedoch der Besucher, der die Szenerie zum Leben erweckt. Station für Station beschert ihm eine interaktive, zugleich wissenschaftliche, vergnügliche und philosophische Erfahrung rund um den Begriff der Schönheit. Hier heisst es, seine Schüchternheit an der Garderobe zu deponieren und sich auf die Akteure – eine/n Sekretär/in, eine/n Tränensammler/in und eine/n Personal Trainer/in – einzulassen. Auf dem Programm stehen das Bestaunen von Augensekreten und ihrer winzigen Strukturen unter dem Mikroskop, das Liegen unter einem schweren hängenden Stein, Konzentrationsübungen oder auch eine stille Pause.

Im letzten Bereich wartet die Zukunft mit ihren Unsicherheiten, ihrem Chaos und ihrer Unfertigkeit. Dominiert werden die Räumlichkeiten von einem majestätisch wuchernden Wald, einem schwebenden, vielfarbigen Labyrinth voll mit Verästelungen aus pflanzlichen und künstlichen Elementen, das auf das Gewimmel alles Lebendigen anspielt und dessen im Raum tanzende Formen zum Träumen und Fantasieren anregen. Zum Ende geht der hängende Wald in einen Fitnessraum über, dessen Geräte von den beiden Künstlern auf schelmische Weise so umgestaltet wurden, dass sie neben dem Körper auch den Geist stimulieren.

Mit Too early to panic laden uns Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger auf eine Reise ein – eine Reise, die uns die Welt um uns herum mit neuen Augen sehen lässt.

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