Joelle Tuerlinckx – NOTHING FOR ETERNITY

Kunstmuseum Basel | Gegenwart
15. Oktober 2016 – 26. Februar 2017

Das Medium der belgischen Künstlerin Joelle Tuerlinckx (*1958) ist nicht Malerei, nicht Skulptur, auch nicht Performance. Tuerlinckx arbeitet mit dem Medium – der Ausstellung selbst. „Die Räume des Museums sind ihre Leinwände, das Museum ist ihr Atelier“, erläutert Soren Grammel, Leiter des Kunstmuseum Basel Gegenwart und Kurator der Ausstellung. Daraus ergibt sich, dass die Arbeit im Medium der Ausstellung nie fixiert ist und auch nicht wiederholt werden kann, denn jeder Ausstellungsort  ist anders.

Joelle Tuerlinckx, River Corner ST. Alban-Teich, 15. Oktober 2016 – 26. February 2017 (+OBJETs TROUVEs SUR PLACE)
Joelle Tuerlinckx, River Corner ST. Alban-Teich, 15. Oktober 2016 – 26. February 2017 (+OBJETs TROUVEs SUR PLACE)

Fundstücke und Alltagsgegenstände
Raum und Zeit, Ort und Kontext verändern sich und beeinflussen die Arbeit von Tuerlinckx. Joelle Tuerlinckx – NOTHING FOR ETERNITY weiterlesen

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Addie Wagenknecht – Liminal Laws

Addie Wagenknecht
Liminal Laws
bis 13.11.2016
HeK – Haus der elektronischen Künste Basel

Die Amerikanerin Addie Wagenknecht verstrickt sich nicht so leicht im Internet wie unsereiner. Als technologisch interessierte Hackerin und Aktivistin arbeitet die in Innsbruck lebende Künstlerin und Feministin viel mit „open source“ Daten, jenen Daten also, die im Netz frei zugänglich sind. Addie Wagenknecht – Liminal Laws weiterlesen

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Bruno Jakob | Edit Oderbolz

Bruno Jakob | Edit Oderbolz
31.08.2016 – 06.11.2016
Kunsthaus Baselland

Bruno Jakob

Bruno Jakob malt mit Wasser. Seine Pinsel taucht er in kleine Plastikgefässe, die mit Wassern verschiedener Herkunft und unterschiedlichen Temperaturen gefüllt sind. Aber er malt auch mit Luft und Liebe. Und er hält Behälter mit Energiewellen bereit, vor allem solchen aus seinem Gehirn, er nennt sie brainwaves. Dies sind die Materialien, mit denen Jakob seine Kompositionen auf die Leinwand bringt. Mit Wasser zu malen ist gleichzeitig historisch und gegenwärtig, es umfasst den Augenblick sowie das Unendliche. Bruno Jakob | Edit Oderbolz weiterlesen

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Grenzenlos grausam?

Grenzenlos grausam?
02.09.2016 – 29.01.2017
Skulpturhalle Basel

Ella van der Meijden*

Bei den Griechen bildeten sich schon früh ein Bewusstsein und ein Stolz für die eigene Zivilisation heraus, die durch göttliche Ordnung und gemeinschaftliche Normen und Grenzen geprägt war. Man projizierte die Einflüsse, die dieses Gesellschaftssystem stören und gefährden konnten, auf mythische Gegenbilder. Ein Beispiel dafür ist der Kampf gegen die Giganten – sie bedrohten die Herrschaft der Olympischen Götter – oder gegen die wilden Kentauren, die Chaos in einen geordneten Raum brachten. Im Kampf der Griechen gegen die Amazonen, ein Frauenvolk, das die griechischen Regeln der Rollenverteilung verletzte, kam die (männliche) Grundangst vor einer möglichen Umkehrung der gesellschaftlichen Ordnung zum Ausdruck.

Fremde Völker wie die Perser verkörperten alles, was als ungriechisch galt. Man kennzeichnete sie möglichst drastisch als barbarisch und unzivilisiert und betonte dadurch den Gegensatz zwischen ihnen und der eigenen Kultiviertheit. So schuf man ein ideales Feindbild.

Kampf zwischen Griechen und Kentauren, Metope von der Südseite des Parthenon auf der Akropolis in Athen; 447–442 v. Chr.; Abguss Skulpturhalle Basel
Kampf zwischen Griechen und Kentauren, Metope von der Südseite des Parthenon auf der Akropolis in Athen; 447–442 v. Chr.; Abguss Skulpturhalle Basel

Geschickt inszenierten die Griechen diese Auseinandersetzungen an Bauten an exponierten Orten, etwa auf der Akropolis oder auf der Agora in Athen. Damit brachte Athen nicht nur die Überlegenheit der griechischen Kultur zum Ausdruck, sondern stellte auch seine politische und militärische Macht unter Beweis, benutzte sie also zur Herrschaftslegitimation.

Die Ausstellung Grenzenlos grausam? umfasst Abgüsse von Reliefs und Statuen aus der hauseigenen Sammlung sowie Vasen und andere Objekte aus dem Antikenmuseum Basel. Sie fokussiert auf den Umgang mit Gewaltdarstellungen im antiken Griechenland von der archaischen bis zur hellenistischen Zeit – insbesondere vom 6. bis zum 2. Jahrhundert v. Chr.: Wo und wie hat man bestimmte Themen dargestellt?

Die grossformatigen Darstellungen – Reliefs, dreidimensionale Werke und Tafelbilder – waren für (fast) alle Bewohner eines Gemeinwesens sichtbar. Weit verbreitet waren aber auch Bilder auf bemalten Gefässen und anderen kleinformatigen Trägern, die hingegen vor allem für die Oberschicht bestimmt waren. Sie zeigen alle Facetten der Gewalt: von Kämpfen über grausame Bestrafungen von Frevlern, von sich selbst tötenden Feinden bis zu männermordenden Frauen.

Die Bilder widerspiegeln die (Ideal-)Vorstellungen der Männer, denn diese stellten die Kunstwerke her und bemalten sie. Sie waren auch die Hauptkonsumenten dieser Medien und folglich die Hauptadressaten.

Die Beschäftigung mit den antiken Gewaltbildern regt zur kritischen Auseinandersetzung mit dem heutigen Phänomen Gewalt an. Sie sensibilisiert das Publikum vor einem geschichtlichen Hintergrund dazu, Gewalt und ihre Darstellung zu hinterfragen. Auch die bildende Kunst setzt sich heute im weitesten Sinn mit der Thematik auseinander und reflektiert sie. Einige zeitgenössische Positionen aus verschiedenen Medien – Malerei, Video, Zeichnung, Fotografie, Film – bilden deshalb den Auftakt zur Ausstellung.

*Ella van der Meijden ist Leiterin der Skulpturhalle Basel
und Kuratorin der Ausstellung

 

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Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter
04.09.2016 – 22.01.2017
Fondation Beyeler

Von Sibylle Meier

Die grosse Herbstausstellung der Fondation Beyeler widmet sich – zum ersten Mal seit 30 Jahren in der Schweiz – einem Künstlermanifest, dessen revolutionärer Inhalt bahnbrechend für die Entwicklung der modernen Kunst in Europa war: dem Blauen Reiter.

Franz Marc, Blauschwarzer Fuchs, 1911
Franz Marc, Blauschwarzer Fuchs, 1911

Der Blaue Reiter ist ein Almanach – eine Sammlung von Texten – der 1912 in München im Piper-Verlag erschien und von den beiden Malern Franz Marc (1880–1916) und Wassiliy Kandinsky (1866-1944) herausgegeben wurde. Das Buch folgte auf zwei Ausstellungen, die unter gleichem Namen 1911 und 1912 ebenfalls in München stattfanden. Zu den wichtigsten Mitgliedern des Blauen Reiter zählen Franz Marc, Wassiliy Kandinsky. Zum engen Kreis gehören Kandinskys Lebensgefährtin Gabriele Münter, das Paar Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, August Macke, Paul Klee und Alfred Kubin.

Ziel des Blauen Reiter war es, mit den akademischen Traditionen zu brechen, um neue künstlerische Formen entwickeln zu können. Diese sollten nicht mehr vom Abbild der sichtbaren Wirklichkeit abhängig sein, vielmehr ging es darum, geistige Fragen in Farbe und Form zu transferieren. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Befreiung der Farbe von ihrer Aufgabe einen Gegenstand „realistisch“ abzubilden. „Vom Naturabmalen – mehr oder weniger impressionistisch – zum Fühlen eines Inhalts – zum Abstrahieren“ wie es Gabriele Münter so treffend formuliert hatte. So wie Münter ungemischte Farben zueinander setzte und ihre Motive auf einfache Formen herunterbrach, trug sie wesentlich zur Entwicklung zu einem neuen modernen Kunstverständnis bei.

Ulf Küster, der Kurator der Ausstellung, nimmt sein Publikum mit, auf einen spannenden Rundgang durch die Geschichte dieses revolutionären Buches. Die Ausstellung beschränkt sich auf den Zeitraum 1908 – 1914, wo der 1. Weltkrieg dieser Entwicklung ein jähes Ende bereitete. Über neun Sääle verteilt werden über 70 Werke und 90 Exponate rund um den Blauen Reiter gezeigt , veranschaulicht ihre Geschichte und dokumentiert, die von ihr entwickelte Abstraktion.

Im Zentrum der Schau stehen die Werke der beiden Gründer des Blauen Reiter, Franz Marc und Wassiliy Kandinsky, die sich erst 1911 kennenlernten. Beide suchten auf ganz unterschiedliche Art und Weise ihre geistige Haltung zum Ausdruck zu bringen. Während Kandinsky eine synästhetische Kunst anstrebte, die die Grenzen zu anderen Kunstformen überschreiten sollte, versuchte Marc über die Auseinandersetzung mit den unschuldigen Seelen von Tieren, an die Darstellung einer kosmisch unverfälschten Natur zu gelangen. Inspiration dazu fanden beide Künstler (zusammen mit Münter, Werefkin und Jawlensky) in der Landschaft um Murnau, einem Dorf in der Voralpenlandschaft von München.

Inhaltlicher Höhepunkt der Ausstellung bildet der Saal Nr. 7 der ganz dem Almanach und seinem Inhalt gewidmet ist. Der Name wurde am Kaffeetisch in der Marc’schen Gartenlaube in Sindelsdorf entwickelt: Beide Künstler liebten Blau, Kandinsky war begeistert von Reitern, Marc von Pferden „so kam der Name von selbst.“ Das Programm des Almanachs ist eine heterogene Zusammenstellung von hoher Kunst und Volkskunst – auch Kinderzeichnungen sind dabei –, von europäischen und internationalen Bildern, die zusammen einen „vielstimmigen Chor an Texten und Bildern aus unterschiedlichen Epochen“ bilden, wie Ulf Küster anmerkt. Kandinsky schwebte eine „Kette zur Vergangenheit und einen Strahl in die Zukunft“ vor, weswegen er sich auch den Namen „die Kette“ hätte vorstellen können. Ziel war eine internationale, hierarchielose Kunst, die nur durch ihre „innere Notwendigkeit“ – durch das Geistige in der Kunst –über alle Grenzen und Zeiten hinweg verbunden war. Kunst als eine einzige grosse Seelenverwandtschaft. Die Publikation diente Marc und Kandinsky auch als eine Art Legitimation für die, in ihren Werken entwickelte Wandlung von der Figuration zur Abstraktion.

Franz Marc, Die grossen blauen Pferde, 1911
Franz Marc, Die grossen blauen Pferde, 1911

Zwei Hauptwerke von Kandinsky und Marc wollen noch erwähnt sein. Zum einen Die grossen blauen Pferde (aus Minneapolis) die Marc 1911 gemalt hat. Mit diesem Bild „versöhnte Marc die Moderne mit der Zeit der Gegenwelt der Moderne“, wie Küster anmerkt. Befürworter wie Gegner der Moderne fanden in diesem Bild ihre Ruhe. Die Pferde scheinen im Einklang mit der sie umgebenden Natur zu sein. Der Farbtheoretiker Marc macht auch hier Gebrauch von der Wirkung des Komplementärkontrastes (blau – gelb und rot-grün) und erhöht so die Wirkung der einzelnen Farben. Die runden Bewegungen der Pferde gehen sanft in die hügelige Landschaft über. Die so rhythmisierte Bildkomposition strahlt trotz ihrer intensiven, lebendigen Farbigkeit eine innere Ruhe aus, die Marc in der unschuldigen Tierseele zu erkennen glaubte.

Wassily Kandinsky, Komposition VII, 1913
Wassily Kandinsky, Komposition VII, 1913

Ein ganz anderes Spiel mit Farbkontrasten betreibt Wassily Kandinsky mit seiner wohl grössten Komposition Nr. 7 (2 x 3 Meter) aus der Moskauer Tretjakow-Galerie von 1913. Kandinsky unterschied in seinen Bildern zwischen Komposition, Improvisation und Impression und schon dieser Sprachgebrauch deutet sein synästhetisches Bedürfnis an: mit Komposition kann sowohl ein Farbklang als auch ein musikalischer Klang gemeint sein. Die Komposition war die höchste Bildkategorie für Kandinsky denn sie vereinte Konzeption, Imagination und Intuition. In der Komposition Nr. 7 kommt diese Analogie zum Ausdruck. Erst durch die Interaktion des Werks mit seinem Betrachter entsteht (im Idealfall) ein Seh-Rhythmus, der in der Musik seine Entsprechung findet. Die Komposition Nr. 7 ist den Themen Sintflut und dem Jüngsten Gericht gewidmet und vermittelt eine Vorahnung auf den ersten Weltkrieg. Die Form des Werks ist „Ausdruck des inneren Inhaltes“ und das wichtigste ist, „ob die Form aus der inneren Notwendigkeit gewachsen ist oder nicht“, wie Kandinsky selbst schreibt. Nur noch Andeutungsweise finden wir Elemente von Landschaft und Tiefe, die Darstellung ist einem Spiel aus Farben und Formen gewichen, die sich ganz aus Kandinskys innerer Empfindung speist – die Abstraktion war geboren.

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Ausstellungen in der Region Basel